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Unter Tonfilm versteht man im allgemeinen einen Film, der, im Unterschied zum Stummfilm, mit einer synchronen Tonspur versehen ist.

Geschichte und Entwicklung


Sieben wichtige Stationen aus den Anfängen der Geschichte des Films und der Filmmusik:

  • 1895: Erste öffentliche Vorführung von stummen Kurzfilmen mit vorwiegend dokumentarischem Inhalt durch die Brüder Lumière in Paris
  • 1905: In Amerika wird das erste Kino mit ca.100 Sitzplätzen eröffnet. Die vorgeführten Stummfilme werden hauptsächlich von Pianisten musikalisch begleitet und untermalt.
  • 1908: Camille Saint-Saëns (1835-1921) schreibt für den Film Die Ermordung des Herzogs von Guise die erste Originalfilmmusik.
  • 1910: Inzwischen gibt es in den USA ca. 10.000 Kinos.
  • 1920: Die Anzahl der Kinos hat sich in den USA verdoppelt auf 20.000. Der Filmexport nach Europa blüht auf. In speziellen Kino-Orchestern spielen ca. 50-60 Musiker. Es erklingen als Filmmusikuntermalungen sogenannte "cue sheets" (wörtlich: Stichwortblätter): arrangierte Volkslieder, Opernauszüge und europäische Sinfonik aus dem 19.Jahrhundert, die zu den entsprechenden Filmszenen passen.
  • 1926: Premiere des ersten Tonfilms der Welt: "Don Juan" (Warner Bros.)
  • 1928: Der Stummfilm wird generell durch den Tonfilm abgelöst. Die Filmgesellschaften bauen eigene Musikabteilungen auf. Für jeden neuen Film entsteht eine neue Filmmusik. Bild- und Tonaufnahmen (Sprache, Geräusche, Musik) erfolgen getrennt.
Der Kinofilm war nie stumm; er wurde von Anfang an von Klavier- oder Orchestermusikern begleitet. Erste Versuche der Synchronisation von Phasenbildern mit dem Grammophon stammen von W. Donnisthorpe aus dem Jahr 1877. Um 1900 kombinierte dann Thomas Alva Edison den Kinematographen mit seinem Phonographen und konstruierte auch verschiedene andere Kombinationen wie Kameraphon und Kinemaphon.

Nadeltonverfahren

Während Edisons Phonograph noch mit Walzen arbeitete, nutzte das Grammophon eine Nadel als Tonabnehmer; die Spielfilme der späten 20er Jahre wurden auf Rollen präsentiert, die eine Vorführungslänge von 11 Minuten hatten; danach musste die Rolle gewechselt werden. Zu diesem Zweck wurde die Langspielplatte entwickelt, die zunächst eine Spieldauer von elf Minuten hatte. Diesen Medienverbund bezeichnet man auch als „Nadeltonverfahren“. Es wurde in den 30er Jahren vom Lichtton abgelöst.

Der von vielen Kritikern als erster vollwertiger Sprech-Spielfilm betrachtete „Der Jazzsänger“ (USA, 1927) mit Al Jolson unter der Regie von Alan Crosland war bedingt durch seinen prominenten Darsteller auch mehr ein Musikfilm und noch im Vitaphone-Verfahren (Ton auf Platte) gefertigt. Die Monologe und Dialoge waren improvisiert. Warner Bros. hatten nur beabsichtigt, einen Film zu drehen, in dem Musik und Gesang synchronisiert wurde, wodurch kein Dialogmanuskript notwendig war. So erklärt sich auch der Inhalt des ersten Monolog Jolsons: „Warten Sie eine Minute. Warten Sie eine Minute. Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört. Wollen sie Toot-toot-tootsie hören. All right. Einen Moment.“ Dabei war „Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört.“ eine seiner berühmtesten Wendungen, die er auch bei seinen üblichen Bühnenauftritten präsentierte. Die einzige weitere Sprachsequenz war mit zumindest 354 Wörtern deutlich länger und spielt sich zwischen Jolson (340), Eugenie Besserer (13) und schließlich Walter Oland ab, der sogar nur ein einziges Wort sagen durfte - und zwar bezeichnenderweise „Stop“.

Der erste Film mit durchgehend synchronisierten Dialogen war Lights of New York, 1928 unter der Regie von Bryan Foy gedreht. Er hatte knapp eine Stunde Spielzeit.

Lichttonverfahren

Als Erfinder des Lichttonverfahrens kann man den deutschen Ingenieur Hans Vogt (* 25. September 1890 in Wurlitz (Oberfranken)) bezeichnen. Mit seinen Kollegen Joseph Massolle (1889–1957) und Jo Engl (1893–1942) verwirklichte er in der gemeinsamen Gesellschaft Tri-Ergon (griech.-lat., "Werk der drei") die Tonfilm-Idee. Das Labor der drei, in dem auch die Entwicklung des Verfahrens stattfand befand sich in Berlin, Babelsberger Strasse 49 (Gedenktafel am Hauseingang).

