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Neotenie (v. grch.: teínein spannen, ausdehnen) bezeichnet in der Zoologie den Eintritt der Geschlechtsreife im Larvenzustand ohne Metamorphose, z. B. bei Schwanzlurchen.

Der Begriff wurde 1885 durch den Zoologen Julius Kollmann bei der Untersuchung von Entwicklungsverzögerungen bei Kaulquappen geprägt.

Neotenie bei Tieren


Bekanntestes Beispiel ist der Axolotl, Ambystoma mexicanum, ein im Xochimilco-See in Mexiko lebender Molch aus der Familie der Querzahnmolche. Diese Art wird bereits in einem späten Larvenstadium - mit entwickelten Beinen, aber noch mit Kiemen - geschlechtsreif. Physiologisch wird die Neotenie durch eine Unterfunktion der Schilddrüse ausgelöst, die genetisch bedingt eine zu geringe Menge an Reifungshormonen herstellt, oder aber durch einen starken Mangel an mineralischen Jod im Wasser. Füttert man Axolotl mit solchen Hormonen, reifen sie zu erwachsenen Tieren heran und gehen wie die nahe verwandten Tigersalamander an Land. Neotenie kommt bei vielen Schwanzlurchen unterschiedlicher Familien vor, allerdings gibt es hier verschiedene Ausprägungen dieser Erscheinung. In Jod-armen Gebirgsgewässern kommen gelegentlich Dauerlarven von Molchen und Salamandern vor, die sich aber mithilfe von Schilddrüsenhormonen zur Metamorphose bringen lassen. Dieses Phänomen tritt nicht nur bei den heimischen Molchen wie etwa dem Bergmolch auf, sondern auch bei den amerikanischen Querzahnmolchen, zu denen auch der Axolotl gehört. Dagegen sind einige andere Arten unabhängig vom Jod-Gehalt des Wassers zu einer Lebensweise als Dauerlarven übergegangen, die auch durch Hormongaben nicht dazu zu bewegen sind, eine Umwandlung zum Landtier durchzuführen. Ein typisches Beispiel für dieses Phänomen ist der europäische Grottenolm.

Neotenie kommt auch bei einigen Insektenarten vor, beispielsweise bei Motten, Käfern und Fächerflüglern.

Neotenie beim Menschen


Emile Devaux wendet ab 1921 diesen Begriff auf die Entstehung des Menschen an. Etwa zeitgleich entwickelte der niederländische Anatom Lodewijk (Louis) Bolk seine Foetalisationstheorie. Demnach sei der Mensch ein in seiner Entwicklung stark verzögerter Affe - bzw. ein vorzeitig geschlechtsreif gewordener Affenfötus.

Als Argumente dafür nennt Bolk:

  1. die spärliche Körperbehaarung
  2. der aufrechte Gang als gestoppte Embryonalentwicklung
  3. die fehlende Pigmentierung
  4. die Rundung des Kopfes
  5. die Grösse des Kopfes
  6. die kleine Gesichtspartie im Vergleich zum ganzen Kopf
  7. die lange Lebensspanne
  8. die Position des Foramen magnum
  9. die späte Verknöcherung der Schädel-Suturen
  10. der ventral gerichtete Vaginalkanal
  11. die starken, nicht abgespreizten, nicht-opponierbaren grossen Zehen.

Die Neotenie-Hypothese der Hominisation steht nicht im Gegensatz zu der Savannen-Hypothese und der Wasseraffen-Hypothese, sie ergänzt sie beide. Während die beiden anderen Hypothesen Erklärungsmodelle liefern, unter welche Selektionsbedingungen die speziellen Merkmale des Menschen entstanden, erklärt die Neotenie-Hypothese, wie diese Merkmale physiologisch zustande gekommen sein können. Dabei stellt der Mechanismus der Neotenie eine Form der Präadaptation dar. Insbesondere wird behauptet, dass die Mongoliden stärker pädomorph seien (rassische Neotenie;Prof. Rainer Knußmann, Handbuch der vergleichende Biologie und Humangenetik des Menschen, 1996, dem einzigen aktuellen akademischen Standardlehrbuch für physiologische Anthropologie)

Links


  • http://home.tiscalinet.ch/biografien/biografien/bolk.htm B

Metamorphose

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