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Niccolo Tartaglia.jpeg Niccolò Fontana Tartaglia (* 1499 in Brescia, Italien; † 13. Dezember 1557 in Venedig) war ein Mathematiker.

Eigentlich hieß er Niccolò Fontana. Aber 1512 wurde er von französischen Soldaten derart misshandelt, dass er von da an sein Leben lang stotterte. Deshalb nannte man ihn Tartaglia (italienisch = der Stotterer).

Tartaglia studierte Latein, Griechisch und Mathematik. Von 1530 an arbeitete er als Lehrer in Verona, Piacenza, Venedig, Mailand und zuletzt wieder in Venedig.

Tartaglia kannte bereits den binomischen Lehrsatz für ganze positive Exponenten, behandelte Probleme der Wahrscheinlichkeitsrechnung, nahm zahlreiche Bestimmungen des spezifischen Gewichts vor und untersuchte 1537 die Bahn einer abgeschossenen Kanonenkugel. Er entwickelte dabei das Konzept der zusammengesetzten Bewegung und gilt deshalb als Vater der Ballistik. Hauptsächlich aber ist er bekannt durch seine Auflösung der allgemeinen kubischen Gleichungen. Deren Veröffentlichung durch Cardano führte zu einem heftigen literarischen Streit mit Cardano und dessen Schüler Lodovico Ferrari (vgl. Cardanische Formeln). Hintergrund des Streites war die Frage, wer zuerst kubische Gleichungen lösen konnte und wer das Lösungsverfahren entgegen irgendwelcher Absprachen weitergegeben oder veröffentlicht hatte. Bereits um 1500 kannte Del Ferro das Lösungsverfahren. Er veröffentlichte es nicht, gab es aber um 1510 an Antonio Maria Fior weiter unter der Auflage der Geheimhaltung. 1535 veranstalten Fior und Tartaglia einen öffentlichen Wettstreit bzgl. der Lösung 30 kubischer Gleichungen. Gegenüber Cardano deutete er sein Lösungsverfahren an. 1542 entdeckte Cardano zusammen mit seinem Schüler Ferrari, dass diese Methode mit der von Ferro übereinstimmte. Cardano vermutete nun, Tartaglia habe die Methode von Ferro geklaut und veröffentlichte sein eigenes, ähnliches Lösungsverfahren in Ars magna (1545). Tartaglia veröffentlichte in Quesiti (1546) eine Gegendarstellung. Der Streit darüber, wer nun als erster kubische Gleichungen lösen konnte, eskalierte in der Folge.

Von besonders großer Bedeutung für die abendländische Mathematik war auch die erste Übersetzung von Euklids Elementen (1543) in eine moderne europäische Sprache, da alle vorher verfügbaren Versionen aus dem Arabischen übersetzt waren und einige Fehler beinhalteten, insbesondere in Buch V bei Eudoxos' Theorie der Proportionen.

Tartaglia war zudem Staatsmann. Der Republik Venedig diente er zeitweise als Aufseher über die Verteidigungsanlagen und als Schatzminister.

Werke


  • General trattato de' numeri e misure, Venedig 1556-60, 3 Bände
  • Quesiti et inventioni diverse, Venedig 1546, 1554, 1556
    Hier wird die Lösung der allgemeinen kubischen Gleichungen beschrieben.

Siehe auch


Literatur


  • Dieter Jörgensen: Der Rechenmeister Rütten & Loening 1999. Roman, der auf dem Leben Tartaglias beruht.
  • Renato Acampora: Die "Cartelli di matematica disfida". Der Streit zwischen Nicolò Tartaglia und Ludovico Ferrari, Institut f. d. Geschichte d. Naturwiss., München 2000.
  • Friedrich Katscher: ''Die kubischen Gleichungen bei Nicolo Tartaglia: die relevanten Textstellen aus seinen "Quesiti et inventioni diverse" auf deutsch übersetzt und kommentiert, Wien 2001.

Weblinks


Mann | Mathematiker (16. Jh.) | Geboren 1499 | Gestorben 1557

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