Unter Neid versteht man einen ethisch vorwerfbaren, gefühlsmäßigen (emotionalen) Ausdruck des Unbehagens über die Besserstellung anderer. Ähnlich aber ungebräuchlicher ist dafür auch der Begriff Missgunst. Fehlt es am ethischen Vorwurf, spricht man eher von Unbehagen gegenüber Überlegenheit. Will man ihn rechtfertigen, so ist eher von einem Streben nach Gleichheit die Rede. Wie andere Gefühle auch, hat der Neid Vorteile für den, der ihn hegt.
Gegenteil des Neides ist der Verzicht (vgl. Bescheidenheit) bzw. jemand anderem etwas zu gönnen (vgl. Gunst).
Neidisch ist mithin jemand (der „Neider“), den ein Besitztum oder Vorzug anderer - auch unbewusst - kränkt (ein Minderwertigkeitsgefühl auslöst). Das Ziel des Neides ist dementsprechend, den beneideten Vorzug auszugleichen (nicht primär, ihn an sich zu bringen; das wäre dann z. B. Habsucht). Neid kann sich nicht nur auf Besitztümer beziehen, sondern ebenso auf beispielsweise biologisch (Gesundheit) oder kulturell (Schönheit) geprägte Merkmale wie auch direkt auf den sozialen Status (der „Klassenbeste“, der „Torschützenkönig“). In gesteigerter Form kann der Neid für Beneidete gefährlich werden, wenn er zur Triebkraft destruktiven Handelns wird.
Im Hinduismus wird gesellschaftliche Ungleichheit als Folge des individuellen spirituellen Karmas dargestellt und Neid lediglich als das nicht akzeptierte Karma bzw. Schicksal, das der Welt der Kasten entgegensteht. Danach kann nur ein spirituell-esoterischer Aufstieg nach dem Anerkennen des eigenen Karmas erfolgen, der einen in eine höhere Kaste nach einer späteren Wiedergeburt bringt, oder ganz im Jenseits. Als Anti-Neid-Konzept ist der Hinduismus sehr populär bei den durch das Karma weniger benachteiligten und bestimmt so den Großteil der Welt von 850 Millionen Hinduisten.
„Neid“ wird in diesem Zusammenhang auch als polemischer Kampfbegriff gegen Soziale Bewegungen (historisch z. B. gegen die Arbeiterbewegung) benutzt, um den eignen Vorzug (das eigene Privileg) zu wahren. Dem liegt der Gedanke zu Grunde, ein Wunsch nach Gleichheit entspränge dem Neid, und dieser rühre aus der Unfähigkeit der Neider her, durch Leistung den beneideten Vorzug selber zu erringen. Häufig wird in diesem Zusammenhang von Verteidigern der besser gestellten Gruppierung der Ausdruck "Ihr seid ja neidisch!" verwendet.
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