Die Neue Deutsche Welle (NDW) ist die Bezeichnung für die ab 1976 aufgekommene deutschsprachige Variante von Punk und New Wave.
Die NDW stellte keinen einheitlichen Musikstil dar, sondern zeigte sich sehr mannigfaltig. Es lassen sich für viele der Künstler Attribute finden, die sie von der Masse anderer Künstler unterscheiden würden. Kennzeichnend waren jedoch vor allem die deutsche Sprache, die relative Kurzlebigkeit, die kurzzeitigen Erfolge (selten mehr als drei Hits) und die häufige Rohheit und Kühle. Aber auch Minimalismus und Sanftheit der Darbietungen sind Stilmittel gewesen. Nur wenige der Künstler sind noch heute musikalisch aktiv. Nur ganz wenige konnten nach der NDW noch ein Comeback verzeichnen.
Neben der kommerziellen Schiene belebte aber die Verbindung der Musik zur bildenden Kunst die NDW. So war die auf Provokation ausgerichtete Punkband Geile Tiere ein Projekt des Künstlers Salome. Jürgen Neu und die Modedesignerin Claudia Skoda beeinflussten die Berliner Avantgarde. DAF kamen aus der Düsseldorfer Kunstszene, in Nürnberg schuf Peter Engl (Kunstakademiestudent) das Institut für ästhetische Grenzbereiche. Dieser Teil der NDW konnte sich den Vermarktungsmechanismen der Industrie durch die Rückbesinnung auf die Kunst entziehen und überleben.
Im öffentlichen Auftreten wurde immer wieder das Image des Menschen von der Straße, der Herkunft aus kleinen Verhältnissen, der Musik aus dem Bauch heraus und das Prinzip der Einfachheit in Denken und Sprache in den Vordergrund gestellt. Dadurch wurde insbesondere die Jugend in den Altersstufen von 12 bis 18 als bevorzugtes Publikum angesprochen. Das Gros der Stars der NDW konnte unter dem Aspekt "ein Mensch wie du und ich" bei den Fans punkten.
Innerhalb kürzester Zeit führte die Entwicklung der zunehmenden Kommerzialisierung durch die Musikindustrie bei den tatsächlichen Urhebern des Trends, den Untergrund-Bands, zu Frustration und die ehemalige Bewegung zerfiel rasant. Ein weiterer Grund für den Zerfall: Die Industrie unterlegte auch den klassischen Schlager mit NDW Beats (per Rhythmusmaschine/Sequenzer) und vermarktete alles unter dem verkaufsfördernden Namen NDW. Viele Musiker der Frühzeit beendeten daraufhin ihre kaum begonnenen Karrieren wieder, nur wenige Projekte überlebten. Die durch die Musikindustrie zum kurzlebigen Modetrend degenerierte NDW ging so bereits 1983/1984 wegen der Übersättigung des Marktes und ihrer stereotypen, ideenlosen Formen zu Ende.
Historisch interessant ist, dass mit der NDW zum ersten Mal nach dem Krieg deutschsprachige Musik in der Jugendsubkultur wieder populär wurde. (Der Deutsche Schlager hingegen richtete sich an weitaus größere Bevölkerungsschichten, war als Phänomen deutlich langlebiger und zeigte sich kultivierter.) Die NDW führte dazu, dass sich im Anschluss auch erstmals deutsche Musiker kommerziell etablieren konnten, auch wenn sie stilistisch nicht eigentlich der NDW zuzuordnen waren. Zu nennen wären hier z. B. BAP, Heinz Rudolf Kunze oder Herbert Grönemeyer.
Die NDW bildete insofern auch immer wieder einen Anknüpfungspunkt für neue musikalische Bewegungen, so z. B. die Hamburger Schule oder die sogenannte Neo-NDW.
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