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Unter dem Begriff nichtstaatliche Organisation (engl. non-governmental organisation, NGO; franz. organisation non gouvernementale ONG; im Deutschen zumeist mit dem inhaltlich falschen Begriff Nichtregierungsorganisation (NRO) bezeichnet, s. u. „Der Begriff Nichtregierungsorganisation“) versteht man prinzipiell jeden auf gewisse Dauer organisierten Zusammenschluss von Menschen, der nicht gewinnorientiert ist, nicht von staatlichen Stellen organisiert oder abhängig ist und auf freiwilliger Basis Aktivitäten setzt. Auch Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Sportvereine und Kleintierzuchtvereine sind demnach nichtstaatliche Organisationen. Jeder nach dem in den Nationalstaaten geltenden Gesetz von Bürgern gegründete Verein mit Gemeinnützigkeit ist potenziell eine „nichtstaatliche Organisation“.

Als internationale nichtstaatliche Organisation definiert der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) in seiner Resolution 288 (X) vom 27. Februar 1950 "jede internationale Organisation, die nicht durch ein zwischenstaatliches Abkommen zustandekommt".

In der Umgangssprache bezeichnet man damit Vereine, Organisationen und Gruppierungen, die sich in den Bereichen Sozialarbeit, Umweltschutz, Tierschutz, freie Bildungsarbeit, Menschenrechten u. ä. engagieren. Meistens haben nichtstaatliche Organisationen auf ihren Gebieten andere Zielvorstellungen als offizielle Regierungsstellen. Klassische Beispiele in diesem Bereich sind amnesty international oder Greenpeace.

Wohl die größte Katalogisierung weltweit von internationalen nichtstaatlichen Organisationen und anderen internationalen Organisationen bietet die 1910 von Paul Otlet und Friedensnobelpreisträger Henri La Fontaine gegründete 'Union des Associations Internationales' mit Sitz in Brüssel (UIA-Yearbook).

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) beruht auf den Genfer Konventionen, und ist damit im Gegensatz zu nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften keine nichtstaatliche Organisation sondern ein Völkerrechtssubjekt.

Entstehung und Entwicklung


Nichtstaatliche Organisationen hat es lange schon gegeben, bevor sie - in einer stark auf den "Staat" und die "Nation" fixierten öffentlichen Meinung - als solche auffällig wurden. Ein Beispiel sind die bereits im 19. Jahrhundert in verschiedenen Ländern gegründeten nationalen Rotkreuz-Gesellschaften.

Die Zunahme der Bedeutung von derartigen Organisationen in jüngerer Zeit ist eine Folge der Globalisierung; herkömmliche nationalstaatliche Institutionen der Interessenvermittlung scheinen an ihre Grenzen gelangt zu sein. Einige Politikwissenschaftler sprechen hier bereits von einer neuen Form der Demokratie; andererseits leiden die nichtstaatlichen Organisationen selbst daran, dass ihnen jegliche demokratische Legitimation fehlt. Aus der Politologie weiß man, dass (im Rahmen des "Organisierten Verbrechens") kriminelle nichtstaatliche Organisationen dazu tendieren, sich auszubreiten, vor allem dann, wenn politische Widerstandsbewegungen in langfristige Finanzierungsschwierigkeiten geraten.

Nach den teilweise gewaltsamen Protesten gegen die Globalisierungsbestrebungen von Politik und Wirtschaft in Seattle, Stockholm und Genua zeigen sich nun in immer stärkerem Maße die lösungsorientierten Ansätze der nichtstaatlichen Organisationen, die nach eigener Einschätzung regelmäßig beim Weltsozialforum zum Ausdruck kommen. Ungefähr 50.000 bis 100.000 Menschen aus aller Welt erarbeiten dort in 700 Workshops ihre gemeinsamen Vorstellungen von einer gerechteren Weltordnung.

Der Begriff Nichtregierungsorganisation


Die im Deutschen häufig verwendete Bezeichnung Nichtregierungsorganisation ist inhaltlich nicht korrekt und beruht im Grunde auf einer falschen Übersetzung des englischen Ausdrucks non-governmental organisation. Der englische Begriff „government“ umfasst nämlich im Gegensatz zum Begriff Regierung die gesamte Staatsgewalt, also nicht nur die Exekutive, sondern auch Legislative und Judikative, und dies über alle Ebenen von der Gemeindeverwaltung bis zum Staatsoberhaupt, weswegen der Wortbestandteil „Regierung“ irreführend ist. Richtig muss der Begriff „non-governmental organisation“ mit „nichtstaatliche Organisation“ übersetzt werden. So heißt es insbesondere auch in der deutschen Fassung des Artikels 71 der Charta der Vereinten Nationen, aus dem die Bezeichnung stammt.

Struktur der NGOs


Es zeichnet sich ab, dass Nichtstaatliche Organisationen = NGOs nur dann von internationalen Institutionen (UNO, UNESCO, Europarat, EU-Kommission) als solche anerkannt werden, wenn sie
  1. von Bürgern mit gleichen Interessen gegründet wurden, die sich für gemeinsam anerkannte Ziele zusammengeschlossen haben und damit den assoziierten kompetenten Bürger repräsentieren,
  2. demokratisch strukturiert sind und folglich ihre Vorstände wählen,
  3. bei aller für die Erreichung der Vereinsziele erforderlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht nach Profit streben (siehe auch Non-Profit-Organisation.

NGOs sind per se Teil der jeweiligen Zivilgesellschaft.

Viele NGOs fordern von der Europäischen Kommission die Schaffung einer Rechtsform „Europäischer Verein“, um so den NGOs EU-weite Rechtsfähigkeit zu verschaffen (ähnlich der Europäischen Aktiengesellschaft).

Siehe auch


Literatur


  • Brunnengräber/ Klein / Walk (Hrsg.): NGOs im Prozess der Globalisierung. VS Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-810-04092-4

Weblinks


NGO | Hilfsorganisation | Menschenrechtsorganisation

Non-governmental organization | Ne-registara organizo | Organización no gubernamental | Organisation non gouvernementale | Organizzazione non-governativa | NGO | Niet-gouvernementele organisatie | Ikke-statlige organisasjoner | NGO | Kansalaisjärjestö | NGO | องค์การสาธารณประโยชน์ | Tổ chức phi chính phủ | 非政府组织

 

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