Am 17. September 1922 wurde in Berlin im Alhambra-Kino auf dem Kurfürstendamm vor 1000 Zuschauern der erste Tonfilm, bei dem die Synchronlaufschwierigkeiten bisheriger Tonfilmsysteme überwunden waren, der Öffentlichkeit präsentiert. Vogt, mit seiner Idee einer integrierten Lichttonspur, hatte hieran maßgeblichen Anteil.

Einer der Filme war der erste dramatische Dialogfilm "Der Brandstifter". Alle übrigen waren reine Orchesterfilme mit Vokal-Begleitung, die von der Kritik gemischt aufgenommen wurden. Bemerkenswerter Weise richtete sich die Kritik der Presse nicht gegen das technische Niveau, sondern gegen das inhaltliche Niveau der Dialoge. Vorausschauend erkannten sie, dass dadurch die eigentliche Kunst des Stummfilms, die Pantomime, auf Dauer zerstört würde.

1923 produzierte Lee De Forest die ersten kommerziell vertriebenen Tonfilme "De Forest Phonofilms", bei denen der Ton fotografisch aufgenommen und auf den Rand des Films aufgedruckt wurde. "Phonofilms" wurden bis 1927 hergestellt, dann wurde das System an Fox Pictures verkauft und wurde zu "Movietone" umbenannt.

Beim Tonfilm wurde die Tonspur neben den Bildern auf dem Film aufgebracht. Mit einer Lampe wurde diese Spur hinterleuchtet und auf eine elektrische Fotozelle übertragen. Die unterschiedlichen elektrischen Spannungen, welche die unterschiedliche Helligkeit verursachten, wurde mittels Verstärker und Lautsprecher in hörbare Töne umgewandelt.

Durch die Kopplung von Ton und Bild war die Erhaltung der Synchronisation zwischen beiden praktisch gewährleistet.

Weil der Film für die Darstellung der Bilder bei den meisten Projektoren ruckartig bewegt wird, während die Tonspur sich gleichmäßig bewegen muss, ist es notwendig, einen entsprechenden Ausgleich zu erzeugen. Dazu wird der Film schleifenförmig über Umlenkrollen und über eine Schwungrolle geführt, die die Schaltstöße abfedert. Störungen der Umlaufgeschwindigkeit werden so weitgehend vermieden. Der Abstand zwischen Bildprojektion und der entsprechenden Stelle auf der Tonspur beträgt 21 Bilder.

Anfangs gab es zwei Verfahren, die Zackenschrift und die Sprossenschrift. Bei der Zackenschrift wird die Modulation durch unterschiedlich breite Belichtung erreicht, bei der Sprossenschrift durch unterschiedlich starke Belichtung bei konstanter Breite der Tonspur. Später setzte sich die Zackenschrift durch.

Ende der 1930er Jahre einigten sich die Filmproduzenten und Kinobesitzer auf einen Tonaufnahme- und Tonwiedergabe-Standard.

Das Lichttonverfahren wird auch heute noch für die Tonwiedergabe verwendet.

Magnettonverfahren

Mit dem Magnettonverfahren wurde seit den 30er Jahren versucht, den Lichtton abzulösen; diese Versuche waren jedoch nicht dauerhaft erfolgreich. Heute wird eine Kombination eingesetzt: Die Tonaufnahme wird auf Magnetband aufgezeichnet, davon wird ein Lichttonnegativ angefertigt, das wiederum auf die Positivkopie der Vorführung kopiert wird.

Neuere Tonverfahren

1976 kam ein bahnbrechendes Tonsystem in die Kinos: Dolby Stereo mit 4 Tonspuren.

1987 wurde durch Dolby SR (Spectral Recording) die Tonqualität erheblich verbessert, es blieb allerdings bei vier Tonspuren.

Digitalisierung

Seit 1992 gibt es mit Dolby Digital, DTS und SDDS qualitativ sehr hochwertige Tonsysteme, die sogar 5 bzw. 7 Tonkanäle und einen Subwoofer-Bass-Kanal unterstützen ( Kanalschema 5.1 bzw. 7.1).

Bibliographie


  • Mühl-Benninghaus, Wolfgang: Das Ringen um den Tonfilm. Strategien der Elektro- und der Filmindustrie in den 20er und 30er Jahren, Droste Verlag 1999, ISBN 3-7700-1608-4

  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. (6. Ausgabe 2002) – Aufstieg und Untergang des Tonfilms. Polzer Media Group, Potsdam 2002, ISBN 3-934535-20-8

  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. (3. Ausgabe 1996) – SOUND - Der Ton im Kino. Verlag der DGFK Berlin.
  • Michaela Krützen: Esperanto für den Tonfilm: Die Produktion von Sprachversionen für den frühen Tonfilm-Markt. In: diskurs film (München) Nr. 8 (1995), S. 119-154
  • Karl Röwer: Die Technik für Filmvorführer, VEB Wilhelm Knapp Verlag, Halle (Saale), 1953, Nr. 380/49/51, ohne ISBN

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