Die Neue Rechte ist eine politische Richtung, die in den 1960er Jahren als „Gegenmodell" zur Neuen Linken entstand. Name und Inhalte lehnen sich an die französische Nouvelle Droite an. Als deren Gründer und führender Theoretiker gilt der französische Philosoph Alain de Benoist, den der Bundesverfassungsschutz als Rechtsextremisten bezeichnetVerfassungsschutz-Bericht 2004 (PDF, Seite 103).
Die Vertreter der Neuen Rechten beziehen sich auf die „Konservative Revolution" der Weimarer Republik, die einen elitären und autoritären Politikentwurf vertrat und der u.a. Denker wie Carl Schmitt, Ernst von Salomon, Ernst Jünger und Oswald Spengler zugeordnet werden. Sie grenzen sich von der aus ihrer Sicht rückwärtsgewandten und theoriefeindlichen „Alten Rechten" abRichard Stöss: Die „neue Rechte" in der Bundesrepublik und fordern eine radikale „Erneuerung der Nation“.
Zudem beansprucht die Neue Rechte eine wesentliche Differenz zwischen einem völkischen Nationalismus und dem Nationalsozialismus. Daher grenzen sich ihre Vertreter vielfach ausdrücklich vom Neonazismus ab.Der Nichtnazi. Hartwig Schmidt in Initial – Berliner Debatte Diese Abgrenzung stellen führende deutsche und französische Politikwissenschaftler jedoch in Frage. Sie ordnen die Neue Rechte als intellektuelle Strömung des Rechtsextremismus ein, die versuche, auch Anhänger des Konservatismus anzusprechen, um sie für nationalistische Ausgrenzungs- und Homogenisierungskonzepte zu gewinnen.
Wer als Vertreter der Neuen Rechten zu gelten hat, ist vor allem in solchen Fällen umstritten, wo der Begriff als Fremd-, nicht Selbstbezeichnung verwendet wird. Im politischen und wissenschaftlichen Diskurs werden zum Teil auch Personen dazugerechnet, die sich selbst als bürgerlich-liberal und konservativ einordnen und ihre Zuordnung zur Neuen Rechten als Versuch der Stigmatisierung bezeichnen.
Vor diesem Hintergrund wird der Zustand der Gesellschaft kulturpessimistisch zumeist als dekadent und im Verfall begriffen dargestellt und ein national-utopisches Denken gepflegt: Nur durch den Bezug auf organische Vorstellungen von Nation und Volk, auf die „Wurzeln“ der Gesellschaft, könne in einem grundlegendem Umschwung in eine neue Ära (Neugeburt, Wiedergeburt, Palingenese) eine biopolitisch reine, gesunde („heile“) Gesellschaft entstehen. Dieser Punkt unterscheidet die Neue Rechte wesentlich vom Konservatismus, der dieses Ziel durch eine Restauration der „Werte“ erlangen will. Ihr völkischer Nationalismus teilt damit nach Roger Griffin allerdings ein zentrales Moment aller faschistischen Ideologeme.
Da für diesen Umschwung zur Zeit keine historischen Gegebenheiten, wie eine Massenbewegung vorhanden sind, besteht der wichtigste taktische Ansatz der Neuen Rechten in dem Anspruch, „Diskurshoheit“ in gesellschaftlichen Debatten und kulturelle Hegemonie zu erringen. Dieses Prinzip beschrieb zuerst der marxistische Theoretiker der Kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci. Er analysierte, dass gesellschaftliche Hegemonie auch im bestehenden System derart funktioniert: Wolle man eine solche Hegemonie erreichen, müsse man danach streben, durch publizistische Tätigkeiten den Elitendiskurs zu infiltrieren, in Vereinen, Verbänden und Kultureinrichtungen mitzuarbeiten und auf dieser Basis ideologische Inhalte in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen, letztlich Akzeptanz für sie zu schaffen und die öffentliche Meinung langfristig zu dominieren. Sei dieses Ziel erreicht, dann sei die Gesellschaft "reif" für einen Umsturz der Verhältnisse durch eine immer mehr zunehmende Zahl der Wahlanteile und Parlamentssitze bis zur Übernahme der Regierungsverantwortung.
