Neustadt am Rübenberge ist eine Stadt der
Region Hannover in
Niedersachsen, zwischen
Bremen und
Hannover.
Geografie
Geografische Lage
Die Stadt liegt an der
Leine und nordöstlich des
Steinhuder Meeres. Neustadt gehört mit einer Fläche von 357 km² zu den
flächengrößten Städten in Deutschland.
Nachbargemeinden
Neustadt grenzt an die
Wedemark, an
Garbsen und
Wunstorf, sowie an die
Landkreise
Nienburg/Weser und
Soltau-Fallingbostel (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten).
Stadtgliederung
Neustadt besteht aus der Kernstadt (der früheren Kreisstadt) und den folgenden 35 umliegenden Dörfern, die auch unter dem Namen "Neustädter Land" zusammengefasst werden:
- Amedorf
- Averhoy
- Basse
- Bevensen
- Bordenau
- Borstel
- Brase
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Zu mehreren Ortsteilen (z. B. Amedorf, Basse, Bordenau, Evensen, Helstorf, Laderholz, Mandelsloh, Mariensee, Niedernstöcken, Nöpke, Vesbeck und Warmeloh) liegen Dorfchroniken zu deren Geschichte und heutiger Struktur vor.
Geschichte
Mittelalter
Kloster Mariensee Nachts.jpg im gleichnamigen Ortsteil]]
Von der
Steinzeit über das
Mittelalter bis heute war das Land in und um Neustadt von Menschen besiedelt. Die Stadt "Neustadt am Rübenberge" ist gegen
1200 das erste Mal in einem offiziellen Schriftstück erwähnt, in dem sie "nova civitas" und damit in der Übersetzung "neue Stadt" genannt wurde. Zu dieser Zeit gehörte das Land zu der
Grafschaft Wölpe, die in Neustadt die ersten Wölper Silberpfennige prägen ließ. Graf Bernhard von Wölpe stiftete das
Zisterzienserinnenkloster "
Kloster Mariensee", ein evangelisches Frauenkloster, das er
1221 auf seinen Hof Catenhusen an der
Leine verlegte.
1302 wurde die Grafschaft an Herzog Otto von Braunschweig verkauft. Die Festung erhielt 1493 den Namen "castrum Rouenberg". Dieser Name wurde im Laufe der Jahre durch die Veränderung der Sprache in "Rübenberg" umgeformt. Über die Bedeutung des ursprünglichen Namens ist man sich nicht einig; es wird vermutet, daß der Rouenberg eine flache Erhebung des Landes war.
16. Jahrhundert
1505 machte sich der 35-jährige Herzog
Erich I. von Calenberg, der auf der Neustädter Burg geboren wurde, Neustadt zum 2. Regierungssitz. Teile der Rouenburg fielen 1563 einem Brand zum Opfer. Herzog Erich II. begann 1573 mit dem Wiederaufbau. Er gab der Burg (die nun zu den stärksten Festungen im nordwestdeutschen Raum zählte) und der Stadt den Namen "Landestrost". Diesen Namen behielt allerdings nur die Burg bei, nach dem Tod des Herzogs nahm die Stadt ihren ursprünglichen Namen wieder an.
Nachdem Neustadt und das umliegende Land
1543 evangelisch-lutherisch geworden war, ergab es sich
1626 dem kaiserlich-katholischen Feldherrn
Tilly nach einer 15-tägigen Belagerung. 1635 wurde Neustadt während des 30-jährigen Krieges drei Monate lang belagert. Damit vertrieb man die katholisch-kaiserlichen Besatzungstruppen.
Beim dritten und größten Stadtbrand 1727 wurden 100 der 108 Wohnhäuser der Stadt zerstört und in den zwei darauffolgenden Jahren war Neustadt nach heutigem Grundriss wieder aufgebaut.
19.Jahrhundert
Hundert Jahre später,
1847, hielt am 12. Dezember die erste
Eisenbahn am Neustädter Bahnhof. Der Zug fuhr die Strecke Bremen/Hannover. 1855 werden die Bürger Neustadts das erste Mal von dem
Amtsgericht Neustadts vertreten.
