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Duessel-im-Neandertal.jpg | Neandertal-rabenstein.jpg Das Neandertal ist ein weitgehend unbebauter Talabschnitt der Düssel auf dem Gebiet der Städte Erkrath und Mettmann, ca. 10 km östlich von Düsseldorf. Es wurde nach dem Kirchenkomponisten und evangelisch-reformierten Pastor Joachim Neander („Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“) benannt, der dieses schluchtartige Tal liebte und oft aufsuchte.

Die ursprünglich „das Gesteins“, später auch als Ganzes „Neanderhöhle“ genannte, kaum 1 km lange Schlucht war wegen ihrer spektakulären Naturschönheit (Felsental mit teils überhängenden Wänden, Wasserfällen, vielen kleineren Höhlen und großem Artenreichtum) ein weithin bekanntes und seit Eröffnung der Bahnlinie Düsseldorf-Elberfeld im Jahre 1841 auch stark frequentiertes Ausflugsziel. Das seit alters betriebene Brechen des Kalksteins (devonischer Massenkalk) für die bäuerliche Kalkbrennerei wurde in der Schlucht ab 1849 durch industrielle Abbauweise abgelöst, die für etwa ein Jahrhundert das Tal prägte. Trotz zahlreich erhaltener Naturstudien von Schülern der Düsseldorfer Malerschule und einiger Fotografien früher Abbauzustände liegt die damalige Topographie der Schlucht heute großenteils im Dunklen.

Einige beim Ausräumen von Höhlenlehm gefundene Knochen wurden 1856 vom Naturforscher Johann Carl Fuhlrott aus Elberfeld als Skelett eines Urzeitmenschen erkannt. Er wurde später nach diesem Fundort benannt und als Neandertaler (Homo neanderthalensis) ein weltweiter Begriff.

Schreibweisen


Es existieren zwei unterschiedliche Schreibweisen für das Tal: der Duden nennt „Neandertal“ und „Neandertaler“; dies ist auch die ortsübliche Bezeichnung. Das Museum mit seiner paläontologischen Thematik bezieht sich auf die international übliche Schreibweise „neanderthalensis“ und behielt deshalb die bis zur Rechtschreibreform von 1901 gültige Schreibweise mit „th“ bei.

Naturschutzgebiet Neandertal


Nach umfangreichen Rohdungsarbeiten, die drohten die Naturschönheiten des Tales der Düssel vollends zu vernichten, wurden weite Teile des Tales der Düssel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Schutz gestellt. Eine rechtliche Aufwertung des Naturschutzgebiets (NSG) ergab sich zu Ende des 20. Jahrhunderts durch die Ausweisung des Tals als Natura 2000 Gebiet. Auf Grund der geltenden Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gilt für das Naturschutzgebiet Neandertal ein strenges Schutzsystem, das alle Maßnahmen (Nutzungen) verbietet, die zu Schädigungen am Schutzgut führen könnten.

Auf Grund der strengen Schutzbestimmungen, die im Bundesnaturschutzgesetz definiert sind, sind nur Nutzungen erlaubt, die keine Schädigungen am Schutzgut bewirken. Die Naherholungsnutzung ist sinngemäß nach § 23 Bundesnaturschutzgesetz nur erlaubt, wenn sie dem mit dem Schutzzweck zu vereinbaren ist. Der Schutzzweck wird in der Schutzgebietsausweisung der Kreisverwaltung Mettmann definiert. So ist zum Beispiel das Verlassen von Wegen verboten und das Anleinen von Hunden zwingend vorgeschrieben.

Konflikte Naherholung (Museumsbetrieb) - Naturschutz


Seit vielen Jahrzehnten verschärft sich das Spannungsfeld Naturschutz/Nutzung im Neandertal. Obwohl das Neandertal seit seiner Ausweisung als NSG als "Vorranggebiet für den Naturschutz" gilt, wurde parallel die Naherholungsinfrastruktur ausgebaut. Eine Entlastung für das Neandertal sollte Ende der 90er Jahres des letzten Jahrhunderts die Verlagerung des "Alten Museums" aus dem Naturschutzgebiet heraus initiieren. Da der Bau des "Neuen Museums" in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet errichtet wurde, und das Alte Museum, anders als ursprünglich geplant, nicht beseitigt wurde, kumulieren sich die Probleme. Zudem wurde das "Alte Museum" nach vorübergehender Nutzung als Magazin als "zweites Standbein" des Museums reaktiviert, in dem vielerlei Nutzungen (zum Beispiel Steinzeitwerkstatt) stattfinden.

Artenschutz im Neandertal


Zauneidechse.jpg Obwohl Maßnahmen des Artenschutzes im Neandertal kaum umsetzbar sind, die die notwendige Einschränkung der Naherholungsnutzung zur Vorbedingung hätten, sind noch einige Relikte einer schützenswerten Flora und Fauna an abgelegener Stelle erhalten geblieben. So sind Eisvogel (Alcedo atthis), Wasseramsel (Cinclus cinclus), Ringelnatter (Natrix natrix) und Zauneidechse (Lacerta agilis) gelegentlich noch zu beobachten. Der Erforschung der Lebensstätten und Förderung dieser Arten widmen sich vor allem die im Raum des Neandertals tätigen Naturschutzorganisationen. Trotz der Ausweisung des Neandertales als Naturschutzgebiet ist es nicht zu verhindern gewesen, dass in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hier die letzte Population der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) ausgestorben ist.

Neanderthal Museum


Das Neanderthal Museum ist ein Museum im Neandertal und beschäftigt sich vorrangig mit der Darstellung der Entwicklungsgeschichte des Neandertalers und des Menschens. Es wurde 1996 an neuer Stelle direkt an der Verbindungsstraße zwischen Erkrath und Mettmann errichtet. Das alte Museum wurde zu einer Steinzeitwerkstatt umfunktioniert.

Kunstweg MenschenSpuren


Der Kunstweg MenschenSpuren ist ein Skulpturenweg mit Werken von 11 Künstlern im Neandertal. Er nimmt sich dem Spannungsfeld Mensch-Natur an.

Eiszeitliches Wildgehege Neandertal


Das Eiszeitliche Wildgehege Neandertal ist ein ca. 23 Hektar großes Wildgehege. Im Wildgehege lebende Tierarten sind Auerochsen, Tarpane und Wisente sowie freilebende Tiere.

Bahnhof Neanderthal


Oberhalb des Neanderthal-Museums befindet sich das sehenswerte ehemalige Bahnhofsgebäude am Regiobahn-Haltepunkt Neanderthal. Hier verkehrt die Regiobahn S28 auf der Strecke Kaarst - Neuss - Düsseldorf - Erkrath - Mettmann.

Literatur


  • H. Eggerath, A. Rose: Im Gesteins, ISBN 3-87909-517-5. Beschreibungen und Bilder des Neandertals vor der Zerstörung durch den Kalkabbau.
  • R.W. Schmitz, J. Thissen: Neandertal - Die Geschichte geht weiter, ISBN 3-82741-345-1. Fachbuch zweier Archäologen, die vor wenigen Jahren weitere Knochenreste des Neandertalers auffanden mit vielen Details über das Neandertal, der Geschichte des Fundes von 1856 und dem heutigen wissenschaftlichen Stand der Neandertalerforschung.

Weblinks


Geographie (Nordrhein-Westfalen) | Naturschutzgebiet in Nordrhein-Westfalen

Neanderthal, Germany | Valle Neander | Vallée de Neander | Neanderthal | Vale de Neander | Neandertal

 

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