Neobiota (v. griech.: neos neu; bios Leben) ist ein Begriff aus der Invasionsbiologie und bezeichnet gebietsfremde biologische Arten, d. h. Arten, die einen Lebensraum infolge direkter oder indirekter menschlicher Mitwirkung besiedeln, den sie ohne menschlichen Einfluss nicht hätten erreichen können. Geschah die Einführung nach 1492 bezeichnet man Pflanzen als Neophyten, Pilze als Neomyceten und Tiere als Neozoen. Davor eingeführte Organismen werden als Archäophyten, Archäomyceten beziehungsweise Archäozoen bezeichnet. Das Entdeckungsjahr Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 (manche Autoren geben auch 1500 an) wurde als zeitliche Trennlinie gewählt, weil in dessen Folge ein weltumspannender Austausch von Menschen und Gütern begann, der in seiner Dimension ohne historisches Vorbild ist. Da vom beginnenden Waren- und Personenaustausch Europa sowie Afrika, Amerika und Asien betroffen waren - wohingegen andere Teile der Welt wie Australien und Neuseeland noch lange unentdeckt blieben - werden in anderen Gebieten der Welt auch andere zeitliche Trennlinien verwendet.
Procyon lotor 2.jpg ist in Mitteleuropa ein Neozoon und zählt damit zu den Neobiota.]] Impatiens_Glandulifera.jpg zählt zu den Neophyten und ist damit Forschungsobjekt der Adventivfloristik.]]
Neobiota können heimische Tier- und Pflanzenarten verdrängen, da sie nicht in die in evolutionären Zeiträumen entwickelten "Spielregeln" ihrer neu besiedelten Ökosysteme eingebunden sind. In der wissenschaftlichen Literatur gelten Neobiota nach der Habitatvernichtung weltweit als zweitwichtigster Faktor der Vernichtung von Biodiversität.
Neobiota gelangen durch unterschiedliche Besiedelungsstrategien in neue Lebensräume. Für Pflanzen werden diese Besiedelungsstrategien übergreifend als Hemerochorie bezeichnet und sind dort ausführlich mit Beispielen beschrieben. Für Tiere und Pilze fehlt ein vergleichbarer Sammelbegriff; viele Wirbeltiere gelangen als sogenannte Gefangenschaftsflüchtlinge in neue Gebiete, andere Tiergruppen dagegen weitgehend unbeabsichtigt, z. B. als Waren anhaftende Insekteneier oder im Ballastwasser von Schiffen. Zur Ausbreitung von Neobiota trägt jedoch auch die Beseitigung von räumlichen Barrieren bei. Durch den Rhein-Main-Donaukanal beispielsweise, der einen durchgängigen Verkehrskanal von der Nordsee zum Schwarzen Meer darstellt, werden durch Frachtschiffe verschiedene Arten eingeschleppt oder durchwandern den Kanal selbstständig, z. B. bei den Fischen verschiedene Grundelarten. Vergleichbar ist der Artenaustausch durch den Bau des Sueskanals, wofür sogar das eigene Fachwort "Lessepssche Migration" geprägt wurde.
Beispiele für Neobiota sind ausführlich in den Artikeln Neophyten und Neozoen dargestellt.
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