* -- Acf 20:43, 30. Mai 2006 (CEST)
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Allein in Deutschland betreiben die Naturfreunde rund 450 Naturfreundehäuser. Fast 1001 Nacht sind europa- und weltweit möglich. Als Wander- oder Berghütten, Freizeit- oder Ferienheime, Familienferienstätten, Bildungseinrichtungen oder Jugendherbergen sind Naturfreundehäuser heute in den Bergen, an Meer und Wasser, im Wald oder in der Stadt zu finden.
Die unterschiedlichen Entstehungsbedingungen der Unterkünfte, ihre jeweilige differenzierte Ausrichtung machen einheitliche Konzepte für Naturfreundehäuser schwierig. Viele Naturfreundehäuser werden ehrenamtlich von den NaturFreunde-Ortsgruppen betrieben, einige sind verpachtet. Als politische Organisation geben sich die Naturfreunde jedoch ein international einheitliches Leitbild für Naturfreundehäuser.
Naturfreundehäuser im Wandel der Zeit
Die Naturfreunde gründeten sich 1895 in Wien als sozialdemokratische Gegenorganisation der Arbeiterbewegung zum bürgerlich elitären Alpenverein. Mit dem Gruß „Berg frei“ kämpften sie in der Folge für das freie Wegerecht für jedermann und gegen Betretungsprivilegien von Fürsten und Bourgeoisie. „Lasst weit zurück die Stätten Eurer Fron“ ist ein Motto, unter dem die Naturfreunde als erste Arbeitertouristen ab 1905 auch in Deutschland und der Schweiz die Natur erkunden, miteinander und voneinander lernen und neue Kraft schöpfen wollten.
Der Aufbau der Naturfreundeorganisation in Ortsgruppen folgte den Stätten der Industrialisierung. Noch heute findet man die meisten Ortsgruppen in Deutschland aufgereiht an Flüssen und Eisenbahnlinien. Als Wanderunterkunft und Freiraum für die ungestörte politische Betätigung schaffen sich die Naturfreunde ab 1907 (Naturfreundehaus Padasterjoch, Österreich) ein eigenes Häuserwerk. Sie wollen raus aus Kneipen und Spelunken und in eigenen Wanderheimen selbst bestimmen können. So entsteht als erstes Naturfreundehaus (NFH) in Deutschland 1911 das NFH Maschen am Rande Hamburgs in der Heide. Bis zur Weltkriegskatastrophe entstehen so etwa 30 Naturfreundehäuser.
Die 20er Jahre
In den zwanziger Jahren erhalten die Naturfreunde großen Zulauf. Auch als „grüne Inseln im
Klassenkampf“ werden Naturfreundehäuser in diesen Jahren durchaus ambivalent bezeichnet, von den einen als Rückzugsgebiet aus (über-)politisierten Kämpfen der
Arbeiterparteien untereinander geschätzt, von anderen als Ruhezone, die neue Kraft für die politische Auseinandersetzung geben soll. Ganz pragmatisch schaffen sich die Naturfreunde im Sinne der Gegenkultur der
Arbeiterbewegung ein eigenes Netzwerk ihrer Häuser. In den späten 20er Jahren sind viele Ortsgruppen der Naturfreunde in der Lage auch mit kommunaler Unterstützung Naturfreundehäuser als Übernachtungshäuser und „proletarische Jugendherberge“ besonders für Kinder- und Jugendliche zu errichten.
Während der NS-Zeit
Hatten manche Alpenvereinshütten schon in den zwanziger Jahren aus eigener Überzeugung die Hakenkreuzfahne gehisst, so erlitten die Naturfreundehäuser dieses Schicksal 1933 durch Verbot und Enteignung ihrer angeblich „marxistischen“ Naturfreundeorganisation. Die Naturfreunde verlieren ihre Freiheit, ihre Organisation, ihre Einkaufsgenossenschaft für sportlichen Bedarf. Naturfreundehäuser gehen in den Besitz der
NSDAP, der
SA, der
Hitlerjugend der Jugendherbergsorganisation oder den von privaten Profiteuren des Hitlerregimes über. Der Stützpunkt der Naturfreundebergsteiger im Elbsandsteingebirge, das NFH Königstein wird von der SA ebenso als KZ missbraucht wie manche andere Naturfreundehäuser.
