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Nicolai Hartmann (* 20. Februar 1882 in Riga, † 9. Oktober 1950 in Göttingen) war ein deutscher Philosoph und Professor für Philosophie. Er gilt als bedeutender Vertreter der idealistischen Philosophie und gilt als einer der wichtigen Erneuerer der Metaphysik im 20. Jahrhundert.

Vita


Hartmann studierte Philosophie in Sankt Petersburg, im estländischen Dorpat und in Marburg. Er lehrte seit 1920 als Professor in Marburg, ab 1925 in Köln, ab 1931 in Berlin und ab 1946 in Göttingen, wo er 1950 starb.

Entwicklungsgang


Ursprünglich zeigte Hartmann reges Interesse für die Wirklichkeitstheorien Platons, wie er sie in den Auslegungen der Neukantianischen Marburger Schule vorfand. Später wandte er sich jedoch gegen deren rationalistischen Positivismus mit seiner Lehre einer konstituierenden Setzung von Realität durch den Geist und vertrat nun entschieden die Auffassung, dass die Wirklichkeit unabhängig von Verstandesleistung existiere. Nach Hartmann kann der Mensch jedoch das Wesen der Wirklichkeit, von dem er und seine Erkenntnisleistung selbst lediglich ein Teil ist, nie vollständig erfassen. In seiner Ethik, einem der zentralen Werke des Philosophen, entwarf er im Anschluss an Max Scheler eine »materiale Wertethik«.

Im Bereich der Ontologie entwickelte Hartmann ein Schichtenmodell des Seins. Er unterscheidet 4 Schichten und zwar eine anorganische, organische, seelische und geistige Schicht. Dabei baut die höhere auf der niederen auf, ohne jedoch gänzlich auf sie zurückführbar zu sein.

Seine Schichtungsgesetze (aus "Der Aufbau der realen Welt", 1964 / 3.Aufl., p. 432):

  • 1 Gesetz der Wiederkehr: Niedere Kategorien kehren in den höheren Schichten als Teilmomente höherer Kategorien fortlaufend wieder (p 431: Ineinanderstecken der Kategorien). ... Aber dieses Verhältnis kehrt sich nie um.

  • 2 Das Gesetz der Abwandlung: Die kategorialen Elemente wandeln sich bei ihrer Wiederkehr in den höheren Schichten mannigfaltig ab. ... von Schicht zu Schicht neue Überformung.

  • 3 Das Gesetz des Novums: ... höhere Kategorie ... *" target="_blank" >enthält ein spezifisches Novum, ... das ... [nicht ... in den niederen Elementen enthalten ist ... .

Auf seine Schichtungsgesetze wird heute z.B. bei der Diskussion der Zusammenhänge zwischen folgenden Ebenen zurückgegriffen: Molekül, Zelle, Organ, Individuum, Gruppe - sowie bei der Frage wie der interdisziplinäre Gedankenaustausch in den Humanwissenschaften zu strukturieren sei (Interdisziplinarität, Transdisziplinarität; Nikolaas Tinbergen).

Bibliographie


Zu seinen wichtigsten Werken gehören das 1909 erschienene Platons Logik des Seins, die Ethik (1925), Neue Wege der Ontologie (1942) und die Ästhetik (1953).

Bücher:

  • 1921, Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis, Vereinigung wissenschaftl. Verleger Berlin.
  • 1923-1929, Die Philosophie des deutschen Idealismus ; 1: Fichte, Schelling und die Romantik. - 1923. 2: Hegel. - 1929, de Gruyter Berlin.
  • 1925, Ethik, de Gruyter Berlin-Leipzig.
  • 1926, Aristoteles und Hegel, Stenger Erfurt.
  • 1927, Allgemeine Biologie, Jena.
  • 1931, Zum Problem der Realitätsgegebenheit, Philosophische Vorträge, Pan-Verlagsges, Berlin.
  • 1933, Das Problem des geistigen Seins : Untersuchgn zur Grundlegung d. Geschichtsphilosophie u. d. Geisteswissenschaften, de Gruyter Berlin-Leipzig.
  • 1935-1950, Ontologie, 4 Bände: 1. Zur Grundlegung der Ontologie. 2. Möglichkeit und Wirklichkeit. 3. Der Aufbau der realen Welt: Grundriß der allgemeinen Kategorienlehre. 4. Philosophie der Natur : Abriss der speziellen Kategorienlehre, de Gruyter Berlin.
  • 1942, Neue Wege der Ontologie, Kohlhammer Stuttgart.
  • 1942, Systematische Philosophie, Kohlhammer Stuttgart Berlin.
  • 1946, Leibniz als Metaphysiker, de Gruyter Berlin.
  • 1949, Das Problem des geistigen Seins : Untersuchungen zur Grundlegung der Geschichtsphilosophie und der Geistewissenschaften, Walter de Gruyter Berlin.
  • 1951, Teleologisches Denken, de Gruyter Berlin.
  • 1953, Ästhetik, de Gruyter Berlin.
  • 1954, Philosophische Gespräche, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
  • 1955, Der philosophische Gedanke und seine Geschichte, Zeitlichkeit und Substantialität, Sinngebung und Sinnerfüllung, de Gruyter Berlin.
  • 1955-1958, Kleinere Schriften ; *Bd. 1*Abhandlungen zur systematischen Philosophie. *Bd. 2*Abhandlungen zur Philosophie-Geschichte. *Bd. 3*Vom Neukantianismus zur Ontologie, de Gruyter Berlin.

