Selektion (lat. selectio = Aussonderung, Auswahl) ist ein grundlegender Begriff heutiger Theorien der biologischen Evolution. Sie besteht
1) als natürliche Selektion in der natürlichen Auslese von Phänotypen durch die Fortpflanzung der jeweils überlebenstüchtigsten Individuen einer biologischen Art. Die entscheidenden Einflüsse sind äußere Faktoren der Umwelt oder ihre Änderungen. Überlebenstüchtigkeit heißt dabei nicht notwendig Überleben der Stärksten. Sie kann auch Kooperation und Altruismus einschließen. Entscheidend ist, dass die Gene weitergegeben werden. Die Überlebensfähigkeit ist auch von den konkreten Umweltbedingungen im Biotop abhängig.
2) als künstliche Selektion in einer menschlich gesteuerten Zuchtwahl. Sie erhöht die Fortpflanzung jener Individuen, die die vom Züchter geförderten Eigenschaften besitzen.
3) als sexuelle Selektion, in der Auslese von Phänotypen durch die Fortpflanzungspartner der eigenen Art, bei sich geschlechtlich fortpflanzenden Organismen. Entscheidend ist, dass Gene weitergegeben werden, die zu Phänotpen führen, die von Fortpflanzungspartnern wiederum bevorzugt werden.
Der Begriff der natürlichen Selektion wurde erstmals von Charles Darwin vorgestellt und ist das zentrale Prinzip in Darwins Theorie des evolutionären Wandels. Selektion ist weiterhin neben der Mutation und der Vererbung der beherrschende Begriff in der modernen Evolutionsbiologie.
Dass die Chancen für das Überleben und/oder die Fortpflanzung der Individuen verschieden sind, ist nicht zufällig und hat als potentielle Folge eine Verschiebung zwischen den Populationen der einzelnen genetischen Einheiten. Man kann natürliche Selektion deshalb auch definieren (?) als deterministischen Teil- oder Gesamtunterschied in dem Beitrag erblicher, unterschiedlicher Klassen von Einheiten für die folgenden Generationen. Die natürliche Selektion kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden, das heißt die oben angeführten Einheiten können Individuen, Allele, Teile von Genotypen oder Genotypen, Populationen oder im weitesten Sinne Arten sein.
Natürliche Selektion ist nicht gleichbedeutend mit dem Tod des Individuums, wenn auch dieser zu seiner (negativen) Selektion führt. Zum einen können zum Beispiel Verletzungen, Krankheiten oder andere Ursachen zu Unfruchtbarkeit führen. Dann sind keine Nachkommen mehr auf natürliche Weise möglich, ohne dass das Individuum bereits tot ist. Allerdings können von ihm immer noch Nachkommen anderer Individuen gefördert werden. Selbst nach dem Tod können Individuen einer Art noch die Verbreitung ihrer Gene fördern, beispielsweise wenn sie als Nahrungsmittel ihrer Nachkommen dienen. Bei einigen Tierarten verspeisen die Weibchen nach der Befruchtung ihre Männchen und erhöhen so ihre Überlebenswahrscheinlichkeit und auch die des gemeinsamen Nachwuchses.
Bei der künstlichen Selektion handelt es sich um einen Spezialfall der Selektion, nämlich die Selektion durch den Menschen. Dabei wird ein ausgewähltes Merkmal oder einer Kombination von Merkmalen in einer Population durch den Menschen gefördert. Typischerweise findet Auswahl durch Menschen bei Haustieren oder angebauten Pflanzen, aber auch im Labor oder in befischten Gewässern statt. Der Unterschied zur natürlichen Selektion besteht darin, dass das vom Menschen ausgewählte Merkmal Überlebens- und Fortpflanzungskriterium ist.
Die Frühreife der Fische wird, so Dieckmann, durch das Fehlen von Konkurrenten begründet. Der Fisch findet mehr Nahrung, wächst schneller und wird früher geschlechtsreif. Man spricht hierbei auch von phänologischer Plastizität, das heißt der Anpassungsfähigkeit von Organismen an unterschiedliche Umweltbedingungen.
Die Modelle für das schnelle Wirken von Selektion und die damit resultierende Mikroevolution wurden in verschiedenen Labors mit Experimenten nachgestellt. Hierfür wurde mit Fischen wie Guppies und Ährenfischen experimentiert, die eine relativ kurze Generationsdauer haben. Siehe auch verschiedene Artikel von David Conover (State University of New York) und David Reznick (University of California). Beide Forscher konnten zeigen, dass bei selektiver Befischung der Populationen in den Aquarien - das heißt nur die größten Fische wurden entnommen - schon nach wenigen Generationen die Fische deutlich kleiner und weniger fruchtbar waren. Außerdem setzten sie bei gleichem Futterangebot wie die Kontrollfische weniger Fleisch an. "Rechnet man die Evolutionsrate bei den Guppies auf die Entwicklung kommerziell genutzter Fische um, so entspricht sie wenigen Jahrzehnten", fasst Reznick seine Ergebnisse zusammen. "Die Grossfischerei hat eine genetische Selektionswirkung auf die Bestände."