In der DDR
In der
DDR waren die Naturfreundehäuser z. B. Parteischule der SED wie das NFH Üdersee oder hießen z. B. „Jugendherberge Hans Dankner“ wie das zwischen 1912 und 1914 errichtete NFH Zirkelstein. Die NaturFreunde waren als eigenständige Organisation auch in der DDR verboten.
Nach dem Krieg in der BRD
In der jungen
Bundesrepublik haben die Naturfreunde mit ihren Häusern vielen jungen Leuten etwas zu bieten, die nach dem Krieg Naturerlebnis, Geselligkeit, sportliche und kulturelle Betätigung suchten. Viele neue Naturfreundehäuser entstehen als quasi gemeinsames Ferien- oder Wochenendhaus der Naturfreundeortsgruppe.
Die Naturfreunde wachsen schnell als Freizeitorganisation. Wieder werden Häuser durch symbolische „Bausteine“ mit Abwohnrecht errichtet. Viele kleinere Ortsgruppenhäuser entstehen in den fünfziger und sechziger Jahren und wurden oder werden bis heute von ehrenamtlichen Hausdiensten der Ortsgruppe geführt. Traditionshäuser werden in den siebziger und achtziger Jahren zu modernen Familienferien- oder Tagungshäusern ausgebaut. Anknüpfend an die von den Naturfreunden mitbegründete Ostermarschbewegung gegen die Atomrüstung erklären sich in den achtziger Jahren im Rahmen der Auseinandersetzung um die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Deutschland viele Naturfreundehäuser symbolisch zu „Atomwaffenfreien Zonen“.
Nach der Wende
Mit der Gründung der „Naturfreunde DDR“ nach dem Mauerfall in der Jugendherberge „Julius Fucik“ (NFH Königstein) am 18. März 1990 und dem bald folgenden Zusammenschluss der deutschen
Naturfreundeorganisation stellt sich für die Naturfreunde die Frage des Neuaufbaus eines Häuserwerks in den neuen Ländern. In komplizierten
Restitutionsverfahren kehren einige der 1933 enteigneten Traditionshäuser wie Zirkelstein, Königstein, Üdersee in die Obhut der Naturfreunde zurück. Mit öffentlicher Förderung werden neue Stützpunkte für große Familienferienstätten der Naturfreunde wie das NFH Usedom oder das NFH Am Rennsteig geschaffen.
Internationlität
International wächst die Naturfreundebewegung durch die europäische Einigung, mehr als 1000 Naturfreundehäuser existieren in Europa, die Naturfreunde wagen den Sprung auf den afrikanischen Kontinent und unterstützen den Bau eines Naturfreundehauses in Senegal verbunden mit einer Baumschule und einem Ausbildungsprojekt für Jugendliche.
Zukunftsbestrebungen
In Deutschland verstärken die Naturfreunde im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ihre Anstrengungen zu
Energieeinsparung und für einen Beitrag ihrer Häuser zum
Klimaschutz. Heute ist zum Beispiel die Wimbachgrießhütte ein besonderes Schmuckstück der Umwelt- und Klimaschutzanstrengungen des Naturfreundeverbandes, das durch seine vorbildliche
solare Energieversorgung und ein naturverträgliche Konzept der Wasserver- und Entsorgung beispielgebend für angepasste Nutzung des alpinen Raumes ist. Als Verband für eine nachhaltige Entwicklung fördern sie in mittlerweile über 100 Naturfreundehäusern "Anbeißen - Leckeres as der Region", umweltfreundliche Mobilität im Projekt „Einsteigen: naturfreundlich unterwegs“ und
nachhaltiger Konsum mit dem Projekt "Genuss mit Wetblick. Natürlich Fair Gerecht."
Weblinks
Verein | Alpenverein | Arbeiterbewegung
Naturefriends Houses