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Ein Nationalstaat ist ein Staat mit einer staatstragenden Nation (Volk, Ethnie), der die wesentlichen Teile dieses staatstragenden und meist auch namengebenden Volkes in sich vereint. Der Gegensatzbegriff dazu ist Vielvölkerstaat bzw. Nationalitätenstaat. Nationalität und Staatsangehörigkeit können daher verschieden sein.

Idealtypisch hat ein Nationalstaat alle Angehörigen seines Volkes und auch nur Angehörige dieses Volkes als Bürger.

Angehörige des Staatsvolkes, die außerhalb ihres Nationalstaats leben, haben im allgemeinen ein besonders positives Verhältnis zu diesem. Beispiele hierfür sind die Auslandstürken im Verhältnis zur Türkei oder auch die Volksdeutschen im Verhältnis zu Deutschland und den anderen deutschsprachigen Staaten. Sofern diese außerhalb des Nationalstaates lebenden Angehörigen des staatstragenden Volkes ein geschlossenes Gebiet bewohnen, das nach Meinung dieses Volkes an den Nationalstaat angeschlossen werden sollte, wird hierfür der Begriff Irredenta (italienisches Adjektiv: unerlöst) benutzt.

Nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege sind heute Nationalstaaten nur noch in Form des demokratischen Rechtsstaates legitimiert. Umgekehrt sind die sozialstaatlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte überall in Europa eng an den Nationalstaat gebunden.

Die gewandelte, aber weiterhin eminente Bedeutung des Nationalstaates wird indes in jüngster Zeit vermehrt in Frage gestellt. Wirtschaft und Gesellschaft internationalisieren sich zunehmend und entwickeln eine globale ökonomische Kultur, die nicht an nationale Grenzen und Identitäten gebunden ist. Mit dem Begriff "McWorld" hat der amerikanische Politikwissenschafter Benjamin Barber diese Entwicklung plakativ versinnbildlicht.

Wo eine nennenswerte Anzahl Bürger eines Nationalstaates einem anderen Volk als dem tragenden Staatsvolk angehört, spricht man von einer Minderheit. Beispiele hierfür sind die Dänen in Schleswig-Holstein oder die Deutschen in Dänemark sowie die Sorben in Brandenburg und in Ober-Sachsen. Diese Beispiele zeigen zwei Typen von Minderheiten: Beide Minderheiten sind zwar bundesdeutsche Staatsbürger, aber im Falle der Dänen handelt es sich um Angehörige der Nachbarnation. Solche Nationale Minderheiten in Grenzgebieten kann es geben, wenn die Staatsgrenzen nicht natürlich (z. B. durch trennende Gebirge oder willkürlich ohne Rücksicht auf die nationale Wohnbevölkerung) gebildet wurden; dies war meistens der Fall, denn Staaten wurden fast immer durch Fürstenhochzeiten oder kriegerische Ereignisse gebildet (für weitere Gründe zur Entstehung von Minderheiten, siehe Minderheit). Historisch liegt die Ursache oft in einem Staat, der beide Völker beinhaltet. Beispiel: Auf dem Gebiet des früheren Herzogtums Schleswig, das heute zwischen Deutschland und Dänemark aufgeteilt ist, lebt eine dänische Minderheit in Südschleswig und dementsprechend eine deutsche Minderheit in Nordschleswig als dänische Staatsbürger. Den anderen Typus einer Minderheit, eine so genannte ethnische Minderheit, repräsentieren die Sorben, die zu wenige sind und zu verstreut leben, um einen eigenen Nationalstaat bilden zu können. Ein Beispiel für einen dritten Typus bilden die Kurden. Sie leben als ethnische Minderheiten in mehreren Staaten, darunter der Türkei und dem Irak. Zwar wären sie als Volk eigentlich groß genug, um einen eigenen Nationalstaat zu bilden. Dies ist ihnen aber politisch bisher nicht gelungen.