1873 erlitt die Stadt einen großen industriellen Verlust. Man hatte versucht, den Torf aus dem toten Moor an Stelle von Steinkohle zur Stahlerzeugung zu nutzen. Die optimistischen Kalkulationen über die Verheizung und über mögliche Umsätze bei weiteren Stahlwerken waren aber völlig verfehlt und schon nach kurzer Zeit ging die Firma in die Pleite. Betroffen davon waren aber auch die Neustädter Bürger, da sowohl eine Anzahl von Arbeitsplätzen verlorenging als auch teure Investitionen des Ortes nun nutzlos wurden.
1885 wurde der Landkreis Neustadt am Rübenberge gegründet. Er umfasste unter anderem auch die Grafschaft Wölpe. Innerhalb der nächsten 30 Jahre wurden in Neustadt die ersten Schulen und die erste geschlossene Siedlung errichtet. Nach zweijähriger Bauzeit wurde 1913 der 250 m hohe "Funkenturm", seinerzeit das höchste deutsche Bauwerk, in der Neustädter Ortschaft Eilvese eingeweiht. Von hier wurde der erste Funkkontakt zwischen Europa und den USA hergestellt. Zu diesem Ereignis war Kaiser Wilhelm II Gast in Neustadt und Eilvese. Zwischen 1913 bis zum Abriss 1931 übermittelte der Sender Telegramme nach Überssee. Heute sind noch Fundamentreste der Anlage zu sehen.
20. Jahrhundert
Nach dem
Zweiten Weltkrieg stieg die Bewohnerzahl der Stadt sprunghaft an, da Neustadt von den Zerstörungen des Krieges größtenteils verschont geblieben war und viele
Flüchtlinge und
Vertriebene hier Zuflucht suchten.
Zerstört wurde in Neustadt lediglich die heutige Löwen-Brücke. Sie wurde
1945 von der Wehrmacht teilweise gesprengt, als englische Truppen auf dem Vormarsch Richtung Hannover waren. Bei dieser Sprengung starben ein Dutzend englischer Soldaten eines sinnlosen Todes, kurz vor dem absehbaren Ende des Krieges.
Noch bis 1948 war der Stadtwall nahezu vollständig erhalten geblieben, der aber auf Grund des immensen Platzmangels (das Wallinnere betrug gerademal 1 km²) weichen musste.
Im Zuge der Innenstadtsanierung änderte sich der Verkehrsfluss in Neustadt im Jahr 1981. Eine neue Betonbrücke nimmt nun die Verkehrslast an der historischen Innenstadt vorbei auf. Nach dem 2. Weltkrieg existierte in Poggenhagen das
Flüchtlingsjugendlager Poggenhagen.
In den 60er Jahren hatte Neustadt soviele Einwohner, dass ein Gymnasium gebaut werden konnte und die Schüler nicht mehr in die Nachbarstädte Nienburg oder Wunstorf fahren mussten, einige Jahre später kam dann noch eine Kooperative Gesamtschule hinzu. Ferner wurden mehrere Sportanlagen (Sport-, Tennisplätze und das Hallenbad) errichtet. Als damalige Kreisstadt erhielt Neustadt sogar ein neues Kreiskrankenhaus.
Bei der "Kreisreform" am 1. April 1974 ist der Landkreis Neustadt am Rübenberge aufgelöst und mit anderen Landkreisen zum Kreis "Hannover-Land" zusammengelegt worden. Am 1. November 2001 verschmolz dieser mit der Stadt Hannover zur Region Hannover.
Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Neustadt am Rübenberge zum ehemaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.
Das Kfz-Kennzeichen des ehemaligen Landkreises Neustadt/Rbge. war NRÜ. Man sieht es zuweilen noch heute (2006) an Fahrzeugen, die vor der Gebietsreform (s.o.) für den Straßenverkehr zugelassen wurden. Hierbei handelt es sich überwiegend um land- und forstwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge und Anhänger.