siehe sexuelle Selektion
Es findet eine Überproduktion von Nachkommen statt, die sich im Phänotyp (äußeres Erscheinungsbild, Aufbau, Stoffwechsel) von ihren Eltern geringfügig unterscheiden. Diese Variation ist durch Veränderungen des Genotyps, d. h. im Erbgut, bedingt. Darwin hat diese Variabilität bei den Nachkommen vielfach beobachtet, auch wenn er sie noch nicht letztendlich erklären konnte. Darwin ging wie allgemein im 19. Jahrhundert von der Pangenesistheorie aus, bei der man die Vererbung von Modifikationen annahm, da die Mendelschen Regeln noch nicht allgemein bekannt waren und Kenntnisse über Chromosomen und die DNA erst viel später gewonnen wurden. Nach heutiger Kenntnis verändert sich das Erbgut rein zufällig, etwa durch Mutation, also der Veränderung der Erbinformation selbst, durch Rekombination, also der individuellen Zusammenstellung der Geninformationen (z. B bei der sexuellen Vermehrung) und durch Gendrift.
Folge der von Darwin beobachteten Überproduktion (selbst bei den sich sehr langsam vermehrenden Elefanten entstünde ein exponentielles Wachstum - bei Bakterien oder Pflanzen ist diese Überproduktion an Nachkommen gigantisch) ist - aufgrund der Begrenztheit eines jeden Lebensraumes - unausweichlich eine Konkurrenz zwischen den Lebewesen. In dieser Konkurrenz um Licht und Wasser (vor allem bei Pflanzen), die vorhandenen Nahrungsquellen (Nahrungsbiotope), Geschlechtspartner, Platz (Brutbiotope), gegen Fressfeinde oder Krankheitserreger steht jedes Lebewesen in einem stetigen Wettstreit:
Außerdem kommt es zu einer Auseinandersetzung mit der unbelebten Umwelt (z. B. Klima), d.h. die Individuen unterscheiden sich in ihrem Anpassungsgrad an klimatische Bedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit, Wind, Salzgehalt etc. .
Jede Population weist aufgrund der genannten Variation innerhalb gewisser Grenzen eine Vielfalt im Erbmaterial und damit auch im Erscheinungsbild der einzelnen Individuen auf - d.h. die "individual fitness" unterscheidet sich z.T. erheblich: Somit ist die Wahrscheinlichkeit der Individuen, in ihrer Umwelt erfolgreich zu überleben und die Zahl ihrer Nachkommen, nicht gleich verteilt. Manche Individuen besitzen aufgrund ihres Erbgutes eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich zu vermehren, oder eine höhere Nachkommenzahl und damit haben die Gene dieser Individuen eine erhöhte Überlebenswahrscheinlichkeit.
Dieses Ungleichgewicht bildet die Voraussetzung für den natürlichen Auslesevorgang. Dieser Auswahlschritt erfolgt zwangsläufig, d. h. ohne ein vorher geplantes Ziel, und ist dennoch in der Lage, besser angepasste Individuen hervorzubringen. Der überlebende Teil dieser Generation ist, statistisch gesehen, besser an die Umwelt angepasst gewesen, und kann sein Erbgut an die folgende Generation weitergeben. Durch diesen schrittweise stattfindenden Prozess werden Eigenschaften ausgewählt, die einer Population das erfolgreichere Überleben sichern. Individuen, die in diesem stetigen "Kampf ums Dasein" (survival of the fittest) mehr Nachkommen haben, setzen sich durch, und vermehren damit ihre Erbinformation. "Kampf" meint hier in den wenigsten Fällen eine individuelle - beschädigende - Auseinandersetzung, sondern eher die Fähigkeit, unter den begrenzenden Lebensbedingungen besser zurechtzukommen (z.B. Wassermangel) und mehr Nachkommen zu produzieren.
Im Verlauf von Generationen führt dieser Vorgang zu einer fortwährenden allmählichen Abänderung des Erbguts und infolge dessen des Erscheinungsbildes der Individuen einer Population. Dieser Vorgang wird dann als Makroevolution bezeichnet, und man erkennt nach genügend langer Zeit die Entstehung neuer Arten.
Die Selektion führt also zu einer Auswahl geeigneterer Individuen einer Population, die unter den bestimmten Lebensbedingungen eines Biotops mehr Nachkommen erzeugen können - dadurch wird der Genpool dieser Population verändert sich darum im Sinne einer Anpassung an die spezifische Umwelt.
Man kennt drei Formen der Selektion, die jeweils in drei Typen auftreten können: natürliche, sexuelle und künstliche Selektion diese können auftreten als stabilisierende, gerichtete oder disruptive Selektion.
Der menschlichen Erfahrung sind reine Ursache-Wirkungsketten (Kausalität) leichter zugänglich als Zufallsprozesse oder, wie im Falle der Evolution, Prozesse in denen Zufall und Notwendigkeit zusammenwirken.
Da die Genselektion (im Gegensatz zur Individualselektion) auf intuitiv nicht leicht fassbaren statistischen Prozessen basiert, kommt es oft zu unnötig komplizierten und missverständlichen Darstellungen oder Ansichten bezüglich der Evolutionstheorie. Dies kann dann im Einzelfall zu einer vorschnellen Ablehnung der gesamten Theorie führen.
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