Die Neuropathologie ist ein Gebiet der Pathologie, welches sich mit den Erkrankungen des Zentralnervensystems, der Hirnhäute (Meningen) und der peripheren Nerven beschäftigt. Weiterhin fallen auch Muskelerkrankungen in das Gebiet der Neuropathologie, sowie das Erstellen von Hirnbanken. Innerhalb der EU wird die Neuropathologie ausschließlich von der Bundesrepublik Deutschland als eigenständiges Fach anerkannt.
Im Gegensatz zu verwandten Fächern wie der Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie ist die Neuropathologie ein klinisch-theoretisches Fach, doch dient die sie vor allem diesen drei Fächern als Basis für Prophylaxe, Diagnose und Therapie, ist doch die Krankheitsmorphologie Voraussetzung für das nötige Verständnis der Pathogenese. Trotzdem geht es in der Neuropathologie mitnichten lediglich um verstorbene, sondern auch um lebende Patienten, so steht häufig ein Team aus Neurochirurgen und Neuropathologen gemeinsam im OP, auch gemeinsame Problemerörterungen mit anderen klinischen Kollegen sind üblich.
Alzheimer.jpg Das besondere an der Neuropathologie ist auch die extreme Kleinheit sowohl des Fachs als auch des wissenschaftlichen Objekts, mit dem es sich beschäftigt. Die ausgeprägte Überschaubarkeit der neuropathologisch tätigen Ärzte oder gar der noch kleineren Gruppe vollausgebildeter Neuropathologen bringt es mit sich, dass die Geschichte der Neuropathologie sehr stark von einzelnen Menschen dominiert wird. So sind die Namen der Psychiater Alzheimer, Brodmann, von Gudden, Kraepelin, Nissl, Spielmeyer sowie der Neurochirurgen Cushing und Tönnis und des Neurowissenschaftlers Zülch eng mit der Geschichte des hochspeziellen Fachs verbunden. Auch Sigmund Freud war Neuropathologe, wurde jedoch nicht als solcher, sondern als Begründer der Psychoanalyse berühmt. So wird das fruchtbare Zusammenspiel von Psychiatrie auf der einen und Neurochirurgie auf der anderen Seite deutlich.
Die Zeit des Nationalsozialismus war eine dunkle Zeit für die Neuropathologie; namhafte Forscher und wissenschaftlicher Nachwuchs wurden deportiert oder mussten fliehen (wie etwa der junge Hoffnungsträger Hans-Joachim Scherer), was der Entwicklung des wissenschaftlichen Fachs einen herben Schlag beifügte, nationalsozialistischer Wahnsinn warf mit – wenn auch mittelbarer – neuropathologischer Beteiligung am Euthanasie-Programm und anderen Schandflecken der Medizin einen finsteren Schatten auf die Neuropathologie. Traurige Bekanntheit erlangten etwa die „3 Brüder K“, eigentlich zwei Brüder und ein Cousin, die der NS-Forschung zum Opfer fielen, und deren Hirnpräparate zur Erforschung der seltenen Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit, einer Erkrankung der Myelinscheiden, verwandt wurden.NS-Gehirnpräparate bestattet. In: Ärzte Zeitung vom 30. Oktober 2003 Auch die „klassischen“ Kriegsschäden durch Bomben oder Plünderung trafen die Neuropathologie – wie alles andere auch.
Nach dem Krieg folgten die Jahre des Wiederaufbaus, in denen auch die wissenschaftlichen Institute sich neu formierten und regenerierten. Als eine der ersten Institutionen war die Münchner Forschungsanstalt für Psychiatrie in ihrem alten Gebäude wieder halbwegs arbeitsfähig.
Im Jahre 1948 hatte die neugegründete Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie beschlossen, die Neuroanatomen und Neuropathologen in ihre Neurologie-Sektion aufzunehmen, eine Entscheidung, die der Verschiebung der Akzentuierung der Neuropathologie etwas weg von der vormals sehr nahestehenden Psychiatrie eher hin zur Neurologie Rechnung trug.
Vom 6. bis 8. Oktober 1950 wurde in Frankfurt am Main die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie gegründet, welche 1956 unter Integrierung der Neuroanatomie zur Vereinigung Deutscher Neuropathologen und Neuroanatomen und schlussendlich 1975 in Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie umbenannt wurde (Beschluss in Köln). In Westdeutschland gab es in 1952 Bonn den erste Lehrstuhl für Neuropathologie. Rund 24 Jahre später, 1976, entsprach der Deutsche Ärztetag der Schaffung eines Teilgebietes Neuropathologie des Facharzts für Pathologie, ein eigener Facharzt für Neuropathologie wurde 1987 vom Deutschen Ärztetag beschlossen. Dagegen blieb im Osten Deutschlands die Neuropathologie bis zum Zusammenbruch der DDR dagegen eng mit der allgemeinen Pathologie verknüpft. Danach wurde die ostdeutsche Gesellschaft für Neuropathologie in die – nun gesamtdeutsche – Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie aufgenommen.
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