Die „Hugenottenstadt“ Neu-Isenburg mit ihren Stadtteilen Gravenbruch und Zeppelinheim befindet sich im Kreis Offenbach in unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankfurt am Main.
Sie zählt 35.417 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2004).
Die Stadt ist heute vor allem bekannt durch das regional genutzte Einkaufszentrum „Isenburg-Zentrum“ (IZ), die Hugenottenhalle, das Autokino in Gravenbruch, den Sportpark, das Waldschwimmbad und nicht zuletzt durch ihre zentrale Lage in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Außerdem wird oft behauptet, Neu-Isenburg sei die gaststättenreichste Stadt Deutschlands (bezogen auf die Einwohnerzahl).
Geografie
Nachbargemeinden und -kreise
Neu-Isenburg grenzt im Westen und Norden an die kreisfreie Stadt
Frankfurt am Main, im Osten an die kreisfreie Stadt
Offenbach, sowie im Süden an die Städte
Dreieich,
Langen und
Mörfelden-Walldorf (
Kreis Groß-Gerau).
Stadtgliederung
1959 war Baubeginn für die „Wohnstadt im Grünen“:
Gravenbruch. Fast 7.000 Menschen fanden in der
Trabantenstadt, östlich zwischen der „Kernstadt“ und
Heusenstamm im Wald gelegen, eine neue Heimat. Durch den Zuzug vieler junger Familien war der Ortsteil die kinderreichste Stadt Europas. Bekannt ist Gravenbruch durch das
Kempinski-Hotel und durch das
Autokino.
Mit der Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinde Zeppelinheim im Zuge der Gebietsreform 1977 dehnte sich Neu-Isenburg auch nach Westen hin aus. Hier befindet sich das Zeppelinmuseum.
Geschichte
Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 als
Exulantenstadt von
Hugenotten gegründet, französischen Protestanten, die nach der Aufhebung des
Toleranzedikts von Nantes aus
Frankreich hatten fliehen müssen. Ihr neuer Landesherr, Graf Philipp zu Ysenburg und
Büdingen sicherte ihnen Schutz, freien Gebrauch der
französischen Sprache und
Religionsfreiheit zu. Er gestattete ihnen, sich im
Dreieichwald anzusiedeln, dort wo im Mittelalter die
Wallfahrtskapelle „Zum Heiligen Kreuz“ stand. Zum Dank an den Grafen wurde die Stadt nach ihm „Neu-Isenburg“ benannt. Der Grundriss des Ortes wurde von Andreas Loeber entworfen. Die Stadt hatte einen quadratischen Grundriß. Von den Ecken führen diagonale Straße zum Marktplatz. Zusätzlich sind die Mitten der Außenseiten durch Strassen mit dem quadratischen Marktplatz verbunden. Neu-Isenburg war eine der Planstädte des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Siedler waren zunächst als Bauern tätig, besannen sich aber sehr bald auf ihre ursprünglich erlernten Handwerksberufe, etwa den des Strumpfwirkers, und legten so den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Neu-Isenburgs. Die umliegenden Gemeinden beäugten die französischen Siedler mit großem Misstrauen und nannten den Ort „
welsches Dorf“.
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Am 20. Mai 1700 hielt Pfarrer Isaac Bermond unter einer alten Eiche auf der Mitte des Kirchplatzes den ersten Gottesdienst.
Um 1701 erfolgte der Bau des Forsthauses (heute: Gaststätte „Frankfurter Haus“) durch die Stadt
Frankfurt am Main an die Stadtgrenze zu Neu-Isenburg. Eine erste
Französisch-Reformierte Kirche aus Holz wurde 1702 bis 1706 errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte an Himmelfahrt 1702. Ebenfalls 1702 wurde das Rathaus am Marktplatz errichtet. Im gleichen Jahr wurde das „Haus zum Löwen“ erstmals erwähnt, das bis 1918 als Gaststätte
Au Lion d'Or (
Zum goldenen Löwen) genutzt wurde und heute als Heimatmuseum dient.
Es folgte 1704 die erste Schule und 1705 die Bansamühle. Die Holzkirche wurde in den Jahren 1773 bis 1775 durch einen Steinbau ersetzt. 1781 wurde die erste deutschsprachige Schule errichtet.
Nach dem Wiener Kongress von 1815 fiel die Grafschaft Ysenburg mit dem Oberamt Offenbach und der zugehörigen Gemeinde Neu-Isenburg an das Großherzogtum Hessen. 1828 baute der Preußisch-Hessische Zollverein ein Zollhaus (Frankfurter Straße 10) als Hauptzollamt an die Grenze zur damaligen Freien Stadt Frankfurt.
Trotz der erheblichen Vorbehalte zogen schon ab dem 18. Jahrhundert auch deutsche Familien in die Stadt, was dazu führte, dass in der Kirche ab 1761 abwechselnd auf Deutsch und Französisch gepredigt wurde, sehr zum Widerwillen der französischen Bevölkerung. Schließlich wurde 1829 Deutsch als offizielle Amtssprache festgelegt.
1846 wurde die Main-Neckar-Eisenbahn bei Neu-Isenburg fertig gestellt, aber erst 1852 erhielt der Ort einen eigenen Bahnhof.
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Weitere Ereignisse in Kurzform:
- 1860 Die Firma Müller bringt zum ersten Mal Frankfurter Würstchen auf den Markt.
- 1865 Erste Poststelle in Neu-Isenburg
- 1875 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
- 1885 wird die Waldeisenbahn nach Frankfurt eröffnet (heute Straßenbahnlinie 14)
- 4. Februar 1889 Verleihung der Stadtrechte
- 1889 Die mit Dampflokomotiven betriebene Waldbahn verkehrt nach Frankfurt.
