Der Naturalismus ist eine im 17. Jahrhundert aufkommende Bezeichnung für jede Anschauung, in der die 'Natur' die umfassende Wirklichkeit bedeutet. Dies bedeutet nicht, dass als übernatürlich bezeichnete Phänomene a priori als nicht existent angenommen werden, sondern dass sie, wie jedes andere Phänomen, Teil der Natur und damit Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis sind.
Ein Glaube an eine übernatürliche Wirklichkeit, die nur mittels religöser Offenbarung zugänglich ist, wird vom Naturalismus strikt abgelehnt. Ferner werden alle kulturellen, geistig-geschichtlichen usw. Vorgänge und Bildungen auf naturhafte Gegebenheiten zurückgeführt. So gibt es mannigfaltige Ausprägungen des Naturalismus (z.B. metaphysischer, antimetaphysischer, ästhetischer, ethischer Naturalismus usw.), und eine genauere Bestimmung hängt vom jeweiligen Naturbegriff ab. Dieser Naturbegriff kann unter anderem eine biologistische, materialistische, positivistische etc. Fassung beinhalten.
George Edward Moore kritisiert jede Ethik als ethischen Naturalismus, die dem 'naturalistischen Fehlschluss' erliegt. Der 'naturalistische Fehlschluss' ist für Moore der unzulässige Übergang von deskriptiven oder Seinsaussagen, die Tatsachen beschreiben, hin zu normativen oder Sollensaussagen, die dann sittliche Forderungen nach sich ziehen. Aufgrund dessen untersucht die Metaethik lediglich die tatsächliche Verwendung ethischer Bewertungsausdrücke.
Die explizit auf die Methode naturwissenschaftlicher Forschung bezogene Variante des philosophischen Naturalismus wird als methodologischer Naturalismus bezeichnet und in der Nachfolge von Sellars und Quine heute vor allem in der Tradition der englischsprachigen Analytischen Philosophie vertreten. Mit ihr kann die Unbestimmtheit des Naturbegriffs umgangen werden; sachlich läuft sie stattdessen auf einen szientistisch begründeten Naturalismus hinaus. Hier wird nach Geert Keil aus der metaphysischen These „Alles ist Natur” die methodologische These vom Erklärungsprivileg der Naturwissenschaften abgeleitet. Dieser Naturalismus folgt dem Scientia mensura-Satz, nach dem die Naturwissenschaft statt den Menschen, die sie betreiben, das "Maß aller Dinge" ist. "Die naturwissenschaftlichen Methoden sind der Königsweg zur Wahrheit, sie können überall angewandt werden und verschaffen Wissen über alles, worüber es überhaupt etwas zu wissen gibt. Dieser Naturalismus ist also kein Ismus der Natur mehr, sondern ein Ismus der Naturwissenschaften. Für diese Position gibt es noch einen anderen Ausdruck, nämlich Szientismus."
Gegen den metaphysischen Naturalismus argumentiert u.a. die Natürliche Theologie. Gegen den ethischen Naturalismus kann auf die Kritik am Naturalistischen Fehlschluss sowie am Relativismus verwiesen werden.
Zwei weitere naturalistische Fehlschlüsse können nach Dirk Hartmann der methodologischen Variante des philosophischen Naturalismus nachgewiesen werden:
Erkenntnistheorie | Religionskritik | Soziologische Theorie | Sozialer Prozess
Naturalism (philosophy) | Naturalisme (philosophie) | Naturalismo (filosofia) | Naturalizm (filozofia) | Натурализм | Naturalism
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"Naturalismus (Philosophie)".
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