„Neue deutsche Rechtschreibung“ bezeichnet umgangssprachlich die deutschsprachige Rechtschreibung nach der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996. Dieser Artikel vergleicht die bis Mitte der 1990er Jahre gültigen Regeln mit der Amtlichen Regelung von 2004 und der überarbeiteten Amtlichen Fassung von 2006.
In der Abschlusserklärung des 1. Wiener Gesprächs von 1986 wurde das Ziel einer Rechtschreibreform wie folgt umrissen: "Grundsätzliches Einvernehmen wurde darüber erzielt, die auf der Orthographischen Konferenz von 1901 in Berlin erreichte einheitliche Regelung der deutschen Rechtschreibung den heutigen Erfordernissen anzupassen. Insbesondere geht es darum, die in vielen Teilbereichen der Rechtschreibung im Laufe der Zeit kompliziert gewordenen Regeln zu vereinfachen."
Die Dudenredaktion verweist auf folgende Regelungen der traditionellen Rechtschreibung, denen selbst geübte Schreiber nicht immer gewachsen seien:
Die Neuregelungen gliedern sich in folgende Bereiche:
Von der Kultusministerkonferenz werden als unstrittig betrachtet:
Diese Schreibweisen sind seit 1. August 2005 für die deutschen Schulen und Behörden verbindlich.
Als strittig galten zunächst
Zu diesen Punkten erarbeitete der Rat für Deutsche Rechtschreibung Änderungsvorschläge.
Die Beispiele in den folgenden Abschnitten stammen aus einer Handreichung der Dudenredaktion; die knappe und übersichtliche Formulierung der Neuregelungen ist exklusiv für die Wikipedia verfasst.
Die Reform versucht, die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben zu systematisieren und das Stammprinzip zu stärken.
Schreibung von ss und ß: In neuer Rechtschreibung steht ß nur noch nach langem Vokal und nach Diphthong: das Maß – des Maßes; außen; gießen – er gießt. Nach kurzem Vokal steht ss, wo in traditioneller Schreibung ein ß steht (Fluss, muss, nass, passt, Riss, wässrig), und ein einfaches s, wo auch in traditioneller Schreibung ein einfaches s steht (Ergebnis und andere Wörter auf ‑nis). Am Wortende und vor Konsonantenbuchstaben ist damit in reformierter Schreibung neben s und ß auch ss möglich. (In traditioneller Schreibung darf ss im Gegensatz zu anderen doppelten Konsonantenbuchstaben nur zwischen Vokalbuchstaben verwendet werden.)
In der Schweiz wird ß nach wie vor nicht verwendet (stattdessen ss). Wenn kein ß auf der Tastatur vorhanden ist, wird es durch ss ersetzt. Ein großes ß gibt es nicht. (Kein Wort fängt mit einem ß an.) Wenn Wörter in Versalien (Großbuchstaben) geschrieben sind, wird das ß durch SS ersetzt: Fußball -> FUSSBALL. Die in traditioneller Schreibung mögliche Verwendung von SZ sieht die reformierte Schreibung nicht vor.
Wenn bei Wortzusammensetzungen Dreifachkonsonanten entstehen, auf die ein Vokal folgt, so werden sie in reformierter Schreibung nicht mehr auf Zweifachkonsonanten reduziert (außer in Wörtern wie Mittag und dennoch, die längst nicht mehr als zusammengesetzt empfunden werden): Schifffahrt, Schritttempo, wettturnen, Flusssenke.
Dreifach-Vokale (schneeerhellt, See-Elefant) sowie Dreifach-Konsonanten, auf die ein weiterer Konsonant folgt (Auspuffflamme), werden auch nach der traditionellen Rechtschreibung nicht reduziert.
Hier wurde eine Reihe von Ausnahmen der Grundregel abgeschafft:
Alt:
Die Grundregel: Bei Wortzusammensetzungen bleiben alle Buchstaben erhalten. Beispiel: Fahrstuhl
Ausnahme: Treffen drei gleiche Konsonanten aufeinander, so enfällt einer. Beispiel: Schiffahrt
Ausnahme von der Ausnahme: Folgt auf die drei gleichen Konsonanten ein vierter Konsonant, so werden alle vier Konsonanten geschrieben. Beispiel: Werkstatttreppe
Ausnahme von der Ausnahme von der Ausnahme: Wenn der vierte Konsonant stumm ist, so entfällt einer der drei gleichen Konsonanten. Beispiel: Ballettheater
Neu:
Die Grundregel: Bei Wortzusammensetzungen bleiben alle Buchstaben erhalten.
