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Heute finden jeden Sonntag 10.00 Uhr Gottesdienste statt (im Winter in der geheizten Marienkirche), zudem Ausstellungen und Konzerte sowie andere kulturelle Veranstaltungen.
Der Naumburger Dom ist ein weithin bekanntes Bauwerk der Spätromanik sowie der Früh- und Hochgotik. Besonderes Interesse kommt den Stifterfiguren und Skulpturen des Westlettners, Werken des Naumburger Meisters, zu.
In der Zeit um 1000 errichtete Ekkehard I. (gestorben 1002), Markgraf von Meißen und wohl mächtigster Mann an der Ostgrenze des Deutschen Reiches, auf einer rund 25 m hohen Erhebung am rechten Ufer der Saale nahe der Unstrutmündung seinen neuen Stammsitz, der entsprechend neweburg oder Nuwenburg und später Naumburg genannt wurde. Die günstige Lage an der Kreuzung mehrerer Handelsstraßen dürfte den Ausschlag für die Wahl dieses Platzes gegeben haben.
Seine Söhne Hermann und Ekkehard II. gründeten kurz darauf im westlichen Teil des Vorburggeländes eine kleine, der Hl. Maria geweihte Stiftskirche, die 1021 in der Merseburger Bischofschronik als praepositura noviter fundata erwähnt wird. 1028 erfolgte auf Drängen der beiden Brüder die Verlegung des Bischofssitzes von Zeitz nach Naumburg durch König Konrad II.. Mit der Begründung, dies sei wegen der in Zeitz nicht gegebenen Sicherheit notwendig, wurde sie von Papst Johannes XIX. im Dezember 1028 genehmigt. In Zeitz blieb ein Kollegiatstift bestehen.
Bald nach der Genehmigung für die Verlegung des Bischofssitzes, wohl im Frühjahr 1029, wurde unmittelbar östlich der Stiftskirche mit dem Bau der ersten frühromanischen Naumburger Kathedrale begonnen. Sie wurde in der Amtszeit des Merseburger Bischofs Hunold, der zwischen 1036 und 1050 regierte, vor dem Jahr 1044 geweiht. Das Patrozinium Peter und Paul wurde von der Zeitzer Kirche übernommen.
Bei Ausgrabungen wurden die Fundamente des ersten Domes unter dem heutigen Dom gefunden. Die erste Naumburger Kathedrale war eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika, die etwas kleiner als der heutige Dom war. Ihr Chor reichte nicht ganz bis an das Ostende des spätromanischen Chorquadrats. Die Seitenwände endeten westlich in wenig vortretenden quadratischen Türmen, deren Fundamente etwa 7 m östlich des frühgotischen Westlettners liegen. Zwischen den Türmen befand sich ein kleiner, apsidial geschlossener Chor mit einer darunter liegenden Krypta. Außen waren die Türme durch eine gerade Westwand verbunden, so dass die Chorapsis von außen nicht sichtbar war. Das Hauptportal befand sich sehr wahrscheinlich schon damals in der südlichen Stirnwand des Querhauses. Um 1160/70 erhielt der frühromanische Dom eine Hallenkrypta, die als mittlerer Raum der spätromanischen Krypta erhalten blieb.
An der Stelle des heutigen Westchores erhob sich ursprünglich die Stiftskirche der ekkehardingischen Burg, die Kirche des Kollegiatstiftes St. Marien. Reste ihrer Mauern blieben in den Westtürmen erhalten.
Unter Bischof Engelhard (1207-1242) wurde um 1210 ein spätromanischer Neubau begonnen. Zunächst wollte man nur das Langhaus des Domes erneuern, denn die frühromanischen Ostteile des Domes waren erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Einbau einer Krypta umgebaut worden. Dieser Plan wurde jedoch bald aufgegeben. Stattdessen begann man mit einem beinahe vollständigen Neubau. Dieser Neubau, der bestehende spätromanische Dom, ist eine gewölbte Bündelpfeiler-Basilika mit Ostchor, Ostquerschiff und ausgeschiedener Vierung. Unter Einbeziehung der Krypta des Vorgängerbaus wurde unter dem Ostchor und der Vierung eine dreiteilige Kryptenanlage geschaffen. Die Schlussweihe erfolgte wahrscheinlich am 29. Juni 1242.