Konfliktpotenziale


An sich sind saturierte (gesättigte) Nationalstaaten sehr friedliche Staaten. Sie haben keine Ansprüche an andere Länder und im allgemeinen auch kein Sendungsbewusstsein, das zu Eroberungsplänen führen kann.

Konflikte kann es dennoch geben. Das liegt zum einen an regionalen Vermischungen zweier (oder mehrerer) Völker in Grenzgebieten. Daraus können sich Streitigkeiten über die "gerechte" Grenze ergeben. Eine andere Konfliktursache können unterschiedliche Begriffe von Volk bilden. Dieser Begriff ist nicht eindeutig. In manchen Völkern ist die Religionszugehörigkeit wesentliches Definitionsmerkmal (z. B. Juden, Moslems in Bosnien, usw.). Bei anderen ist die gemeinsame Sprache und Kultur als Zeichen gemeinsamer Herkunft wesentlich (Deutsche, Ungarn, Iren, Polen), ..; bei wieder anderen gelten andere Kriterien. Dazu kommen etatistische Vorstellungen, die alle Angehörigen ihres Staates schlicht alle Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihre nationale Identität betrachten (z.B. typische Einwanderungsländer wie die USA, Kanada, Australien,..). Dadurch kann es vorkommen, dass bestimmte Volksgruppen von zwei Staaten, die sich auch als Nation bezeichnen (obwohl sie es in der eigentlichen Wortbedeutung von Nation nicht sind), beansprucht werden. In diesen Fällen kann es zu einem starken Assimilationsdruck gegenüber der Minderheit kommen.

Ein Beispiel hierfür sind die deutschsprachigen Südtiroler, deren deutsche Nationalität vom italienischen Staat lange Zeit ignoriert und die wegen ihrer italienischen Staatsbürgerschaft als Italiener behandelt und ihnen daher zustehende Minderheitenrechte versagt wurden. Im Sport fühlen sich viele Südtiroler inzwischen eher zu Italien gehörig, kulturell und von der Mentalität her aber eher als Deutsche (bzw. regional als Tiroler). Ändert sich im Laufe der Zeit aber die Muttersprache, beispielsweise bei vielen Nachkommen der deutschen Elsässer und Lothringer von deutsch auf französisch, ändert sich damit oftmals auch deren Nationalität bzw. das kulturelle Zugehörigkeitsgefühl und damit die eigene Identität.

Als Separatismus bezeichnet man die Erscheinung, dass sich eine Bevölkerungsgruppe eines Staates aufgrund eigenständiger Sprache und Kultur als Volk einen eigenen Staat haben möchte, damit aber beim Staat auf Widerstand trifft. Ein Beispiel hierfür sind die Basken in Spanien und Frankreich, aber auch die Kurden in der Türkei und im Iran. Zwischen den Begriffen Separatismus und Nationalismus besteht häufig nur ein perspektivischer Unterschied. Aus Sicht des zentralen Staates handelt es sich um Bürger, die sich abspalten wollen, also um Separatisten. Aus deren Sicht aber handelt es sich um Nationalismus, weil sie ihrem Volk zu einem eigenen Staat verhelfen möchten. So wurden die Anhänger der irischen Unabhängigkeitsbewegung vor der Gründung der Republik Irland vom Staat Großbritannien, der in früheren Zeiten ihr Land annektiert hatte, als Separatisten betrachtet und verfolgt.

Literatur


Weblinks


"Was hält die Schweiz zusammen?"- Vortrag von Bundesrat Koller

Siehe auch


Politischer Begriff | Staatsform | Nation

دولة أمة | Nation-state | Estado Nación | État-nation | מדינת לאום | Nacionalna država | Nation-state | 国民国家 | 국민국가 | Nationale staat | Nasjonalstat | Nasjonalstat | Państwo narodowe | Národný štát | Nationalstat | 民族國家

 

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