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Wien Parlament um 1900.jpg]] Die Nationalratswahl am 21. Oktober 1923 war die zweite Nationalratswahl in der Geschichte Österreichs. Die meisten Stimmen und Mandate erhielt die Christlichsoziale Partei unter Bundeskanzler Ignaz Seipel. Auf den zweiten Platz kam die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Die Volkspartei, ein Verband der Großdeutschen und des Landbunds, mit Felix Franz als Spitzenkandidat, wurde drittstärkste Fraktion im neu gewählten Nationalrat.

Wahlkampf


Die Christlichsoziale Partei setzte im Wahlkampf voll auf Iganz Seipel, den sie als "bewährten Steuermann", den es zu bewahren galt, auf ihre Wahlplakate druckte. Mit einer weiteren Plakatreihe kritisierte man den von der sozialdemokratisch regierten Stadt Wien betriebenen sozialen Wohnbau, der ineffizient sei und letztendlich zu einer höheren Steuerbelastung führen würde. In diesem Zusammenhang wurde auf einem Sujet im Namen des früheren christlichsozialen Bürgermeisters Karl Lueger zur Rettung Wiens aufgerufen. Die Sozialdemokraten kritisierten die Sparpolitik der Regierung und ihre negativen Auswirkungen auf Beamten und Arbeiter. So sprachen sie sich gegen geplante Kürzungen bei Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung, sowie gegen eine Verschlechterung im Bereich des Kündigungsschutzes aus. Kritisiert wurde auch der starke Einfluss der römisch-katholischen Kirche auf die österreichische Politik, insbesondere darauf gemünzt, dass mit Ignaz Seipel der amtierende Bundeskanzler gleichzeitig Prälat war und somit ein kirchliches Amt bekleidete. Auf zwei weiteren Wahlplakat wendete man sich gegen das Erstarken österreichischer Nationalsozialisten sowie eine Wiedererstarkung des österreichischen Monarchismus.

Die Großdeutschen führten gemeinsam mit dem Landbund einen offen antisemitischen Wahlkampf. So riefen sie "Deutsche Arier" auf, zu ihren Wahlveranstaltungen zu kommen, um für die Entziehung des Wahlrechts von "50.000 Ostjuden" einzutreten, die aus Sicht der Großdeutschen für die Wohnungsnot in Wien verantwortlich seien. Den Sozialdemokraten warfen sie vor, die Wiener Bevölkerung "Schritt für Schritt unter jüdische und tschechische Knechtschaft zwingen" zu wollen. Kritisiert wurde der Antisemitismus der Großdeutschen und des Landbundes fast ausschließlich von der Jüdischen Wahlgemeinschaft. Sie warnte vor einem Anwachsen des Judenhasses in Österreich und beklagte, dass es schon jetzt strukturelle Diskriminierungen gegen die jüdische Bevölkerung gebe und weitere geplant seien.

Endergebnis


Partei Stimmen Prozent Sitze
Christlichsoziale Partei (CS) 1 459 047 45,0 (+1,8) 82 (-3)
Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) 1 311 870 42,3 (+3,5) 68 (-2)
Landbund und Großdeutsche 422 600 12,8 (n.k.) 15 (n.k.)
Jüdische Wahlgemeinschaft 24 970 0,7 (-1,2) -
Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) 22.164 0,6 (-1,3) -
Bürgerlich-demokratische Arbeitspartei 18 886 0,4 (n.k.) -
Tschechoslowakische Minoritätspartei 7 580 0,2 (n.k.) -
Kaisertreue Volkspartei 1 235 0,0 (n.k.) -

Folgen


Ignaz Seipl blieb Bundeskanzler.

Weblinks


1923 | Wahl in Österreich

 

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