Zur Erleichterung des Lesens kann man freier als in traditioneller Schreibung den Bindestrich setzen: Sauerstoff-Flasche.
Doppelkonsonanten nach kurzem Vokal in einigen Wörtern, für die sich Ableitungsbeziehungen herstellen lassen: Ass (wegen: des Asses, die Asse); Karamell (wegen: Karamelle), Messner (reformiert zu: Messe); Mopp (wegen: moppen); nummerieren (wegen: Nummer); Tipp (wegen: tippen); Stepp* (wegen: steppen); Tollpatsch (reformiert zu: toll). Entsprechend werden einige wenige Wörter auf ck oder tz umgestellt: Stuckatur, Stuckateur (wegen: Stuck); platzieren (wegen: Platz).
Umlautschreibungen, zur Markierung von synchron (angeblich?) empfundenen Ableitungsbeziehungen, auch wenn die sprachliche Herkunft nicht immer etwas damit zu tun hat: Bändel (wegen: Band); behände (wegen: Hand); belämmert (reformiert zu: Lamm); Quäntchen (reformiert zu: Quantum); schnäuzen (reformiert zu: Schnäuzchen, Schnauze); Stängel (wegen: Stange); Gämse (wegen: Gams); überschwänglich (wegen: Überschwang); verbläuen (reformiert zu: blau).
Regularisierung von Einzelfällen: rau (traditionell: rauh) wie blau, grau, genau, deshalb auch Rauheit nur mit einem h; Känguru wie Kakadu, Gnu (aber nicht wie Kuh!); Föhn auch in der Bedeutung „Haartrockner“. Rohheit und Zähheit, als Ausnahme jedoch unverändert Hoheit. Neu auch Zierrat (traditionell Zierat).
Freigabe von Alternativschreibungen: selbstständig neben selbständig; Albtraum, Albdrücken neben Alptraum, Alpdrücken.
Anmerkung: Zierrat und selbstständig sind keine bloßen Änderungen der Rechtschreibung im engeren Sinn, sondern es entstehen andere Wörter, da sie anders geschrieben und anders ausgesprochen werden als Zierat und selbständig. Entsprechendes gilt für nummerieren/numerieren und platzieren/plazieren mit dem Vorbehalt, dass hier viele Sprecher/-innen wohl keinen Unterschied machen.
In der offiziellen Systematik fällt die Fremdwörterschreibung unter das Kapitel Laut-Buchstaben-Beziehung.
Ausgangspunkt der Neuregelung ist die Beobachtung, dass häufig benutzte Fremdwörter nach jahrzehntelangem Gebrauch nicht mehr als Fremdwörter empfunden und dann zunehmend nach derselben Laute-Buchstaben-Beziehung wie heimische Wörter geschrieben werden. Beispiele: Coulisse -> Kulisse; Bureau -> Büro; Shawl -> Schal; Strike -> Streik, Telephon -> Telefon, Photographie -> Fotografie. Diesen Anverwandlungsprozess möchte die Neuregelung durch gezielte Variantenführung (lexikalische Querverweise von eingedeutschter auf originale Schreibung oder umgekehrt) sanft unterstützen.
Es werden neue Varianten vorgeschlagen: potenziell, substanziell, parallel zu den schon eingebürgerten finanziell, tendenziell; Portmonee; Exposee neben Exposé wie jetzt schon in Allee, Püree; Katarr neben Katarrh, Tunfisch neben Thunfisch, Panter neben Panther, Jogurt neben Joghurt.
In Wörtern mit den Stämmen (Endungen) -phon, -phot, -graph kann ph prinzipiell durch f ersetzt werden. Diese Ersetzung gilt also nicht für alle Wörter, in denen ein 'ph' vorkommt. So werden Philosophie, Physik, Amphetamin, Physiognomie usw. wie gehabt geschrieben.
