Als Nabenschaltung wird bei Fahrrädern ein mechanisches Getriebe bezeichnet, das geschlossen in der Hinterradnabe eingebaut ist.
Relevante Kenngrößen jeder Gangschaltung ist neben der Zahl der Gänge insbesondere der Übersetzungsbereich, das ist das Verhältnis zwischen größtem und kleinsten Gang, meist in Prozent angegeben sowie die Gleichmäßigkeit der Gangabstufung. Der Übersetzungsbereich der Rohloff-Nabe wird mit 525,8 % angegeben. Die hier behandelten Dreigang-Naben liegen zwischen 178 % und 185 %, die aktuellen Achtgang-Naben von Shimano und Sturmey-Archer besitzen eine Gesamtübersetzung von über 300 %.
Die Vorteile der Nabenschaltung liegen vor allem darin, dass sie relativ wenig gewartet werden muss, sowie im geringeren Verschleiß. Durch die geschlossene Bauweise der Nabe ist das Getriebe im Inneren jederzeit vor Schmutz und Wasser geschützt und eine ausreichende Schmierung der Zahnräder gewährleistet. Auch ein Abspringen der Kette bei Schaltvorgängen kommt nicht vor, da es sowohl an der Nabe selbst als auch an der Kurbel jeweils nur ein Kettenblatt gibt (von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen) und somit im Idealfall eine exakt gerade Kettenlinie möglich ist. Trifft dies zu, so ist hier eine optimale Zugkraftübertragung möglich. Ein positiver Nebeneffekt ist dabei der geringere Verschleiß von Kette und Kettenblättern. Zudem ist es einfacher, die Kette mit einem Schutz zu versehen, um sie besser vor Verschmutzung zu schützen. Ein weiterer Vorteil ist die symmetrische Einspeichung des Hinterrades; die gleichmäßigere Spannung verringert die Gefahr von Speichenbrüchen.
Bedingt durch den geschlossenen Aufbau des Getriebes ist die Wartung der Nabe meist nur vom Hersteller selbst durchführbar, da ein Hobbymechaniker selten in der Lage ist, die Nabe zu demontieren und im Anschluss wieder korrekt zusammen zu setzen. Die Lärmbelästigung des Antriebes (nur bei einigen Modellen, wird mit zunehmender Laufleistung geringer) empfinden viele Fahrer als störend, zudem ist der Wirkungsgrad geringer, er beträgt bei den meisten Nabenschaltungen 92 bis 97 Prozent; bei einer gut gepflegten Kettenschaltung erreicht er 96 bis 99 Prozent. Weiterhin ist das Gewicht einer Nabenschaltung meist höher als das einer Kettenschaltung. Zudem macht sich die aufwendigere Technik im höheren Preis bemerkbar, dafür sind die laufenden Kosten geringer, da sowohl Kette als auch Kettenblatt und Ritzel seltener gewechselt werden müssen und diese recht preisgünstig sind. Gerade aus diesen Gründen sind Nabenschaltungen nicht für jeden Radfahrer interessant. So ist die Zielgruppe vor allem unter den Vielfahrern mit mehr als 500 km pro Monat oder bei Touren- und Sorglosfahrern zu finden, denen die Zuverlässigkeit wichtig ist oder die von den geringeren Unterhaltungskosten profitieren können. Im sportlichen Umfeld sind Nabenschaltungen fast nicht zu finden. Ausnahme ist hier lediglich die Speedhub 500/14 von Rohloff, die mittlerweile in Sportarten wie z.B. Marathon und Downhill Verwendung findet, bei denen das Gewicht der Fahrräder nur eine untergeordnete Rolle spielt.
1926 wurde von Fichtel & Sachs dann die erste Torpedo-3-Gang-Nabe mit Rücktrittbremse auf den Markt gebracht, die bis Anfang der 40er Jahre produziert wurde. 1941 wurde zudem eine 3-Gang-Nabe auf den Markt gebracht, die hauptsächlich für den Export bestimmt war und ebenfalls unter dem Namen Universaltorpedo vermarktet wurde. Diese Nabe, die entweder mit Trommelbremse oder ohne Bremsvorrichtung erhältlich war, wurde lediglich zwei Jahre produziert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Deutschland die Markteinführung weiterer Torpedo-3-Gang-Nabenschaltungen mit den Modellen 53 (mit Rücktritt), 55 (mit und ohne Rücktritt), 515 (mit Rücktritt), 415 (ohne Rücktritt) und H3113S. Besonders kommerziell erfolgreich waren die Modelle 415 und 515, welche seit Anfang der 60er Jahre produziert wurde. Sie mussten allerdings aus Sicherheitsgründen Mitte der 70er Jahre durch das Modell H3111S ersetzt werden, da am Modell 515 wegen einer gefährlichen Leerlaufstellung zwischen dem zweiten und dritten Gang bei einer fehlerhaften Einstellung der Nabe die Rücktrittbremse ausfallen konnte. Das Modell H3111S wird mit kleinen Abwandlungen auch heute noch von SRAM hergestellt.