Obwohl sich die europäischen Neue Rechte von politischen Gewalttätigkeiten fernhalte, verkörpere sie nach Roger Griffin „eindeutig eine Form des palingenetischen Ultranationalismus und haben die Bezeichnung ‚Faschisten‘ verdient“. Vor dem Bewusstsein, dass sich nach 1945 keine politischen Massenbewegungen mehr bilden lassen, bewege sich nach Griffin die Neue Rechte überlegt „in einen Zustand der Apoliteia jenseits der Parteipolitik und erwartet stoisch eine neue historische Konjunktur, in der die aufgeschobene Revolution wieder aufgenommen werden kann.“ Der „Stoizismus“ der Neuen Rechten ist nach Griffin mit „Terroranschlägen gegen die ‚dekadente‘ Gesellschaft der Nachkriegszeit“ nicht unvereinbar. Als Ausdruck für diese Haltung kann der militante Antiamerikanismus Alain de Benoist gesehen werden, der ausdrücklich Anschläge („Vergeltungsmaßnahmen“) auf die USA rechtfertigt.
Ziele dieser neurechten Debatten sind etwa die Ablehnung der 68er-Bewegung, aber auch von „Multikulti“ (als Verballhornung der multikulturellen Gesellschaft) oder egalitärer Bestrebungen, herausgestellt werden alte Tugenden wie Fleiß und Patriotismus. Eliten sollen sich bilden und die Gesellschaft führen. Nationalistische Konzepte werden auf ganz Europa erweitert. Eindeutig rechtsextreme Äußerungen werden aber kaum getätigt, um so größere Akzeptanz zu erreichen.
Bevorzugte Ziele des „Kulturkampfs“ der Neuen Rechten sind Gesellschaftssegmente, in denen sich junge Menschen finden, die eine gewisse Toleranz für neurechte Positionen haben: z. B. Burschenschaften, Vertriebene. Aber auch die Schwarze Szene wurde in den 1990er Jahren bereits umworben. Anknüpfungspunkt dafür war der „Neofolk“, ein Musikstil, bei dem man partiell mit faschistischer Ästhetik operiert. Im Neofolk-Fanzine Sigill (heute: Zinnober) wurde denn auch neben musikalischen Rezensionen Essays über das Werk Armin Mohlers, Ernst Jüngers, Julius Evolas und anderer veröffentlicht.
Die genannten Beispiele erfüllen eine Doppelfunktion: Sie sind einerseits Ziel neurechter Agitation, andererseits wird diese aufgrund bereits erfolgter Etablierung der Protagonisten in den entsprechenden Organisationen bzw. „Szenen“ aus ihnen heraus betrieben.
Einige Politikwissenschaftler sowie der Verfassungsschutz unterscheiden zwei Hauptströmungen der Neuen Rechten: „Jungkonservative“ und „Nationalrevolutionäre“.
Wichtige Publikationsorgane der Neuen Rechten sind die Junge Freiheit, Criticón (mittlerweile eingestellt), Nation und Europa (ehemals Nation Europa), die Staatsbriefe, das Junge Forum und Elemente. Das „Institut für Staatspolitik“ (geleitet von Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann) besitzt eine Vordenker-Funktion. Neurechte Ansätze finden sich aber auch in Deutschland in Geschichte und Gegenwart und anderen Publikationen aus dem Hohenrain- und Grabert-Verlag, dem Ullstein-Verlag (Ullstein-Report), dem Straube-Verlag, dem Regin-Verlag und dem Türmer-Verlag. Von besonderer Bedeutung für die Neue Rechte waren neben de Benoist Armin Mohler und die Personen aus dem Umfeld des Thule-Seminars wie Pierre Krebs und des Bundes freier Bürger (BfB) wie Heiner Kappel. Als Autoren, die dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet werden, erwähnt Richard Stöss Die "neue Rechte" in der Bundesrepublik folgende Personen: Alain de Benoist, Henning Eichberg, Arnulf Baring, Hans Magnus Enzensberger, Robert Hepp, Henning Eichberg, Hans-Ulrich Kopp, Hans-Dietrich Sander, Caspar von Schrenck-Notzing, Wolfgang Strauss, Klaus Hornung, Botho Strauß, Karl Steinbuch, Günter Rohrmoser, Ernst Nolte, Rainer Zitelmann und Bernhard Willms. Von Richard Stöss, einem führenden Extremismusexperten, wird der Begriff der "Neuen Rechten" als "breit und unpräzise" kritiert, weil unter dem Rubrum "Neue Rechte" sehr unterschiedliche Autoren subsumiert werden.
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