Das Mysterienspiel (die Herkunft von lat. ministerium: Gottesdienst ist wahrscheinlicher als diejenige von griech. mysterion: Geheimnis) ist eine seit dem 14. Jahrhundert praktizierte Form des Dramas und des Musiktheaters mit christlich-religiösen Motiven. Seinen Ursprung hat das Mysterienspiel unter anderem in Frankreich und England.
So sind die Osterspiele hervorgegangen aus dem liturgischen Wechselgesang zwischen den von Geistlichen dargestellten drei Frauen und dem Engel am leeren Grab. Der Wechselgesang entwickelte sich allmählich zu einer regelrechten Handlung, neue Personen wurden eingeführt, zum Beispiel Maria Magdalena oder Herodes. Die Spiele wurden auch mit komischen Einlagen erweitert, so zum Beispiel einem Wettlauf der Apostel zum Grab.
Ursprünglich in Lateinisch gehalten, wurden die Szenen mehr und mehr mit deutschen Texten versehen, aus den kirchlich gebundenen Spielen wurden selbstständige Dramen. Das älteste Osterspiel, das ganz in Deutsch verfasst ist, stammt aus Muri in der Schweiz aus dem 13. Jahrhundert. Daneben kennt man das Redentiner Spiel von 1464. Die Osterspiele entwickelten sich, durch Einbeziehung der gesamten Leidensgeschichte, zu den Passionsspielen. Passion1.jpg Diese sind geistliche Schauspiele, die die Leidensgeschichte Jesu darstellen. Seit dem 14. Jahrhundert spielte man sie zunächst in kurzer Form, dann immer ausführlicher werdend, bis sie schließlich oft mehrere Tage in Anspruch nahmen. Die Spiele wurden von Bürgern auf dem Marktplatz aufgeführt, wenngleich unter geistlicher Leitung. Man unterscheidet mehrere Zyklen, das St. Gallener Passionsspiel (seit dem 14. Jahrhundert), das Alsfelder (seit 1501), oder das von Bozen (seit 1514). Auch niederdeutsche Spiele sind überliefert, zum Beispiel aus Hamburg und aus Hildesheim.
In den verschiedenen Ausprägungen der Mysterienspiele wurden biblische Geschichten, Totentänze oder das Jüngste Gericht außerhalb der Kirchen auf Marktplätzen oder an anderen öffentlichen Orten dargestellt. Die Rollen wurden mehr und mehr von Mitgliedern der mittelalterlichen Zünfte übernommen, wobei jede Zunft für ein bestimmtes Stück zuständig war. Sie wurden nach und nach zu allen kirchlichen Feiertagen aufgeführt. (vergleiche dazu zum Beispiel die Oberuferer Weihnachtsspiele.)
Seit dem 15. Jahrhundert sind auch Fastnachtsspiele nachweisbar, ebenfalls volkstümliche Unterhaltung. Die ältesten erhaltenen Beispiele zeigen, wie einem unheilvollen Ereignis (zum Beispiel dem Winter) der Prozess gemacht wird und er, zum Teil mit derbem Humor, vertrieben wird. Später werden auch andere Aspekte des Lebens, bis hin zu politischen Ereignissen, dargestellt. Es sind etwa 150 solcher Stücke bis heute erhalten, die über ganz Deutschland verbreitet waren. Sind die anfänglichen Stücke noch anonym, so sind aus späteren Jahren auch einzelne Dichter bekannt, wie Hans Rosenplüt und Hans Folz (beide 15. Jh.), sowie Hans Sachs (16. Jh.).
Heute werden Mysterienspiele nur noch vereinzelt aufgeführt, so zum Beispiel in Meckenheim-Lüftelberg. Dort findet jedes Jahr um Fronleichnam eine Festspielwoche statt, in der der Verein Lüfthilids Mysterienspiele e. V. das Leben verschiedener Heiliger aufführt. Inzwischen gehen die Laienschauspieler auf Tournee und diese Stücke werden in der gesamten Bundesrepublik und im umliegenden Ausland aufgeführt.
Lüfthildis Mysterienspiele e. V. ist ein Verein von Laienschauspielern, die sich in ihrer Freizeit dem Mysterienspiel widmen.
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