Um 1250 begann die Errichtung des frühgotischen Westchores. Der Westchor ersetzte die frühromanischen Burgstiftskirche, die bis zu seiner Errichtung unmittelbar westlich des Domes stand. Der Naumburger Westchor ist also genau genommen kein Westchor, sondern ein dem Dom angegliederter Sakralraum, in dem eine eigenständige geistliche Körperschaft Dienst tat. Das Chorquadrat mit einem sechsteiligen Gewölbe ist im Westen durch ein 5/8-Polygon geschlossen. Der Bau war wahrscheinlich um 1260 beendet. Die Westchor-Werkstatt errichtete noch das erste Freigeschoss des Nordwestturmes des Domes und zog dann weiter nach Meißen. Naumburg Dom Stifterfiguren.jpg Vom Langhaus des Domes wird der Westchor durch eine aufwändig verzierte Schranke abgegrenzt. Dabei handelt es sich nicht um einen Lettner, sondern um eine Trennwand, die bautypologisch einer Kirchenfassade entspricht. Diese Schranke mit ihren Passionsreliefs und der Kreuzigungsgruppe im Portal gehört zu den Hauptwerken des Naumburger Meisters, der an den Neubauten der Kathedralen zu Noyon, Reims undAmiens mitgearbeitet hatte und danach vielleicht inMetz, sicher aber in Straßburg und in Mainz tätig gewesen war. Besonders bemerkenswert und von großer kunst- und frömmigkeitsgeschichtlicher Bedeutung ist die Kreuzigungsgruppe am Portal. Der sogenannte Naumburger Meister war nicht nur der Architekt des "Westchores", sondern wahrscheinlich auch der leitende Bildhauer: er dürfte die Stifterfiguren entworfen und an einigen selbst mitgearbeitet haben. Unter den Standbildern befinden sich an hervorgehobener Position die rund 200 Jahre vor der Errichtung des Westchores verstorbenen Erststifter der Naumburger Domkirche: die Brüder Ekkehard II. und Hermann, Markgrafen von Meißen, und ihre Frauen. Sie waren im Vorgängerbau des heutigen Domes und in der unmittelbar benachbarten frühromanischen Stiftskirche bestattet worden. Auf der Nordseite sind dargestellt: Dietrich von Brehna oder - nach Wolfgang Hartmann1 - Ludwig der Springer, vermutlich Adelheid von Camburg (Gattin Graf Dietmars von Selbold-Gelnhausen), Ekkehard II. und Uta; auf der Südseite: Gerburg oder Berchta oder - nach Hartmann - Adelheid (Gattin Ludwig des Springers), Konrad oder Dietrich von Brehna (Kopf und rechter Arm ergänzt), Hermann und Reglindis; im Chorhaupt: Dietmar (auf dem Schild die Inschrift Dietmarus comes occisus (Graf Dietmar, der erschlagen wurde; nach Hartmann identisch mit Graf Dietmar von Selbold-Gelnhausen), Sizzo von Käfernburg, Wilhelm von Camburg und Timo von Kistritz (nach Hartmann: Sohn des Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen). Diese Darstellung von Laien an einem Platz, der eigentlich Heiligenbildern oder -figuren vorbehalten war, ist in der mittelalterlichen Kunstgeschichte einzigartig. Wahrscheinlich ersetzten die Standbilder Stiftergrabmäler, die im Zuge des spätromanischen Neubaus aufgegeben werden mussten. Die frühgotischen Stifter-Statuen ermöglichten die Fortführung der Memorialdienste für die Stifter des Domes und der ekkehardingischen Stiftskirche. Ihre Platzierung im Westchor erinnert an die Größe der Verdienste der Dargestellten um den ersten Naumburger Dombau.