Einwohnerentwicklung
(jeweils zum 31. Dezember)
Politik
Stadtrat
Die 41 Sitze des Stadtrates verteilen sich wie folgt:
(Stand: Kommunalwahl am 9. September 2001)
Ebenso hat die Stadt Neustadt den Jugendrat, in dem Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ihre Meinung vertreten, und versuchen sie durchzusetzen.
Bürgermeister
Uwe Sternbeck wurde am 27. Juni 2004 in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt, nachdem er sich gegen die gemeinsame Bürgermeisterkandidatin der SPD/CDU und FDP bei der Stichwahl mit der hauchdünnen Mehrheit von 4 Stimmen durchgesetzt hatte. Zuvor hatten die Ratsparteien SPD/FDP und CDU Stadtdirektor Dieter Häseler bei vollen Bezügen abgewählt. Die Parteien haben sich dann auf eine gemeinsame Kandidatin aus Halle geeinigt, die jedoch bei den Wählern durchgefallen ist. Ursächlich für diese gravierende Niederlage der etablierten Parteien dürfte die massive Kritik der Bürger sein, die sich gegen diese Bevormundung der Wähler zur Wehr gesetzt hatten.
Städtepartnerschaften
Neustadt unterhält eine Städtepartnerschaft mit
La Ferté-Macé (
Frankreich).
Mitglied der internationalen Städtefreundschaft "Arbeitsgemeinschaft
Neustadt in Europa" mit 34 Mitgliedern aus fünf Staaten (Stand 2005).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
- ev.-luth. Liebfrauenkirche, im Kontext mit dem alten Rathaus und der alten Wache als spätmitteralterliches Ensemble.
- Schloß Landestrost mit Festungsanlagen
- Bastion Erichsberg
- Kloster Mariensee
- St.Osdag Kirche Mandelsloh
- Bockwindmühle Dudensen
- Wassermühle Laderholz
Fachwerkbauten:
- Hannoversche Strasse 1. Eingeschossiger Bau von elf Achsen, um 1800 erbaut.
- Mittelstrasse 29. Kleines Fachwerk-Dielenhaus aus der 1. H. des 18. Jh. Das Dielentor kürzlich wieder hergestellt.
- Windmühlenstrasse 19. Einer der letzten erhaltenen Wohnbauten, die beim Stadtbrand von 1727 verschont blieben, 1672 bezeichnet.
Kirche
Gut die Hälfte der Bewohner Neustadts gehören der ev.-luth. Kirche an. Die Kirchengemeinden in Neustadt gehören zum
Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf.
Die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul gehört zum Bistum Hildesheim.
Parks
Berühmt ist der
Naturpark Steinhuder Meer.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Die
Kaufkraft (Summe des verfügbaren Einkommens) beträgt 18.576 Euro je Einwohner (2006) und die
Kaufkraftkennziffer beträgt derzeit 109,8 (gegenüber dem Bundesdurchschnitt mit 100).
Die
Arbeitslosenquote beträgt 8,2% (Stand 06/2006).
Verkehr
Neustadt ist im Einzugsbereich der
S-Bahn Hannover gelegen.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- * um 1525, Friedrich Dedekind, † 27. Februar 1598, Theologe und Schriftsteller
- * 1748, 21. Dezember, Ortsteil Mariensee, Ludwig Christoph Heinrich Hölty, † 1. September 1776 in Hannover, Dichter im Umfeld des Hainbunds.
- * 1755, 12. November, Ortsteil Bordenau, Gerhard von Scharnhorst, † 28. Juni 1813 in Prag, preußischer General
- * 1811, 12. Februar, Johann ("Iwan") von Stietencron, † 15. November 1873 in Schötmar), Fürstlich Lippischer Kammerherr, Politiker im Fürstentum Lippe
Weblinks
Ort in Niedersachsen
Neustadt am Rübenberge | Neustadt am Rübenberge