Später folgte dann eine Torpedo-5-Gang-Nabenschaltung, die in ihrer Ausführung sehr der Sturmey-Archer-5-Gang-Nabenschaltung ähnelte. Sturmey-Archer besaß das Patent auf diese Bauart seit Mitte der 1920er Jahre, ohne allerdings davon Gebrauch zu machen. Diese englische Firma stellte 3- und 4-Gang-Naben mit den unterschiedlichsten Grundübersetzungen und Ausstattungen her. Seit den 30er Jahren wurden neben Trommelbremsen auch Nabenschaltungen in Kombination mit Nabendynamos angeboten.
Parallel zum Klapprad-Boom der 60er und 70er Jahre (siehe auch Faltrad) entwickelten und verkauften sowohl F&S als auch Sturmey-Archer 2-Gang-Nabenschaltungen. Diese Naben besaßen keinen Schaltungszug und ließen sich durch bloßes Zurücktreten der Pedale schalten. Ein Sonderfall war in diesem Zusammenhang die F&S-Automatiknabe, deren Schaltpunkt bei einer Geschwindigkeit des Fahrrades von etwa 18 km/h (vom Radumfang abhängig) lag und fliehkraftgesteuert war. Dieser technisch interessanten Konstruktion war jedoch kein Markterfolg beschieden.
Konnte man das Modell 55 (bis etwa 1960) von Fichtel & Sachs noch über einen Schmiernippel von außen fetten und sich einer hohen Kilometerleistung sicher sein, hat die Lebenserwartung der heutigen Billigware einen erschreckend niedrigen Stand erreicht. Als Faustregel für F&S-Naben gilt: Je älter, desto robuster und wartungsärmer ist die Nabe.
Im Jahre 1999 brachte die deutsche Rohloff AG die technisch stark weiterentwickelte Nabenschaltung Speedhub 500/14 (mit 14 Gängen) auf den Markt. Wirkungsgrad und Übersetzungen sind mit denen einer herkömmlichen 27-Gang-Kettenschaltung vergleichbar, die Nabe ist robuster und wartungsärmer.
Derzeitiger (2004) Stand der Technik im Marktsegment der preiswerten Getriebenaben ist die 7-Gang Nabe Comfort S7 von SRAM und die 8-Gang-Nabe Nexus Inter-8 von Shimano. Letztere soll ab (2005) auch in einer vom Vorgängermodell Nexus Inter-7 bekannten Variante mit Rücktrittbremse verfügbar sein und wird wahlweise mit Drehgriffschalthebel als auch 2-Finger- Schalthebel angeboten werden.
Ergänzung Juni 2006: Die Shimano 8-Gang Nabe wird in zwei Versionen angeboten einer Standardversion und einer Premiumversion.Sie unterscheiden sich im Gewicht und in der Lagerung. Die Besonderheit der 8-Gang Nabe liegt in der Servoeinrichtung der Schaltung,das heisst durch Pedalkraft wird beim Herunterschalten der Gangwechsel leichter und präziser ausgeführt. Für den Radfahrer ergibt sich ein Treten ohne große Rhytmusstörung. Im Oktober 2006 soll die Firma SRAM eine 9-Gang Nabe in Deutschland präsentieren und anbieten.
Bis in die Siebziger wurden die Naben im Getriebeteil und am Bremsmantel mit einem Vaseline-Öl-Gemisch geschmiert. Die Kugelringe wurden mit Wälzlagerfett behandelt. Zum Nachschmieren wurde Öl verwendet. Später hatte Fichtel & Sachs ein Spezialfett im Angebot.
Heutzutage wird bei praktisch allen Naben auch für das Getriebe eine Schmierung mit Fett verwendet (Ausnahme: Rohloff Speedhub). Beim Selbst-Schmieren ist darauf zu achten, die Sperrklinken nicht mit Fett zu verkleben.
Funktion und Bauweise ähneln dem Modell 55, wobei die Nabe nie mit einer Rücktrittbremse produziert wurde. Die Ähnlichkeit geht so weit, dass eine heutige 3-Gang-Nabe der Firma SRAM immer noch mit einem Schalter von Sturmey-Archer betrieben werden kann, obwohl die zugrundeliegende Norm über 50 Jahre alt ist. Die zugehörigen Ritzel sind ebenfalls problemlos untereinander austauschbar. Dagegen können Getriebeteile nicht mit den Produkten von Fichtel & Sachs kombiniert werden. Auch diese Nabe lässt sich nur durch Herausschrauben der Lagerschale auf der Ritzelseite komplett zerlegen; ältere Modelle besitzen sogar eine schraubbare Lagerschale auf der Gegenseite. Die Nabe besitzt einen Schmiernippel und wird mit Öl geschmiert. Eine weitere technische Besonderheit der Nabe ist die Möglichkeit, in das Gehäuse der Nabe ein anderes Planetengetriebe mit einer unterschiedlichen Übersetzung oder unterschiedlichen Gangzahl einbauen zu können. Auf diese Weise lässt sich dieser Typ in eine Vier- oder auch auch Fünfgangnabe umrüsten.
