Der Begriff Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft wurde erstmals im Rahmen der sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Not der Waldvernichtung entwickelnden Forstwirtschaft formuliert, regional aus dem gleichen Grund jedoch bereits im 15. Jahrhundert praktiziert. Die forstwirtschafliche Praxis der Nachhaltigkeit wurde zudem schon im 19. Jahrhundert über die reine Rohstoffversorgung hinaus erweitert.
Nachhaltige Bewirtschaftung bedeutet, die Betreuung von Waldflächen und ihre Nutzung auf eine Weise und in einem Maß, dass sie ihre biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität behalten sowie ihre Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen und dass anderen Ökosystemen kein Schaden zugefügt wird.
Nachhaltigkeit ist ihrem Ursprung nach ein forstwirtschaftlicher Begriff und hat hier auch heute noch eine zentrale Bedeutung. Kein anderer relevanter Wirtschaftszweig hat sich über Jahrhunderte unter dabei wechselndem Zeitgeist ähnlich zielführend mit Blick auf die Bedürfnisse kommender Generationen verhalten. Dies spiegelt sich auch im heutigen Selbstverständnis der Forstwirtschaft wider, wird aber zum Teil auch idealisiert.
Grund für den hohen Stellenwert der forstlichen Nachhaltigkeit sind zum einen die langen Regenerationsdauern und geringen Wachstumsraten der Waldbestände, zum anderen der in der Vergangenheit ausgeuferte Holzbedarf, der im folgenden näher erläutert wird.
Da andere Wirtschaftszweige nicht in Produktionszeiträumen von Jahrhunderten denken, wird es dort oft als betriebswirtschaftlich unverantwortlich angesehen, sich „nachhaltig“ zu verhalten. Aufgrund seiner Popularität dient der Begriff Nachhaltigkeit anderen Wirtschaftszweigen dennoch oft als Marketinginstrument. Die Grenzen zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Wirtschaftszweigen sind jedoch unscharf. Es existieren in nahezu allen Bereichen Konzepte und Beispiele zur nachhaltigen Entwicklung, welche dem der Forstwirtschaft grundsätzlich entsprechen. Ein Beispiel ist die Nachhaltigkeit in der EDV.
In vielen Regionen Mitteleuropas, besonders solchen mit einer ausgeprägten Bergbau- und Montantradition, wurden die Kapazitäten der Wälder schon im späten Mittelalter überschritten und deren Begrenztheit deutlich. Erst aus diesem Kontext bildete sich regional die eigentliche Forstwirtschaft heraus und löste hier die bis dahin vorherrschende unkontrollierte Ausbeutung der Wälder ab.
Erstmals wurde Nachhaltigkeit 1713 vor dem Hintergrund einer zunehmenden überregionalen Holznot von Hans Carl von Carlowitz (1645-1714), dem Oberberghauptmann in Kursachsen, postuliert:
Zur Durchsetzung des Nachhaltigkeitsbegriffes in der Forstwirtschaft trug auch Georg Ludwig Hartig entscheidend bei. Er schrieb:
und betonte später:
Georg_Ludwig_Hartig.jpg, einer der Begründer der Forstwissenschaft]]
Ursprünglich war Nachhaltigkeit ein rein wirtschaftliches Prinzip zur dauerhaften Sicherung kontinuierlicher Holzlieferungen für die darauf angewiesenen Montanbetriebe. Von Carlowitz erkannte aber bereits die ethischen und ästhetischen Werte des Waldes.
Ein weiterer Verfechter des nachhaltigen Waldbaus war Heinrich Cotta. Im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis zu den 1920er Jahren wurde der Begriff über die reine Massennachhaltigkeit hinaus erweitert - beispielsweise in den Forderungen von Karl Gayer (1882), von Alfred Möller (1923) in „Wald als Organismus“ und Hans Lemme (1939). Franz Heske übertrug den forstlichen Nachhaltigkeitsgedanken in den 1950er-Jahren auch auf andere Bereiche des menschlichen Lebens und entwickelte daraus die Philosophie der Organik.
Die Helsinki-Resolution (1993) definiert in modernen Begriffen die nachhaltige Waldwirtschaft als
In Deutschland können Wälder Forstzertifikat bekommen. Gefördert und ausgezeichnet werden soll dadurch neben der Nachhaltigkeit insbesondere auch die Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit von Forstbetrieben.
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"Nachhaltigkeit (Forstwirtschaft)".
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