Nicolae Ceauşescu * (* 26. Januar 1918 in Scorniceşti; † 25. Dezember 1989 in Târgovişte) war ein kommunistischer Politiker und späterer Staatspräsident Rumäniens. Er war verheiratet mit Elena Ceauşescu. Mit ihr zusammen hatte Ceauşescu zwei Söhne und eine Tochter.
Wie zur damaligen Zeit in den ländlichen Regionen des Landes üblich, erhielt Ceauşescu nur eine vierjährige Grundschulausbildung. Seine Leistungen waren dabei durchschnittlich bis gut. So erhielt er in Lesen und Betragen jeweils die Note 8, in Mathematik eine 6 (höchste Note 10, schlechteste 0). Viele Jahre später, als der Personenkult um Ceauşescu seinen Höhepunkt erreichte, wurden seine schulischen Leistungen im Nachhinein überhöht. Seine Lehrer priesen Ceauşescu dabei als einen Schüler, in dem sie schon früh einen "strahlenden Mathematiker" oder gar einen "forschenden Geist" erkannt haben wollten. Der junge Ceauşescu war ein Einzelgänger, der wegen seiner geringen Körpergröße und eines Sprachfehlers unter mangelndem Selbstbewusstsein litt.
Mit dem Ende seiner Schulzeit begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Im Alter von elf Jahren schickte ihn seine Familie in die Hauptstadt Bukarest, wo er bei seiner Schwester und ihrem Ehemann lebte. Ceauşescu begann eine Lehre als Schuhmacher. Dabei kam er erstmals mit kommunistischem Gedankengut in Kontakt. Sein Meister ließ ihn Botengänge für die mit etwa 1000-1500 Mitgliedern kleine Kommunistische Partei Rumäniens machen, deren Anhänger er war. 1933 wurde Ceauşescu dann erstmals kurzzeitig von der Polizei verhaftet. Der Grund für diese Festnahme ist bis heute nicht genau nachgewiesen, man vermutet jedoch, dass es um Diebstahl ging. In späteren Werken staatsoffizieller rumänischer Historiker wird Streikhetze angegeben. Allerdings wurde später auch immer wieder der unbewiesene Vorwurf kolportiert, dass Ceauşescu in dieser Zeit Diebstähle und kleinere Gaunereien begangen habe. Im August 1934 kam es zu einer erneuten Verhaftung. Ceauşescu war beim Verteilen regierungsfeindlicher Flugblätter gefasst worden und wurde dafür der Hauptstadt verwiesen. Unter Polizeibegleitung musste er in seinen Heimatort Scorniceşti zurückkehren. Dort blieb er wohl fast das ganze Jahr 1935. (Nach eigener Darstellung kehrte Ceauşescu nach seiner Ankunft umgehend nach Bukarest zurück.) Gegen Ende 1935 kehrte er in die rumänische Hauptstadt zurück und nahm dort seine Propagandatätigkeit für die Kommunisten wieder auf. 1936 wurde Ceauşescu erneut verhaftet, nachdem er beim Verteilen von Flugblättern aus einem fahrenden Zug heraus gefasst wurde.
Diese dritte Festnahme bedeutete für den jungen Ceauşescu eine einschneidende Wende in seinem Leben. Erstmals wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Strafe saß er im Gefängnis Doftana ab. Später wurde in diesem Gefängnis seine angebliche Zelle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies erwies sich für seine spätere Parteikarriere jedoch als Glücksfall, da er während seines Gefängnisaufenthalts mit führenden Mitgliedern der KP zusammentraf. Darunter befand sich auch der spätere Parteichef und wichtige Förderer Ceauşescus, Gheorghe Gheorghiu-Dej. Nachdem er Ende 1938 aus der Haft entlassen wurde, nahm Ceauşescu 1939 eine Tätigkeit als kommunistischer Jugendfunktionär auf. Im gleichen Jahr lernte er die zwei Jahre ältere Elena (Lenuţa) Petrescu kennen, die später seine Ehefrau werden sollte. Nachdem mit Ion Antonescu eine faschistisch orientierte Regierung die Macht in Rumänien übernommen hatte, bedeutete dies für Ceauşescu eine erneute Inhaftierung. Bis zum Sturz der Antonescu-Diktatur 1944 war er wieder im Gefängnis, gemeinsam mit den Größen der rumänischen KP. Diese Gefängnisfraktion sollte sich in den innerparteilichen Machtkämpfen im Nachkriegsrumänien gegen die Fraktion der Illegalen und später der Moskauer Fraktion um Ana Pauker durchsetzen.