In einem Einzelfall wurde eine integrierte Schreibung wieder (stillschweigend) zurückgenommen, obwohl sie recht verbreitet war: Statt Pußta sieht das amtliche Wörterverzeichnis nur noch Puszta vor (z.B. Pusztasalat). Anscheinend fand man keinen Weg, die Schreibung „Pußta“ mit der Regelformulierung für die ß-Schreibung zu vereinbaren.
Nach dem Doppelpunkt ist die Groß- und Kleinschreibung freigegeben. (In traditioneller Schreibung wird zwischen Ankündigung und Zusammenfassung/Folgerung unterschieden).
Die Höflichkeitsgroßschreibung: bei du, dein, ihr, euch usw. gestrichen, bei Sie, Ihnen usw. beibehalten. Aktuell spricht sich der Rat für deutsche Rechtschreibung jedoch dafür aus, das Personalpronomen "Du" in Briefen wieder groß zu schreiben.
Mehrteilige Eigennamen können andere Wortarten als Substantive enthalten: diese gleichen sich der Eigennamengroßschreibung an: der Schiefe Turm von Pisa, der Nahe Osten, die Schweizerischen Bundesbahnen.
Die Schreibung fester Begriffe aus Adjektiv und Substantiv, die keine Eigennamen im strengen Sinn sind, ist nach traditioneller Schreibung so geregelt, dass ein Ausdruck großgeschrieben wird, wenn das Adjektiv seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat. So ist beispielsweise ein Schwarzes Brett häufig nicht schwarz und der Erste Minister nicht der erste, sondern der höchste. Soweit sich ein Ausdruck noch nicht vollständig verselbständigt hat, lässt die traditionelle Schreibung gewisse Spielräume. Beispiele: die schwarze Liste, aber das Schwarze Brett; die schwarze Messe, aber die Schwarze Magie; der erste Spatenstich, aber die Erste Hilfe. In reformierter Rechtschreibung gilt hier grundsätzlich Kleinschreibung. Großschreibung gilt unverändert in folgenden vier Bereichen:
Bei der Schreibung der Ableitungen von Personennamen auf -isch oder -sch unterscheidet die traditionelle Schreibung zwischen persönlicher Leistung oder Zugehörigkeit und sekundärer Benennung: das Viktorianische Zeitalter (das Zeitalter Viktorias), aber der viktorianische Stil; das Ohmsche Gesetz (von Ohm selbst gefunden), aber der ohmsche Widerstand (nur nach Ohm benannt). In neuer Rechtschreibung werden diese (adjektivischen) Ableitungen wie alle übrigen auf -isch und -sch grundsätzlich kleingeschrieben.
Die Großschreibung von Substantiven wurde modifiziert, um die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von substantivischem und nicht substantivischem Gebrauch zu verringern; die Neuregelung bezieht sich auch in diesem Punkt verstärkt auf formale Kriterien und führt netto zu einer leichten Vermehrung der Großschreibung.
Als Nomen (nominal) gebrauchte Adjektive u. Partizipien werden großgeschrieben:
Als Nomen (nominal) verwendete Infinitive (Nennformen) werden großgeschrieben:
Die Getrennt- und Zusammenschreibung war bisher nicht amtlich geregelt. Ausgehend von der Beantwortung einzelner Fragen hatte die Dudenredaktion im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts zunächst Einzelentscheidungen im Wörterbuch festgelegt, später dann auch versucht, Regelhaftigkeiten zu beschreiben. Nach traditioneller Schreibung soll tendenziell bei "wörtlichem" Gebrauch getrennt, bei "übertragenem" Gebrauch zusammengeschrieben werden: Sie ist trotz der verschneiten Straßen gut vorwärts gekommen. aber Sie ist beruflich gut vorwärtsgekommen. Oder: Die Besucher sind stehen geblieben. (= standen weiterhin), aber Die Besucher sind stehengeblieben. (= haben einen Halt gemacht).