Als 'neutraler Gang' wird der Gang bezeichnet, in dem sich der Zahnkranz genauso schnell wie der Nabenkörper dreht; dies bedeutet eine Übersetzung von 1:1. Der neutrale Gang wird dadurch erreicht, dass die Nabenschaltung außer Funktion gesetzt wird und die Kraft direkt vom Zahnkranz auf den Nabenkörper geleitet wird. Zugspannung heißt: Der Schaltzug ist ganz gestrafft, hat aber das Schaltkettchen noch nicht gezogen. Zur Demontage des Hinterrades sollte der Gang eingelegt sein, bei dem in Inneren der Nabe alle Federn entspannt sind (dies ist meist der 1. Gang und bei den älteren Naben der 3. Gang). Diese Stellung ist an der vollständigen Entspannung aller beteiligten Züge zu erkennen.
Zum Einstellen einer Schaltungsnabe müssen an Schaltgriff und in der Nabe ein bestimmter (und beiderseits der gleiche) Gang eingelegt sein. Dann ist das Einstellen mit den Einstellschrauben sehr schnell und einfach erledigt. Mit diesen Einstellschrauben wird die zur Verfügung stehende Länge der Schaltzüge geringfügig verlängert oder verkürzt, bis das die Markierungspunkte am Handschalter mit der an der Nabe übereinstimmen.
Dies gilt nicht für die Rohloff-14-Gang-Nabe, denn diese muss nicht eingestellt werden und ist sehr tolerant, was die Zugspannung der Schaltzüge betrifft. Sie ist als einzige in der Nabe und nicht im Schalter indiziert.
| Nabentyp | neutraler Gang | Demontagegang | Einstellung der Nabe |
|---|---|---|---|
| Torpedo ganz alt (Mod.53 und Mod.55) | 2. Gang | 3. Gang | auf markierte Leerlaufstellung zwischen 2. und 3. Gang am Schalter, ursprünglich jedoch per Lehre auf Achsmutter und Schaltzug - oder auf Zugspannung 3. Gang |
| Torpedo alt (Mod. 415 und Mod.515) | 2. Gang | 3. Gang | auf markierte Leerlaufstellung zwischen 2. und 3. Gang am Schalter oder auf Zugspannung 3. Gang |
| Torpedo neu (Mod.H3111S) | 2. Gang | 3. Gang | auf Zugspannung 3. Gang |
| Sturmey-Archer 3-Gang | 2. Gang | 3. Gang | auf Markierung der Nabenachse 2. Gang (Loch in der Achsmutter zum Reinschauen) |
| Shimano- 3-Gang | 2. Gang | 3. Gang | auf Markierung der Nabenachse 2. Gang (Markierung am Hebel und Achsmutter) |
| SRAM Pentasport alt(zweizügig): | 3. Gang | 2. Gang | beide Züge auf Zugspannung 4. Gang |
| SRAM Pentasport neu (einzügig): | 3. Gang | 2. Gang | auf Markierung Klickbox 3. Gang |
| SRAM Super 7 | 4. Gang | 1. Gang | auf Markierung Klickbox 4. Gang |
| Shimano 4-Gang | kein neutraler Gang | auf Markierung 4. Gang | |
| Shimano 7-Gang | kein neutraler Gang | 1. Gang | auf Markierung 4. Gang |
| Sturmey-Archer 5-Gang alt (S5/2) | 3. Gang | Einstellen beider Züge auf Zugspannung 4. Gang, auch Markierung Nabenachse möglich, wenn Original Achsmutter mit Loch vorhanden | |
| Sturmey-Archer 5-Gang neu | 3. Gang | auf Markierung 3. Gang | |
| Sturmey-Archer Sprinter 7 | 4. Gang | 1. Gang | auf Markierung an der Achse 5. Gang |
| Shimano 8-Gang Nexus | 5. Gang | 1. Gang | auf Markierung an der Achse 4. Gang |
| Sturmey-Archer 8-Gang | 1. Gang | 1. Gang | auf Markierung an der Achse 4. Gang |
| Rohloff Speedhub 500/14 | 11. Gang | in jedem Gang (empfohlen 14. Gang) | in jedem Gang (empfohlen 14. Gang) |
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