Allerdings konnte er sich der Protektion seines Förderers Gheorghiu-Dej weiterhin sicher sein. Dieser verhalf ihm im März 1948 zum Posten des stellvertretenden Landwirtschaftsministers unter Vasile Vaida, der ebenso wie Ceauşescu Schuhmacher war. Allerdings zog er in dieser Funktion starke Kritik auf sich. Als Hauptverantwortlicher trieb er die Bodenreform ohne jegliche Rücksichtnahme voran. Ceauşescu folgte in dieser Phase als begeisterter Stalinist den Vorstellungen Ana Paukers. Diese Radikalität in der Frage der Bodenreform führte sogar zu Zweifeln an Ceauşescus Fähigkeiten bei Gheorghiu-Dej. Dieser entschloss sich aber, den Enthusiasmus seines Protegés auf ein anderes Feld zu lenken. Er bekam am 9. Januar 1950 für vier Jahre den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers. Gleichzeitig wurde er in den Rang eines Generalleutnants der Infanterie befördert und wurde Chef der Obersten Politischen Direktion der Volksarmee (rum. Şef al Direcţiei Superioare Politice a Armatei Populare). Am 23. Juli 1953 kam es noch zu einer kleinen Aufwertung seines Amtes. Ceauşescu durfte sich nun Erster stellvertretender Verteidigungsminister nennen und stand damit in der Ministerialhierarchie direkt hinter Verteidigungsminister Emil Bodnaras. In der Zwischenzeit wurde er im Mai 1952 im Zuge der Säuberungen gegen die Moskauer Fraktion um Ana Pauker auch wieder Mitglied des ZK der PMR. Sein innerparteilicher Aufstieg begann spätestens, als Ceauşescu mit dem Ende seiner Zeit im Verteidigungsministerium am 19. April 1954 zum Sekretär des Zentralkomitees für Organisationsfragen sowie zum Kandidaten für das Politbüro aufstieg. Der Posten des ZK-Sekretärs für Organisationsfragen stellte in den kommunistischen Parteien eine wichtige Machtposition dar, weil damit unter anderem auch der Zugriff auf innerparteiliche Personalentscheidungen gegeben war. Die endgültige Aufnahme Ceauşescus in das Politbüro fand im Dezember 1955 statt. Er gehörte nun zu einem elitären Zirkel von elf Personen, welche die Macht des Landes in ihren Händen hielten.
Allerdings zeigte sich sehr schnell die Zielstrebigkeit Ceauşescus, der bereits am 9. Dezember 1967 zusätzlich das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates übernehmen konnte. Außenpolitisch distanzierte er sich in dieser Zeit öffentlich vom Kurs der Sowjetunion und näherte sich sogar den sowjetfeindlichen Chinesen an. Er war des Weiteren nicht bereit, im Jahr 1968 rumänische Truppen gegen die Aufständischen des Prager Frühlings einzusetzen.
Bereits 1966 versuchte Ceauşescu, den Mangel an Bildung, unter dem er litt, auf ungewöhnliche Art und Weise auszumerzen. Er begann ein Studium ohne Anwesenheit, welches er auch mit einem Diplom der Bukarester Wirtschaftsakademie abschloss. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Arbeit über Ausgewählte Probleme der industriellen Entwicklung Rumäniens im 19. Jahrhundert von einem Ghostwriter verfasst wurde.
Als 1985 Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU wurde und umfangreiche Reformen einleitete, reagierte Ceauşescu mit Ablehnung.
Die rigorose Industrialisierung führte zum Niedergang der Wirtschaft und vor allem der Landwirtschaft: Die Arbeiter erhielten keine Löhne mehr, elektrischer Strom musste rationiert werden, und selbst die Lebensmittelversorgung brach zusammen. Um die Staatsschulden abzubauen, wurden Lebensmittel rücksichtslos für den Export bestimmt. Statt sich der Probleme anzunehmen, setzte Ceauşescu gigantische Bauvorhaben in Gang. Er beendete den unter Gheorghiu-Dej begonnenen Donau-Schwarzmeer-Kanal, dessen Ufer mit einem Mosaik, das sein Ebenbild darstellt, verziert war. Den Wiederaufbau Bukarests nach dem verheerenden Erdbeben von 1977 trieb er intensiv voran, vor allem, um einen Riesenpalast bauen zu lassen. Die Ansicht der Stadt Bukarest als „Klein-Paris“ des Balkans wurde dadurch fast komplett zerstört. Besonders rücksichtslos war auch das so genannte „Dorfzerstörungs-Programm“, bei dem Dörfer zwangsweise zusammengelegt und in agro-industrielle Industrie-Komplexe umgewandelt werden sollten. Wären diese Pläne durchgeführt worden, wären circa 8000 Dörfer zerstört worden. Der offizielle Name dieser Aktion lautete Systematisierung.
