Der Eingang des Nassachtals, eines der unberührtesten Täler Baden-Württembergs, liegt im Filstal zwischen den Städten Ebersbach an der Fils und Uhingen. Das Tal, dessen Namensgeber die Nassach ist, misst an seiner breitesten Ausdehnung nur wenige 100 Meter, ist aber über 10 Kilometer lang.
Die Nassachtalstraße, die das Filstal mit dem Remstal verbindet, führt durch das ganze Tal, vorbei an dem auf einer Anhöhe liegenden Diegelsberg und durch das am Taleingang gelegene Nassachmühle. In der Mitte befindet sich in unberührter Natur der Ort Nassach/Unterhütt; das Tal endet nach dem vierten Teilort Baiereck am Lochbach.
Diese vier Orte bilden im kommunalrechtlichen Sinn seit 1996 im zusammen den Ort "Nassachtal/Diegelsberg", der zur Stadt Uhingen im Landkreis Göppingen gehört. Der Ort hat über 2200 Einwohner und besteht aus einer Mischung aus Natur, dem dörflichen Charakter der Teilorte und der Verkehrsanbindung durch die Bundesstraße 10 - Auffahrt Nassachtal.
Im Tal befindet sich einer der letzten Kohlenmeiler Deutschlands, der die lange Tradition der Köhler im Tal aufrecht erhält, der wohl einzigen Privatfriedhof Baden-Württembergs und die traditionelle Besenwirtschaft in Nassach.
Rechts der Nassach liegt der Ort Nassach, am anderen Ufer Unterhütt. Der Teilort Unterhütt gehörte in seiner Geschichte schon immer zu Baiereck, obwohl die Distanz bis Baiereck über 4 Kilometer beträgt, aber es nach Nassach nur etwa 10 Meter sind.
Nassach, das erstmals 1245 urkundlich erwähnt wurde, wurde während der Herrschaft des Kaisers Barbarossa gegründet. Die geschichtliche Blüte Nassachs und Unterhütts lag um 1500. Während dieser Zeit war Nassach Sitz einer der drei Glasbläsereien die im Nassachtal von 1450-1550 angesiedelt waren. Nach dieser Blütezeit und dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs war Nassach fast komplett zerstört, es lebten nur noch 2 Einwohner von einstmals über 20. Bis ins 20. Jahrhundert zeichnete sich Nassach/Unterhütt vor allem durch große Armut und die ansässigen Köhlereien aus. Durch die Industrialisierung des Filstals nahm die Einwohnerzahl ständig zu. Heute leben in Nassach/Unterhütt etwa 400 Einwohner. Die Tradition der Köhlerei hat überlebt, gibt es in Unterhütt noch einen der letzten Köhler Deutschlands. Zu den weiteren Besonderheiten des Ortes zählt eine traditionelle Besenwirtschaft, ein Kunsthaus, das in jahrelanger Kleinstarbeit nur aus Holz und Glas errichtet wurde und der einzige Privatfriedhof Baden-Württembergs.
Baiereck, das um 1470 Sitz der dritten Glasbläserei des Nassachtals war, wurde erstmals um 1553 urkundlich erwähnt. Die Gründungszeit dürfte allerdings am Ende des 14. Jahrhundert gewesen sein. Neben der Glasbläserei waren vor allem die Holzfällerei und die Sandbrüche Erwerbsquellen im Mittelalter. Wie auch das gesamte Nassachtal, hatte Baiereck sehr unter dem 30-jährigen Krieg zu leiden. Erst durch die Industrialisierung des Rems- und Filstals und dem Bau der ersten richtigen Straße durch das Tal im 19. Jahrhundert konnte sich Baiereck aus der Armut befreien. Heute besitzt der Ort eine neu gestaltete Ortsdurchfahrt und einen dörflichen Ortskern. Es besteht eine gute Verkehrsverbindung zum Rems- und Filstal.
