Als Neonazi (wörtlich Neu-Nazi) bezeichnet man einen Anhänger nationalsozialistischen Gedankenguts, der nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des Dritten Reiches politisch aktiv wurde.
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Neonazi 8.5.2006 München.jpg 2006 in München]] Bis in die 1970er-Jahre hinein war die in Parteien wie der SRP oder der NPD organisierte rechtsextreme Szene in der Bundesrepublik Deutschland im Wesentlichen von so genannten Altnazis bestimmt, die schon während des Dritten Reichs Anhänger des Nationalsozialismus gewesen waren. Seit Ende der 1970er-Jahre wird das Bild dieser Szene jedoch überwiegend von Nachgeborenen bestimmt, die keine eigenen Erfahrungen mehr mit der NS-Diktatur und dem Krieg gemacht, sondern sich die Ansichten der Altnazis meist kritiklos angeeignet haben. Sie unterscheiden sich von diesen in der Regel auch durch eine erheblich höhere Gewaltbereitschaft.
Die Neonazis (in ihren Grundüberzeugungen sind sie den Altnazis gleichzusetzen) zeichnen sich im Allgemeinen durch ihre extreme Ablehnung von Minderheiten aus. Juden, vermeintliche Ausländer - insbesondere Asylbewerber und türkischstämmige Einwanderer - dienen neben politisch Andersdenkenden, wie z.B. Kommunisten, Anarchisten und Sozialdemokraten, als bevorzugtes Feindbild. Die Neonazis beabsichtigen dabei die Schaffung einer ethnisch homogenen Nation, in der weder die deutschen Juden, noch von Ausländern abstammende oder eingebürgerte Deutsche Platz hätten. Zu ihrer ausgeprägten Fremdenfeindlichkeit kommen extreme sozialdarwinistische Einstellungen, die sich in ihrem Hass auf gesellschaftliche Randgruppen wie Behinderte, Homosexuelle und sozial Schwache – z.B. Obdachlose – ausdrücken. Ein großer Teil der Neonazis leugnet oder relativiert die Verbrechen des Nationalsozialismus - speziell den Holocaust.
Neben den Neonazis formieren sich auch zusehends sog. „Nationalrevolutionäre“ Kräfte im Umfeld des rechtsextremen Spektrums. Diese fallen durch eine stärkere theoretische Ausrichtung auf und orientieren sich teilweise an den Vorbildern Ernst Niekisch und Karl Otto Paetel und insgesamt an einem „Sozialrevolutionären Nationalismus“. Bekannt wurden diese Gruppierungen und Zirkel durch Zeitschriften wie „Junges Forum“ (etwa Anfang der 1970er Jahre) oder „Wir selbst“. Aus diesen Zirkeln gingen Gruppen wie die „Nationalrevolutionäre Koordination“ hervor. Man ist insgesamt bemüht, sich offiziell vom sog. „Dritten Reich“ abzukapseln und formuliert eigene Theorien. Im Mittelpunkt stehen hierbei der Ethnopluralismus und ein Antikapitalismus mit teilweise stark antimodernen Ideologiemomenten. Laut Verfassungsschutzberichten verzeichnen derartige Projekte zurzeit einen starken Zulauf, stellen aber immer noch eine verschwindende Minderheit innerhalb der rechten Szene dar. Zu den wichtigsten Publikationen zählt unter anderem der „Fahnenträger“ eine nach eigenem Selbstverständnis sozialrevolutionäre und nationalistische Zeitschrift. Hinzu zählt man auch die Internetseiten „Die Kommenden“ oder „Dritte Front“. Diese seien angeblich Vorreiter einer sich neu abzeichnenden „Nationalrevolutionären Bewegung“.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat 2005 mit 4100 Neonazis 300 mehr als im Vorjahr registriert. Die Anzahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten habe sich zudem von 10.000 auf 10.400 erhöht.
Viele Neonazis vertreten ihre Ansichten aktiv und gewalttätig. Seit Anfang der 90er-Jahre kam es in Deutschland vermehrt zu Anschlägen auf Asylbewerberwohnheime, auf Politiker, zu Übergriffen auf Ausländer und zu Demonstrationen, bei denen gewaltsame Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei zur Tagesordnung gehörten.