Nach Meinung der Reformer von 1996 war diese Regelung unübersichtlich, kompliziert und unsystematisch. Die Neuregelung wollte die Getrennt- und Zusammenschreibung nur noch über formalgrammatische Regeln; Bedeutungs- und Betonungsunterschiede sollten keine unterschiedliche Schreibung begründen. Die Getrenntschreibung sollte als Normalfall gelten. Diese Regel war aber heftig umstritten und wurde daher überarbeitet. Der Semantik und der "Trend zur Zusammenschreibung" wurde wieder der Vorzug gegeben, d.h. die Schreibweise richtet sich nun wieder verstärkt nach der Bedeutung der Wörter. Im Grunde genommen gelten daher wieder die alten Regeln vor 1996. Die Auseinanderscheibung ist seit März 2006 nicht mehr der Normalfall.
Der unverändert obligatorische Bindestrich in Zusammensetzungen wie O-Beine, x-beliebig, UKW-Sender, soll auch in Zusammensetzungen mit Ziffern stehen: der 8-Pfünder, der 27-Tonner, 375-seitig, 99-prozentig, 37-jährig. Die Regel, Suffixe ohne Bindestrich anzuschließen, übernimmt die Neuregelung: der 68er. Daraus folgt die Schreibung: eine 25er-Gruppe. Neben in den 90er-Jahren ist jedoch auch in den 90er Jahren zulässig, und zwar, anders als nach traditioneller Schreibung, ohne Bezug auf unterschiedliche Bedeutungen (Altersangabe/Epochenangabe).
Der fakultative Gebrauch des Bindestrichs zur Verdeutlichung des Aufbaus zusammengesetzter Wörter ist freigegeben: neben Blumentopferde und See-Enge (wie in traditioneller Schreibung) darf auch Blumentopf-Erde und Seeenge geschrieben werden. Gedacht ist diese Regelung aber in erster Linie, um die Lesbarkeit besonders langer Komposita zu erhöhen (Bundesinnenministerkonferenz -> Bundesinnenminister-Konferenz). Aus semantischen Gründen sollten gängige (also die, die einen feststehenden Begriff bilden) und/oder kurze Komposita nicht mit einem Bindestrich geschrieben werden (z.B. Hausmeister, Tischfußball, Fahrradlampe, Boxkampf). Aus den gleichen Gründen ist auf die richtige Setzung des Bindestriches zu achten (z.B. Fußballweltmeisterschaft, Fußball-Weltmeisterschaft aber nicht *Fußballwelt-Meisterschaft).
Eine beträchtliche Schwierigkeit der Interpunktion nach traditioneller Rechtschreibung wird nicht nur im Inhalt der Regeln gesehen, sondern vor allem auch in deren unübersichtlicher, fein verästelter Gestaltung. Das neue Regelwerk enthält einen einfacher strukturierten Satz von Grundregeln, die inhaltlich insbesondere folgende Änderungen mit sich bringen:
Das Komma zwischen Hauptsätzen, die durch und, oder oder eine verwandte Konjunktion verbunden sind, ist unverändert zulässig, in manchen Fällen angeraten, nach neuer Rechtschreibung aber nicht vorgeschrieben: Hanna liest ein Buch und Robert löst ein Kreuzworträtsel. Dagegen angeraten: Wir warten auf euch, oder die Kinder gehen schon voraus.
Die Kommasetzung ist auch in Infinitiv- und Partizipgruppen freigegeben: Sie bot mir(,) ohne einen Augenblick zu zögern(,) ihre Hilfe an. Angeraten in: Ich rate, ihm zu helfen. zur Unterscheidung von Ich rate ihm, zu helfen. - Vor Anstrengung heftig keuchend(,) kam er die Treppe herauf. Je nach Ausdrucksintention mit oder ohne Komma: Er kam(,) vor Anstrengung heftig keuchend(,) die Treppe herauf.
Zwischen direkter Rede und Kommentarsatz soll grundsätzlich neben dem Anführungszeichen ein Komma stehen. Damit werden die Regeln für die direkte Rede an die für die indirekte Rede angeglichen. Unverändert: "Ich komme gleich wieder", sagte sie. In neuer Rechtschreibung auch: "Wann kommst du?", fragte sie mich. Sie sagte: "Ich komme gleich wieder", und ging hinaus.
Als erste Grundregel gilt auch in der reformierten Rechtschreibung, nach Sprechsilben zu trennen (§107 des Regelwerks), als zweite Grundregel (die die erste Grundregel, nach Sprechsilben zu trennen, z.T. einschränkt) gilt unverändert, dass von mehreren Konsonantenbuchstaben der letzte auf die nächste Zeile gesetzt wird (§108).
