Brandenburg Wappen.svg Die Neumark ist eine östlich der Oder gelegene historische Landschaft, früher zu Brandenburg-Preußen gehörend, heute in Polen gelegen.
Auch die mark-brandenburgischen Herrscher, die Askanier, waren bestrebt, östlich der Oder Fuß zu fassen. Zu einem wichtigen Stützpunkt wurde die Kastellanei Zantoch mit dem einzigen Wartheübergang. Sie war in polnischer Hand, wegen ihrer strategischen Bedeutung aber über lange Zeiten ein Streitobjekt mit den Pommern gewesen. Des Streites müde überließ Großpolenherzog Przemysl I. 1254 die Kastellanei dem brandenburgischen Markgrafen Konrad als Mitgift für seine Tochter Konstanza. Zur Sicherung des Gebietes gründete Markgraf Johannes I. 1257 die Stadt Landsberg. Durch weiteren Landerwerb konnten die Askanier ihren Herrschaftsbereich weiter nach Osten bis zum Fluss Drage und nach Norden bis zum Fluss Persante ausdehnen. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war die Besiedelung des „Terra trans Oderam“ im Wesentlichen abgeschlossen. Die neuen Siedler waren in der Hauptsache aus den Magdeburger und altmärkischen Landen gekommen. Zum Machtzentrum der Neumark, wie das Gebiet etwa vom 15. Jahrhundert an genannt wurde, entwickelte sich die Stadt Soldin, die 1261 in den Besitz der Askanier gekommen war.
Mit dem Aussterben der Askanier 1320 ließ das Interesse Brandenburgs an der Neumark spürbar nach. Weder die Wittelsbacher (1323 - 1373) noch die Luxemburger Herrschaftshäuser kümmerten sich um die Weiterentwicklung ihrer östlich der Oder gelegenen Gebiete. Das politische Vakuum nutzten die Polen mit mehrfachen zerstörerischen Einfällen, und Raubritter terrorisierten die Bevölkerung. 1402 wurde die Neumark an den Deutschen Ritterorden verpfändet, 1429 ging sie in dessen Besitz über, doch ließ auch der Orden das Land weiter verfallen. Die eigene Misswirtschaft zwang den Orden, die Neumark bereits 1454 wieder an den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. aus dem Hause Hohenzollern zu verpfänden. Nachdem Friedrich II. die Neumark 1463 für 40.000 Gulden endgültig erworben hatte, gehörte die Neumark mit Ausnahme der Zeit zwischen 1535 und 1571 auf Dauer zu Brandenburg. 1535 machte Markgraf Hans von Küstrin die Neumark zeitweise zu einem selbständigen Staatsgebilde und leitete die Konsolidierung des Landes ein. Dabei wirkten sich die Folgen der 1537 eingeführten Reformation günstig aus, denn aller Stifts- und Klosterbesitz mit seinen reichen Einnahmen wurde in landesherrliches Eigentum überführt. 1548 wurde der Regierungssitz von Soldin nach Küstrin verlegt. Der Dreißigjährige Krieg machte der Neumark schwer zu schaffen. Schwedische wie kaiserliche Truppen zogen plündernd und brandschatzend durch das Land, die Pestepidemien der Jahre 1626 und 1631rafften die Bevölkerung dahin. Während der schwedischen Besetzung musste die Neumark 60.000 Taler und 10.000 Wispel Roggen an Stationierungskosten aufbringen. Neumark1818.jpg Mit der Gründung des preußischen Staates 1701 begann sich die Situation der Neumark wieder zu verbessern. Bereits unter König Friedrich I. setzte eine neue Kolonisationswelle ein, und zu den neuen Einwanderern zählten auch zahlreiche reformierte Franzosen, die ihres Glaubens wegen ihre Heimat verlassen mussten. Zielgerichtet wurde in der Neumark das Tuchmacherhandwerk angesiedelt. Einen erneuten Rückschlag für das wirtschaftliche Leben brachte der Siebenjährige Krieg mit sich, als erneut hohe Kontributionen aufgebracht werden mussten. Erheblicher Landgewinn und wirtschaftliche Konsolidierung kam durch das Trockenlegungsprogramm von Friedrich dem Großen für das Warthe- und Netzebruch ab 1770 für die Neumark zum Tragen.
Die Neugliederung Preußens auf Grund der territorialen Veränderungen durch den Wiener Kongress 1815 veränderte auch die politische Gliederung der Neumark. Die Kreise Dramburg und Schivelbein sowie die nördlichen Teile des Kreises Arnswalde mit der Stadt Nörenberg wurden Pommern zugeschlagen. Das verbliebene Gebiet der Neumark mit den Kreisen Königsberg/Nm., Soldin, Arnswalde, Friedeberg, Landsberg/W., Weststernberg (Reppen), Oststernberg (Zielenzig), Züllichau-Schwiebus und Crossen wurde in den neu geschaffenen Regierungsbezirk Frankfurt/Oder eingegliedert. Als 1938 die Provinz Grenzmark aufgelöst wurde, wurde die Neumark um die Kreise Schwerin/W. und Meseritz erweitert, im Gegenzug gingen aber die Kreise Arnswalde und Friedeberg nach Pommern.
Die Rote Armee erreichte die Neumark Ende Januar 1945. Von den 645.000 Einwohnern (Volkszählung 1939) waren noch rund 400.000 anwesend, von ihnen kamen in den darauffolgenden Wochen bis Kriegsende bis zu 190.000 gewaltsam ums Leben (d.h. 47,5 % der anwesenden Gesamtbevölkerung). Das ostbrandenburgische Gebiet ist damit die Region Deutschlands mit den höchsten Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Während bis kurz nach den Kämpfen kam es zu Kriegsverbrechen der sowjetischen und polnischen Armee an der deutschen Zivilbevölkerung Ostbrandenburgs, insbesondere zu Massenvergewaltigungen und Raubmorden. Die verbliebene Restbevölkerung wurde dann in den Jahre 1945 bis 1947 nahezu vollständig vertrieben. Die Vertreibung und vollständige Enteignung der deutschen Bevölkerung erfolgte mit Hilfe der von der polnischen Regierung erlassen Bierut-Dekrete. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, zumeist Spezialisten wie Techniker für Wasserwerke wurde zurückgehalten und musste Zwangsarbeit leisten. Diese Personengruppe durfte Ostbrandenburg Anfang der fünfziger Jahre verlassen.
Nach der Neugliederung Polens nach der Demokratisierung gehört der größte Teil der Neumark zur Woiwodschaft Lebus, deren Kernland sie nun bildet. Ein kleiner Teil gehört zur Woiwodschaft Westpommern. Seit dem 1. Januar 1999 gehört fast die ganze Neumark der Woiwodschaft Lebus an.
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