Als Neoslawismus bezeichnet man eine bürgerliche Sonderform des ausgehenden Panslawismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel dieser nationalistischen Bewegung ist - statt einer allslawischen Union mit (bzw. unter der Führung von) Russlands - die Schaffung kleinerer slawischer Einheiten ohne Russland.
Obwohl sich diese prowestliche Bewegung ausdrücklich gegen den russisch-orthodoxen Führungsanspruch richtete (russische Nationalisten waren vom Panslawismus zum Panrussismus abgedriftet), wurde der Neoslawismus bald auch von der russischen Regierung unterstützt. Nach der Niederlage gegen Japan war die Schwäche des Zarismus deutlich geworden, daraufhin hatten aufständische Polen die Russische Revolution 1905 unterstützt. Petersburg gab sich fortan diplomatischer, um andere potentielle slawische Verbündete von einem Ausgleich mit Wien und Berlin abzuhalten.
Der russische Liberaldemokrat Pavel Miljukow (1859-1943) traute, anders als die meisten russischen Panslawisten und Panrussisten, den Westslawen eine eigene Entwicklung und Führungsrolle durchaus zu und bemühten sich, diese im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland zu lenken. Miljukow selbst wurde somit nach dem Sturz des Zaren zum wichtigsten späten Vertreter der Neoslawisten. Als Außenminister und Galionsfigur der Provisorischen Regierung Russlands 1917 förderte er deshalb Tschechoslowaken und Jugoslawen ebenso wie er den polnischen Nationalisten Roman Dmowski förderte.
Seit dem Sturz der Provisorischen Regierung durch die Oktoberrevolution verstärkte sich die Tendenz zur Ablehnung der russischen Führungsrolle noch, den Sowjets schlug nun auch der Antikommunismus der Neoslawisten entgegen. Auf dem Balkan zerstörte die Ermordung Radics 1928 zunächst die neoslawistische Vision und führte zum Bruch zwischen Jugoslawien und der Tschechoslowakei. 1939 und 1941 brachen vorläufig sogar beide Staaten an ihren internen Nationalitätenkonflikten selbst auseinander, 1991 und 1993 dann endgültig. Auch die 1918, 1942 und 1948 angestrebte neoslawische Einheit zwischen Tschechoslowakei und Polen oder die 1942 und 1946 beschlossene jugoslawisch-bulgarische Balkanföderation gelangen niemals.
Nationalismus | Tschechische Geschichte | Slawen | Tschechische Geschichte
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Neoslawismus".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world