Trennregeln, die sich aus der ursprünglichen Zusammensetzung von Wörtern ergeben, aber den beiden Grundregeln zuwiderlaufen, gelten in der neuen Schreibung nur noch alternativ zur Trennung nach den Grundregeln. (Für die Neuregelung, dass Trennungen nach Sprechsilben erlaubt sind, auch wenn sie der ursprünglichen Zusammensetzung von Wörtern entgegenstehen, gibt es schon in der traditionellen Schreibung ein paar Vorbilder: al-lein, Tran-sit, Epi-sode, Te-trarch, nicht all-ein, Trans-it, Epis-ode, Tetr-arch u.Ä.)
Das betrifft
Die zweite Grundregel darf jetzt auch generell bei Fremdwörtern vor allem lateinischen oder romanischen Ursprungs angewandt werden, bei denen bisher galt, dass bestimmte Buchstabengruppen (vor allem solche auf -l, -n, -r) nicht getrennt werden durften:
Die Grundregel, nach Sprechsilben zu trennen, ist auch auf alle Silben ausgedehnt, die nur aus einem Vokalbuchstaben bestehen (außer am Wortende): a-ber (traditionell nur aber), A-dria oder Ad-ria (Adria), Bi-o-müll (Bio-müll), be-o-bach-ten (be-ob-ach-ten), außerdem auf einige weitere Fälle wie z.B. Se-en-plat-te (Seen-plat-te), kni-en (knien).
Die zweite Grundregel, nach der von mehreren Konsonantenbuchstaben der letzte auf die nächste Zeile gesetzt wird, ist auf st sowie (wie oben gezeigt) unter Zulassung von Alternativschreibweisen auf manche zusammengesetzte und viele Fremdwörter ausgedehnt, beim ck aber durchbrochen:
Die Buchstabenfolge st kann getrennt werden, so wie nach traditionellen Regeln sp, pf und andere. Die traditionelle Regel, zwischen s und t nicht zu trennen (außer bei Zusammensetzungen wie Haus-tier), wird als überholt betrachtet, denn sie beruht auf einer Ligatur in den gebrochenen Schriften. Also: meis-tens, Kis-ten, flüs-tern, Fens-ter, bers-ten, schöns-te, sechs-te. Nicht getrennt wird "st", wenn es zum Beispiel in Wortzusammensetzungen an den Wortanfang fällt: Maß-stab (auf keinen Fall Maßs-tab, wie man es heute hin und wieder in Zeitungen sieht.)
Die Buchstabenfolge ck wird nicht wie in traditioneller Schreibung in k-k aufgelöst oder nach der zweiten Grundregel c-k getrennt, sondern (ohne eine Begründung dafür zu nennen) in eine Reihe mit ch und sch gestellt und als eine nicht-trennbare Einheit behandelt. Also: Zu-cker, ni-cken, tro-cken, Cra-cker (aber weiterhin: Bec-que-rel, Broc-co-li, Mok-ka; Sac-cha-rin).
Auch die neue deutsche Rechtschreibung besitzt keine eindeutigen Regeln für den Umgang mit nicht gesprochen Konsonantenbuchstaben zwischen Vokalen vor allem in Fremdwörtern und den Status von y zwischen Vokalen (meist sind nach Duden, 23. Aufl., beide Trennungen erlaubt): loy-al oder lo-yal (traditionell nur loy-al), Che-wing-gum oder Chew-ing-gum (aber nur Tel-to-wer, traditionell Tel-tow-er), Ca-yenne (aber Bay-er). Ebenso bleibt offen, welche Buchstabenfolgen (Digraphen) in Fremdwörtern als Einheit zu werten sind und damit nicht nach der zweiten Regel getrennt werden dürfen: z.B. Pi-ran-ha, aber Bud-dha.
Am 3. März 2006 hat die KMK einige Änderungen beschlossen, die ab dem 1. August 2006 gelten und mit dem 1. August 2007 verbindlich werden. Dem Schreiber ist jetzt noch mehr als bisher freigestellt, sich für die eine oder andere Schreibweise zu entscheiden. Die Änderungen jedoch, die zwingend sind, sind gelb unterlegt.
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