Die Bevölkerung des Nassachtals hatte seit der Entstehungszeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stets unter großer Armut zu leiden. Diese Zeit wurde nur von einem rund 100 Jahre andauernden "Wohlstand" unterbrochen, hervorgerufen von den Glasbläsern, die um 1450 ins Tal zogen. Die Glasbläserei war in der damaligen Zeit ein ertragreiches Geschäft und verschaffte nicht nur den Familien eine Verbesserung der Lebensumstände, sondern auch der Dorfbevölkerung. In Württemberg gab es damals 2 Sippen von Glasbläsern: Zu Beginn die Familie Greiner und später die Familie Wezel. Daß dies nur 2 Familien waren, läßt sich dadurch erklären, daß diese nur untereinander heirateten, um das Geheimnis der Glasbläserei in der Familie zu halten. Daß ausgerechnet das Nassachtal für rund 100 Jahre Sitz der Glasbläserei wurde, kommt nicht von ungefähr. Die Glasbläser benötigten für ihre Fabrikhütten vor allem viel Holz, Pottasche und den im Keupergebiet vorkommenden Quarzsand. Alle 3 Voraussetzungen waren im Nassachtal gegeben, als die Familie des Glasmachers Christian Greiner um 1450 in das Tal zog. Die Glasmacher, gestützt von steuerlichen Vorrechten und Kriegsdienstbefreiung, bauten bis um 1480 drei Glashütten auf. Die genauen Standorte sind unbekannt, aber durch Grabungen fand man eine Glashütte in Nassach, eine andere in den Salzwiesen zwischen Nassach und Baiereck. Alle wurden von der Familie Christian Greiners betrieben. Ein weiterer Grund, der die genaue Feststellung der Standorte unmöglich macht, ist die Tatsache, daß die Hütten wanderten. Denn sobald das Holz in der Umgebung verbraucht war, wurden die Hütten wieder in die Nähe der Holzgebiete verlegt. Während das Geheimnis der richtigen Glasmischung allein den Hüttenmeistern vorbehalten war, wurden die Dorfbewohner als Zuarbeiter (Holzfäller, Aschesammler und Sandklopfer) eingesetzt. Das brachte für diese auch eine leichte wirtschaftliche Verbesserung mit sich. Auch heute noch erinnert der Brunnen in Baiereck an die Zeit der Glasbläser
Darstellung einer Glashütte aus dem Mittelalter Das Entstehen der Kirchengläser, Fensterscheiben und Trinkbecher begann mit dem Zerklopfen der Sandsteinbrocken und dem Holzfällen. Danach wurde der Quarzsand in einen Schmelztiegel aus feuerfestem Ton gelegt. Zusammen mit der Holzasche als Fließmittel und anderen geheimen Zusätzen wurde das Gemisch auf 1300 Grad erhitzt. Die Zusätze, die über Qualität des Glases entschieden, waren nur den Hüttenmeistern bekannt. Diese gaben es dann an ihre Söhne weiter. So verblieb das Geheimnis in der Familie und es entstand keine Konkurrenz. Nachdem die Schmelze flüssig war, begann die Arbeit der "Uffbläser". Sie schwenkten das Glas, bliesen es auf und brachten es in die gewünschte Form. Nach dem Abkühlen war das Glas fertig zum Verkauf. Trotz des Wohlstandes, den die Glasbläser mitbrachten, hielt sich die Begeisterung über die Sippe in Grenzen; denn es gab zahlreiche, gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung. Nach dem Tod von Christian Greiner führten seine Söhne die Glasbläsereien im Nassachtal aufgrund des Holzrückgangs und der geringen Erträge der Hütten nicht weiter. Sie zogen mit ihren Familien in den Welzheimer Wald und nach Thüringen. Nach dem Wegzug der Glasbläser blieb den Menschen nichts anderes übrig, als mit den kargen Erträgen der Landwirtschaft zu überleben. Einige der Zuarbeiter zogen mit den Glasbläsern weg, andere wiederum versuchten ihr Glück mit der Köhlerei und der Holzfällerei.
Viele Köhler konnten sich mit dem Verkauf der Holzkohle gerade den Lebensunterhalt verdienen. Als Folge der Holzknappheit um 1770 ging die Zahl der Köhlereien zurück. Durch die Industrialisierung wurde bald darauf die Holzkohle sogar knapp. Daraufhin stieg die Zahl der Köhlereien wieder sprunghaft an. Als Abnehmer dienten den Köhlern die Eisengießereien in Ludwigsburg, Cannstatt, Göppingen und später die WMF in Geislingen an der Steige. Um 1880 betrug die Zahl der Meiler in Nassach/Unterhütt 27. Heute ist nur noch eine Köhlerei übrig, die von Eugen Jung regelmäßig betrieben wird. Sie ist eine der letzten in ganz Deutschland. Als Grund für den Rückgang seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist vor allem die Nutzung der Steinkohle zu sehen.
Die Meiler, die Eugen Jung auch heute noch in Unterhütt aufstellt, wenn auch seltener als noch in den 70er Jahren, bestehen im Kern aus kreisförmig aufgestellten Holzspaltern. Diese werden mit ausgekohltem Holz aufgefüllt und luftdicht abgedichtet. Außenherum werden nochmals Schichten von schwächerem und stärkerem Holz gelegt. Das Ganze wird dann noch mit Nadelholz bedeckt. Die Brenndauer eines solchen Meilers beträgt ca. 4 Tage. Während dieser Zeit muß der Meiler ständig beobachtet werden, damit ein gleichmäßiges Abbrennen gewährleistet ist und die Holzkohle die erwünschte Qualität erhält. Aus einem Meiler kann der Köhler etwa 35 Sack Holzkohle gewinnen. Auch wenn das Ende der Köhlertradition abzusehen ist, so hatten die Köhlereien doch großen Anteil an der Geschichte des Nassachtals.
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