1988 wurde Ceauşescu zu seinem 70. Geburtstag demonstrativ von SED-Chef Erich Honecker mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet und damit für seine ablehnende Haltung zur sowjetischen Perestroika gewürdigt.
Im November 1989 reiste Ceauşescu nach Moskau. Hier wurde ihm seine Abdankung nahegelegt. Er lehnte ab und ignorierte konsequent die Zeichen der Zeit. Kurze Zeit später wurde auch der bulgarische Präsident Todor Schiwkow in den Ruhestand versetzt.
Am 16. Dezember kam es zu einem größeren Aufstand im westrumänischen Timişoara, nachdem ein regimekritischer evangelisch-reformierter Pfarrer, László Tőkés, verschleppt werden sollte. Mehrere Demonstranten wurden dabei getötet. Die Geheimpolizei Securitate setzte bei der Niederschlagung Hubschrauber ein und begann daraufhin mit einem regelrechten Terror gegen die Aufständischen und diejenigen Mitglieder der Armee, welche die Seite gewechselt hatten.
Am 21. Dezember hielt Ceauşescu eine Rede, bei der ihn die Bevölkerung mit Buhrufen empfing. Einen Tag später versuchte er ein zweites Mal, die Massen zu beruhigen. Diese waren aber so aufgebracht, dass sie begannen, das Parteigebäude zu stürmen. Ceauşescu und seine Frau versuchten, in einem Schützenpanzerwagen außer Landes zu fliehen. Soldaten der rumänischen Armee nahmen sie jedoch bei Târgovişte nördlich von Bukarest fest. Am 25. Dezember wurde Ceauşescu zusammen mit seiner Frau von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Ceauşescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnahmezustandes ermöglicht. Kurz vor 15 Uhr Ortszeit wurde Nicolae Ceauşescu gemeinsam mit seiner Frau Elena Ceauşescu von den Offizieren Ionel Boeru, Octavian Gheorghiu sowie einem weiteren Soldaten erschossen. Kurz vor seinem Tod soll er gerufen haben: „Es lebe die freie und unabhängige Sozialistische Republik Rumänien!“ Die letzten Worte seiner Frau sollen gewesen sein: „Nicolae, man ermordet uns? In unserem Rumänien?“ Die Erschießung wurde gefilmt und sehr schnell landesweit und international mit der Begründung verbreitet, die Position der Einheiten der Rumänischen Armee zu beeinflussen und so einen drohenden Bürgerkrieg abzuwenden. Tatsächlich traten die regulären Truppen in den folgenden Tagen einheitlich auf die Seite der Bevölkerung über.
Im Ausland wurde der Fall Ceauşescus allgemein erleichtert aufgenommen. In der DDR kam die zynische Grußformel "Ciao-şescus" in Mode.
Die beiden Leichen wurden von Târgovişte nach Bukarest überführt und am 30. Dezember 1989 unter größter Geheimhaltung und unter falschem Namen mit dem Gesicht nach unten auf dem Bukarester Friedhof Ghencea begraben. Heute sind die beiden Gräber, die nicht zusammen liegen, ausfindig gemacht und können besucht werden. Die Tochter der Ceauşescus verhandelt mit der rumänischen Führung darüber, ihre Eltern exhumieren und zusammen in einem Mausoleum beerdigen zu lassen.
Nach dem Sturz Ceauşescus übernahm die Front zur nationalen Rettung (FSN) unter dem Vorsitz von Ion Iliescu, einem politischen Ziehsohn des „Conducător“, die Führung in Rumänien. Später kam es immer öfter auch zu kritischen Untersuchungen der Ereignisse im Dezember 1989. Es gibt starke Anhaltspunkte dafür, dass der Unmut der Volksmassen von Securitate und Armee – mit Einverständnis der Sowjetunion – genutzt wurde, den verhassten Diktator durch einen Staatsstreich zu beseitigen.
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