Die - teilweise sehr auffällige - Ausrichtung mehrerer Bildnisse auf die Figur des erschlagenen Grafen Dietmar führt aber auch zur Schlussfolgerung, dass im Westchor nicht nur an verdiente Stifterpersönlichkeiten erinnert wird, sondern vorrangig an ein mit dem Schicksal des Grafen Dietmar verknüpftes historisches Ereignis. Wolfgang Hartmann kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dieser Zentralfigur des Stifterzyklus um den Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen) aus dem mittelrheinisch-fränkischen Adelsgeschlecht der Reginbodonen handelt und dass dieser in der reichspolitisch bedeutenden Schlacht am Welfesholz (11. Februar 1115) gefallen ist. Vor diesem politischen Hintergrund und in Verbindung mit der rekonstruierbaren Lebensgeschichte des Grafen Dietmar lasse sich auch die bisher so rätselhafte Gestaltung der Stifterfiguren erklären. Als Initiator und letztlich Hauptverantwortlichen für die Konzeption des Stifterzyklus spricht Hartmann den Naumburger Domherrn und Magister Petrus an. Als Mitglied der Familie derer von Camburg-Hain (Hainspitz) sei der 1242 in Abwesenheit (er studierte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich in Paris) zum Bischof von Naumburg gewählte und durch die Wettiner verdrängte Scholaster ein Nachkomme des Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen.
Im Hochchor befinden sich zwei weitere Bildwerke aus der Werkstatt des Naumburger Meisters: das figürliche Grabmal Bischof Dietrichs II. (früher meist als Grabmal Bischof Hildewards bezeichnet) und das lebensgroße Standbild eines Diakons mit Lesepult. Naumburg Dom.jpg
Der Lettner im Ostchor ist das älteste erhaltene Beispiel eines Hallenlettners. Er wurde ebenfalls um 1230 aufgeführt. Im mittleren Joch der Lettnerhalle steht ein im 19. Jahrhundert errichteter Altar, seitlich führen steile Treppen durch zwei kleine Pforten auf den Chor hinauf. Naumburger Dom 1.jpg
Die oberen Geschosse des Nordwestturmes wurden im 14. und 15. Jahrhundert errichtet. Vermutlich nach einem Brand 1532 wurden die oberen Teile der Osttürme erneuert und mit spätgotischen Maßwerkformen verziert.
Die älteren Klausurgebäude und der Kreuzgang lagen nördlich der Kirche. Teile des Osttraktes der Klausur des frühromanischen Doms konnten 1961-65 ergraben werden. Die erhaltenen Gewölbeschildbögen und Rippenansätze an der Nordwand der Kirche und die Reste einer Kapelle, die in der ehemaligen Domherrenkurie Domplatz 3 verbaut ist, stammen von einem spätromanischen Neubau der Klausur, der zu unbekannter Zeit, vermutlich im 18. Jahrhundert, abgebrochen worden ist.
Am südlichen Querschiffarm ist eine zweijochige, spätromanische Vorhalle angebaut. Diese war ursprünglich nicht vorgesehen, da das Portal freistehen sollte. Das Konzept wurde jedoch im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts geändert. Die Brechung der Gewölberippen und der Ostwand sind zumindest teilweise durch das nachträgliche Einfügen in einen vorgegebenen Bauzusammenhang bedingt. Naumburger Dom 6.jpg
Die Marienpfarrkirche liegt an der Südseite des Domes und setzt den Südtrakt des Kreuzganges fort. Ihr Ursprungsbau konnte zwar teilweise ergraben werden, das Alter ist jedoch noch unbestimmt. Erhalten ist der Chor eines hochgotischen Neubaus, der urkundlich 1343 bezogen wurde, sowie Reste der Süd- und die Westwand. Die Kirche wurde vermutlich zusammen mit der Bischofskirche als Pfarrkirche der Domgemeinde gegründet. 1329 übergab man sie dem Domkapitel zur freien Verfügung. Nach dem Brand von 1532 blieb sie eine Ruine. Der jetzt als Winterkirche dienende Raum wurde anstelle des Langhauses erst um die vorletzte Jahrhundertwende als Turnhalle errichtet.
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