In der Vergangenheit übernahmen viele junge Neonazis das Outfit der Skinheads, wodurch das Bild des Kahlgeschorenen, Stiefeltragenden Nazis herrührt, das in den Medien häufig zitiert wird, aber zu dem Fehlschluss führen kann, dass Neonazis allgemein an ihrem Auftreten als Boneheads zu erkennen sind und dass Skinheads automatisch auch Neonazis seien. In jüngerer Zeit benutzen einige deutsche Neonazis, insbesondere die Freien Kameradschaften, Elemente von linksradikalen Autonomen, wie die Übernahme autonomer Organisationsformen, Bildung vermummter „Schwarzer Blöcke“ und abgewandelte Parolen – selbst das Emblem der linksautonomen Antifa wird von so genannten „Autonomen Nationalisten“ in veränderter Form genutzt.
Im Internet werden gerne Schlüsselsymbole wie 18 ( A.H.) und 88 ( H.H.) genutzt, wie auch die rekursive Schreibweise seines Namens, floda reltih.
Als wichtige Zeichen sind die Zahlen "88", "14", "18", "32" und neuerdings auch „28“ zu nennen. Da der achte Buchstabe des Alphabets das „H“ ist, leitet sich die Bedeutung „Heil Hitler“ her. Die Zahl 14 steht für die „14 words“ („We must secure the existence of our people and a future for White children“) und wurde ursprünglich von amerikanischen Rassisten benutzt. Die Zahl 18 steht für AH (Adolf Hitler). Die 28 steht für die mittlerweile in Deutschland verbotene Organisation Blood & Honour, deren Kürzel die 28 symbolisiert. Kombinationen aus diesen Zahlen (1488 und 1888) sind ebenfalls sehr beliebt.
Im Zuge von Rekrutierungsversuchen gibt es auch in einigen anderen Jugendkulturen viele Neo-Nazis. Besonders hervorzuheben sind hier die Anhänger des sogenannten "National Socialist Black Metal" (NSBM), die äußerlich meist kaum von den Anhängern von Black Metal generell zu unterscheiden sind (schwarze Kleidung, lange Haare, heidnische Symbole) und sich meist sehr stark über das Heidentum definieren. Im weiteren ist erwähnenswert, dass Anhänger der Gabber-Szene Skinheads (oder genauer gesagt Oi!-Skins) meist äußerlich sehr ähnlich sind, oft jedoch Turnschuhe (vor allem das "Classics" Modell der Marke Nike) tragen und keinesfalls von Grund auf rechtsradikal oder neonazistisch orientiert sind.
Allerdings können diese Erkennungsmerkmale bei weitem nicht auf alle Neonazis bezogen werden. Oftmals kann man die politischen Fädenzieher, wie z.B. Christian Worch oder Siegfried Borchardt, kaum von "normalen" Personen unterscheiden. Ferner gibt es auch Aktivisten wie Axel Reitz oder Philipp Hasselbach, die in SA-ähnlichen Uniformen oder langen, schwarzen "Gestapo-Ledermänteln" auftreten.
Seit etwa dem Jahr 2000 übernehmen Neonazis zunehmend ursprünglich linke oder linksradikale Symbolik und Outfits wie die der Autonomen-Bewegung. Sie kleiden sich teilweise ganz in Schwarz mit Kapuzenpulli, Basecap etc. Immer häufiger tragen deutsche Neonazis eine Kufiya oder Palituch als Bekenntnis gegen Israel und Juden allgemein (siehe z.B. die Kader der Freien Kameradschaften wie Alexander Hohensee oder Thomas Gerlach).
Siehe auch: Rechtsextreme Symbole und Zeichen
Der erste Kontakt zur rechten Szene geschieht meist über die Musik der Neonazis. Diese kann teils sehr balladenhaft sein (Frank Rennicke), meist wirkt sie jedoch aggressiv. Ursprünglich kommt der Rechtsrock aus England (Skrewdriver, No Remorse), seit den 80er Jahren steigt die Zahl der rechten Bands auch in Deutschland stetig an. Seit Mitte/Ende der 90er Jahre erkennt die rechte Szene das Rekrutierungspotential, das in der Musik liegt. Bekannte Bands nennen sich Sturmwehr,Störkraft, Kraftschlag, Landser, Zillertaler Türkenjäger, Endstufe, Stahlgewitter, Oidoxie oder Noie Werte.
Es gibt jährlich Hunderte illegaler Konzerte. Per Handy geben die Veranstalter die Orte der Konzerte erst in letzter Minute an die Besucher weiter. Diese stehen untereinander in Kontakt und werden dann dorthin gelotst. Vorab ist nur der ungefähre Standort bekannt, so dass sich alle in unmittelbarer Nähe befinden.
Andere als Vehikel genutzte Musikrichtungen sind Black Metal (NSBM), Hardcore Techno und Neofolk.
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