Einige Artikel:

  • 1912, Philosophische Grundfragen der Biologie in: Wege zur Philosophie, 6,
  • 1924, Diesseits von Idealismus und Realismus : Ein Beitrag zur Scheidg d. Geschichtl. u. Übergeschichtl. in d. Kantischen Philosophie in: Sonderdrucke der Kantischen Studien, Pan Verlag R. Heise Berlin, p. 160-206
  • 1933, Systematische Selbstdarstellung in: Deutsche systematische Philosophie nach ihren Gestaltern, Ebda, Berlin : Junker & Dünnhaupt, p. 283-340
  • 1935, Das Problem des Apriorismus in der Platonischen Philosophie in: Sitzungsberichte d. Preuss. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. 1935, 15, de Gruyter Berlin.
  • 1936, Der philosophische Gedanke und seine Geschichte, in: Abhandlungen d. Preuss. Akad. d. Wissenschaften. Phil.-hist. Kl. 1936, Nr 5, de Gruyter Berlin.
  • 1937, Der megarische und der Aristotelische Möglichkeitsbegriff : Ein Beitr. zur Geschichte d. ontolog. Modalitätsproblems, in; Sitzungsberichte d. Preuss. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. 1937, 10, de Gruyter Berlin.
  • 1938, Heinrich Maiers Beitrag zum Problem der Kategorien, in: Sitzungsberichte d. Preuss. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. 1938, de Gruyter Berlin.
  • 1939, Aristoteles und das Problem des Begriffs, in: Abhandlungen der Preussischen Akademie der Wissenschaften : Philosophisch-historische Klasse ; Jg. 1939, Nr 5, de Gruyter Berlin.
  • 1941, “Zur Lehre vom Eidos bei Platon und Aristoteles”, in: Abhandlungen d. Preuss. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. Jg. 1941, Nr 8, de Gruyter Berlin.
  • 1942, Neue Wege der Ontologie, in: Systematische Philosophie, N. Hartmann, editor, Stuttgart 1942.
  • 1943, Die Anfänge des Schichtungsgedankens in der alten Philosophie, in: Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften : Philosophisch-historische Klasse ; Jg. 1943, Nr 3, de Gruyter Berlin.

Sekundärliteratur in Auswahl


  • 1949, Autobiographie in W. Ziegenfuss, Philosophen-Lexicon.
  • 1952, H. Heimsoeth and others, ''N. Hartmann, der Denker und seine Werk.
  • 1959, H. Hulsmann, Die methode in der Philosophie N. Hartmanns.
  • 1962, K. Kanthack, N. Hartmann und das Ende der Ontologie.
  • 1965, I. Wirth, ''Realismus und Apriorismus in N. Hartmanns Erkentnistheorie.
  • 1965, J.B. Forsche, ''Zur Philosophie Nicoloai Hartmanns
  • 1971, E. Hammerkraft, Freiheit und Dependenz im Schitdenken N. Hartmanns
  • 1973, R. Gamp, ''Die interkategoriale Relation und die dialektische Methode in der Philosophie N. Hartmanns.
  • 1989, Arnd. Grötz, Nicolai Hartmanns Lehre vom Menschen, Lang, Frankfurt am Main.
  • 1990, H. William H, Nicolai Hartmann's new ontology, Florida State Univ. Press, Werkmeister, Tallahassee.
  • 1992, Roland H. Feucht, Die Neoontologie Nicolai Hartmanns im Licht der evolutionären Erkenntnistheorie, Roderer Regensburg.
  • 1994, Abolghassem. Sakersadeh, Immanenz und Transzendenz als ungelöste Problematik in der Philosophie Nicolai Hartmanns, Lit Münster.
  • 1997, Martin Morgenstern,Nicolai Hartmann zur Einführung, Junius, Hamburg.
  • 2000, Wolfgang. Harich, Nicolai Hartmann - Größe und Grenzen, Königshausen und Neumann, Würzburg.
  • 2001, Nebil. Reyhani, Hermann Weins Auseinandersetzung mit Nicolai Hartmann als sein Weg von der Ontologie zu einer philosophischen Kosmologie.
  • 2003, Gerhard. Ehrl, Nicolai Hartmanns philosophische Anthropologie in systematischer Perspektive, Junghans, Cuxhaven.

Weblinks


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