- April 1896 Die „Höhere Bürgerschule“ (heute: Goetheschule) nimmt ihren Betrieb als erste weiterführende Schule Neu-Isenburgs auf.
- 1899 Neu-Isenburg erhält zum 200jährigen Bestehen sein Stadtwappen.
- 1907 Das Heim des jüdischen Frauenbundes wird von Bertha Pappenheim gegründet.
- 23. Oktober 1911 Einweihung der ersten katholischen Kirche St. Josef.
- in den Jahren 1943-45 entstehen schwere Schäden durch Luftangriffe
- 1945 muss ein ausgedehnter Bezirk im Westen der Stadt für die Besatzungsmacht geräumt werden
- 1959 Baubeginn der Wohnstadt Gravenbruch, nachdem der dortige Wald gerodet wurde. 1960 wird bei Gravenbruch das erste Autokino Europas eröffnet.
- 1. Januar 1977 Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Zeppelinheim, welche 40 Jahre vorher von Luftschiffern gegründet wurde
- 1997 S-Bahnanschluss für Neu-Isenburg
Einwohnerentwicklung
1834 hatte Neu-Isenburg erst 1.762 Einwohner. 1939 zählt die Stadt bereits 15.081 Einwohner. Nach der Eingemeindung Zeppelinheims und dem Bau von Gravenbruch lebten 1983 35.000 Menschen in der Stadt.
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung (45 Sitze):
(nach Kommunalwahl 2006)
Infrastruktur
Wirtschaft
Durch seine unmittelbare Nähe zur Messestadt
Frankfurt und zum
Flughafen ist Neu-Isenburg ein attraktiver Standort für Unternehmen der vielfältigsten Branchen, darunter auch viele Hotels: Zuletzt wurde in der Stadt mit mehr als 230.000 die höchste Übernachtungszahl im
Kreis Offenbach verzeichnet.
Die Stadt hat sich inzwischen vom Standort für produzierendes Gewerbe in einen Diensleistungsstandort gewandelt und zählt zu den größten High-Tech-Standorten im Rhein-Main-Gebiet.
Hier einige wichtige ansässige Firmen und Hotels:
- American Airlines, Inc.
- General Electric Company (GE)
- Pepsi-Cola GmbH
- Lorenz Bahlsen Snack-World
- Sony Entertainment Deutschland GmbH
- Sescoi (Weltmarktführer in Bereich Software für Werkzeug- und Formenbau)
- Jeppesen GmbH (Weltmarktführer in der Herstellung von Flugnavigationsunterlagen)
- Du Pont de Nemours (Deutschland) GmbH
- LSG Lufthansa Service GmbH
- Lufthansa AirPlus Servicekarten GmbH
- Gate Gourmet GmbH Deutschland
- time:matters (LH Cargo) GmbH
- Jost-Werke AG
- Karstadt Quelle Bank
- matrix42 AG (Verwaltung von Computerinfrastrukturen)
- G. A. Müller GmbH (Fleischwarenfabrik, ältester Hersteller der Original Frankfurter Würstchen)
- Hans Wirth GmbH & Co. KG (Fleischwarenfabrik, Hersteller der Original Frankfurter Würstchen)
- Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH (Verlag und Druckerei der Frankfurter Rundschau)
Verkehr
Die Stadt verfügt über mehrere Anschlüsse an das deutsche Autobahnnetz (
A3,
A5,
A661) und ist in das
S-Bahnsystem Frankfurts eingegliedert. Sie wird von den S-Bahnlinien
S3 und
S4 angefahren, Zeppelinheim von der
S7. Außerdem gibt es noch eine Straßenbahnanbindung mit der Linie 14 am nördlichen Stadtrand. Geplant ist, die Innenstadt mit der
S-Bahn oder einer Zweisystem-
Stadtbahnstrecke (
Regionaltangente West) an das Schienennetz anzubinden.
Der Flughafen Frankfurt am Main befindet sich an der Gemarkungsgrenze und der Bahnhof Neu-Isenburg verfügt als einziger in Hessen über ein Verladegleis für Autoreisezüge.
Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist Neu-Isenburg durch die vielfältigen Veranstaltungen in der Hugenottenhalle. In der Mehrzweckhalle mit einem variablen Fassungsvermögen von (je nach Bestuhlung) 300 - 2.000 Besucher finden große
Rockkonzerte statt, gastieren Tourneetheater, werden Tanz und Musik aufgeführt. Den Bürgerinnen und Bürgern bietet sich ein umfassendes Kulturprogramm, das alle Sparten abdeckt.
Den größten Anteil an Spieltagen dabei hat das Neu-Isenburger Mundart-Ensemble, das zu mehreren Vorstellungen im Jahr mit Komödien, Schwänken, Lustspielen, Possen, Satiren, Musicals und Konzerten den Saal füllt. Herausragende Eigenproduktionen waren Friedhofsgärtner (1994), Crazy Hotel (1995), Mei Fair Lissbeth (1996), Die Mundart Weihnachtsgeschichte (1997), 8 1/2 Neu-Isenburger (2002) und ''Die Feuerzangenbowle, (2004).
Im Jahr 2000 wurde das Neu-Isenburger Mundart-Ensemble von der Stadt Neu-Isenburg mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Die Jubiläumsgala zum 10-jährigen Bestehen Mundart Deluxe wurde 2004 vom hr-fernsehen aufgezeichnet und am 1. Januar 2005, zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr gesendet.
Persönlichkeiten
Wichtige Persönlichkeiten der Stadt Neu-Isenburg:
Partnerstädte
Weblinks
Ort in Hessen
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