Unter Neurosen wird eine Gruppe von psychischen Störungen verstanden. Speziell in der Psychoanalyse und der Psychiatrie wird angenommen, dass eine Neurose durch einen inneren, unbewussten Konflikt zwischen dem Es und dem Über-Ich entsteht. In diesem Konflikt kann es zu einem Zusammenbruch des Ichs kommen. Die Funktionsfähigkeit des Ichs wird durch die Abwehrmechanismen aufrechterhalten. Dies kann ebenso wie der Konflikt selbst zu der neurotischen Symptombildung führen. Das psychoananlytische Modell zur Neurosenentstehung nennt man das Konfliktmodell. Eine Persönlichkeitsstörung (Charakterneurose), welche zumeist Ich-synton ist, wird durch eine frühe Störung in der narzisstischen Entwicklung ausgelöst.
Allgemein lässt sich sagen, dass die Neurose eine psychische Verhaltensstörung von längerer Dauer ist. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sie erst im Laufe der Entwicklung entstanden ist. Zur Bestätigung solcher Diagnosen müssen organische Störungen als Ursache des Fehlverhaltens ausgeschlossen werden. Seine ihm charakteristischen Verhaltensstörungen vermag der Neurotiker nicht zu kontrollieren, er ist sich seines Leidens jedoch bewusst und an sich fähig, dessen Ursachen zu ergründen. (Gemäß Freuds Theorie führt schon dies geistige Streben, in Anwendung vor allem der Traumanalyse, zu ersten therapeutischen Ergebnissen.) Der Psychotiker ist dazu tendenziell außerstande, die Übergange zur Neurose bleiben allerdings fließend. So stellen z.B. auch die Träume der Gesunden ("normalen" Neurotiker) nach Freud im weitesten Sinne "psychotische" Vorgänge dar, infolge des im Schlaf momentan geschwächten Ich-Vermögens, die im Traum erlebte Realität von der den Träumer umgebenden Wirklichkeit zu unterscheiden.
Viele Zwangsstörungen (wie etwa der "Waschzwang") oder die Phobien (wie z.B. die Soziophobie) werden von Befürwortern des Begriffs zu den Neurosen gezählt. Als differentialdiagnostisches Kriterium zur Abgrenzung von der Psychose gilt unter anderem auch, dass die Neurotiker ihre Zwänge nicht nur als solche wahrnehmen (s.o.), sondern in aller Regel auch an dem Unvermögen, ihrer Herr zu werden, leiden.
Zur Illustration ein Auszug aus der "Neurosenlehre" von Alfred Adler 1913:
Durch die Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV wurde der Begriff Neurose, der ausschließlich auf den Theorien der Psychoanalyse beruht, durch für verschiedene Disziplinen und klinische Theorien geeignetere ersetzt. In der offiziellen Nomenklatur dieser Systeme kommt nur noch das Adjektiv neurotisch vor. Begründung für dieses, wenn auch nicht völlig konsequent durchgeführte, Vorhaben, den Begriff Neurose zu meiden, ist
Er stammt aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds und impliziert somit bestimmte theoretische Vorstellungen über das Zustandekommen von psychischen Störungen, die von anderen Theorierichtungen nicht akzeptiert werden. Jedoch ist in weiten Kreisen der deutschsprachigen Ärzte und Psychotherapeuten die traditionelle Unterscheidung zwischen Neurose und gesundem Verhalten nach wie vor üblich. So auch die Verwendung des Begriffes Psychose (Störung des ICH-immanenten Vermögens, den Realitätsgehalt Innerer und Äußerer Wahrnehmung zu differenzieren ('Stimmenhören'; 'Wahnvorstellungen'). Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Begriff einen hohen praktischen und wissenschaftlichen Wert hat.
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