Mit Nachdenken ist gewöhnlich ein intensiviertes Denken gemeint, das eine verstärkte Konzentration auf den Gegenstand des Nachdenkens beabsichtigt.
Konzentriert gedacht werden kann überall, mancher kann es nur hinter dicken Klostermauern oder an abgeschiedenen und unbelassenen Naturorten, anderen gelingt es während eines Bruckner- Adagios, und nicht wenige betreiben es mit Intensität beim Glotzen in die Glotze.
Der Nachdenkende zieht sich ein Stück in sich zurück, wendet sich teilweise oder überwiegend ab von unmittelbaren Sinneseindrücken, sitzt mit abwesendem Blick in einer Gesprächsrunde oder versucht Abstand zu gewinnen von persönlich stark bedrängenden Erlebnissen: Beziehungsstreß, eigener und fremder Krankheit, Lebensniederlagen. In der Konzentration auf verstärktes Denken sucht er Distanz, bemüht sich um Ordnung und Überblick. Ob er bis zum reinen Denken (denken-denken) - s.a. Reflexion (Philosophie) - vorstößt, ist nicht zwingend erforderlich, um die positiven Wirkungen gelungenen Nachdenkens zu spüren.
So wie die Motive zum Nachdenken verschieden sind, sind es auch seine Inhalte.
1.Nachdenken kann einen meditativen Grenzraum anstreben und von dort sich so vertiefen wollen - s.a.Versenkung - dass dabei neue(höhere) Erkenntnisse über sich und den eigenen Bezug zur Welt als Ertrag gesucht werden . Die neugewonnenen Begriffe enthalten viel "Über" "Außer" "Jenseitig" "Trans" "Hinter-" usw. Der Nachdenkende kehrt aus einer in diesem Sinn erfolgreichen Session mit einem veränderten Blick auf die Welt zurück - alles erscheint wunderbarer, geheimnisvoller, sinnbezogener, weise geplanter, als es sonst im üblichen Gewusel des Altags zum Bewußtsein kommen konnte.
2.Nachdenken kann aber auch die vorhandene Realität auf ihre Begreifbarkeit hin prüfen und dabei nach Gemeinsamkeiten in zunächst verwirrenden Abläufen suchen, Regeln entdecken, Gesetzmäßigkeiten formulieren, Hypothesen aufstellen oder wenigstens begründbare Vermutungen äußern.
3.Nachdenken kann aber auch nichts anderes wollen, als Ordnung in sich selbst zu schaffen. Eine besonders hilfreiche Bedeutung kann die Fähigkeit zum Nachdenken, Innehalten und Rückbesinnen in anhaltend chaotischer und strukturloser Umgebung bekommen. Dazu zählt auch intensiver Umgang mit dem Internet, seiner Unüberschaubarkeit und zeitlichen Allverfügbarkeit einschließlich der unerfreulichen Folgen, die sich daraus gelegentlich für eine sinnvolle Tages- (und Nacht-)einteilung des Users ergeben können. In Extremsituationen (Entführung, Geiselnahme, Einzelhaft u.a.) mit ihren massiven Angriffen auf die personale Integrität des Opfers wird die Befähigung zu intensivem (Nach)Denken entscheidend für die spätere Bewältigung des Traumas.
Im Einzelnen ergeben sich unterschiedliche Gebrauchsweisen von Nachdenken, die alltagssprachlich geläufig sind und von einander abgrenzbar.
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