| Mykoplasmen | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Domäne: | Bakterien (Bacteria) |
| : | Firmicutes |
| : | Mollicutes |
| : | Mycoplasmatales |
| : | Mycoplasmataceae |
| : | Mycoplasma |
Die Klasse der Mollicutes umfasst wissenschaftlich gesehen die sechs eubakteriellen Gattungen
Allerdings werden umgangssprachlich die Mitglieder der Mollicutes häufig mit dem gängigeren Begriff Mycoplasmen bezeichnet.
Die phylogenetische Verwandtschaft dieser Gattungen wurde durch die auf Carl Woese zurückgehende Analyse der 5S und 16S rRNA ermittelt. Ein gemeinsames Merkmal der Mollicutes (Weichhäuter) und damit auch der Mycoplasmen ist das Fehlen einer Zellwand und die damit einhergehende Anfälligkeit für osmotische Schwankungen des umgebenden Mediums. Aufgrund der geringen Größe der Mycoplasmen lassen sie sich im Gegensatz zu anderen Bakterien nicht durch Sterilfilter der Porengröße 0,45µm zurückhalten. Molekular-phylogenetische rRNA Untersuchungen ergaben, daß die Mollicutes nicht an der Basis des bakteriellen phylogenitischen Baums stehen, sondern vielmehr durch degenerative Evolution aus Gram-positiven Bakterien der Lactobacillus Gruppe mit einem niedrigen GC-Gehalt der DNA hervorgegangen sind. Im Zuge dieser degenerativen Evolution haben die Mollicutes einen erheblichen Teil ihrer genetischen Information verloren, so daß sie heute zu den Lebewesen mit dem kleinsten bekannten Genom zählen (Mollicutes: 600kbp – 2.300 kbp, E.coli: 4.500 kbp, Arabidopsis thaliana: 100.000 kbp, Homo sapiens: 3.400.000 kbp). Bakterien der Klasse Mollicutes leben nicht als freie Bakterien, sondern sind entweder auf eine Wirtszelle oder einen Wirtsorganismus angewiesen. Als Parasiten erhalten sie vom Wirtsorganismus essentielle Stoffwechselkomponenten wie z.B. Fettsäuren, Aminosäuren und Vorstufen der Nukleinsäuren. Die Möglichkeit zur Verkleinerung des Genoms wird auf die parasitäre Lebensweise der Mollicutes zurückgeführt. Für das Wachstum einiger Vertreter der Mollicutes ist auch Cholesterin erforderlich, eine Komponente, die normalerweise nicht in Bakterien gefunden wird und deren Synthesevorstufen ebenfalls von den Wirtszellen zur Verfügung gestellt wird. Aus den genannten Gründen und auch wegen des Fehlens einer Zellwand gelten Mycoplasmen ähnlich wie Viren nicht als komplette, eigenständige Lebewesen.
Mycoplasmen sind als parasitär lebende Bakterien die Ursache für zahlreiche Krankheiten beim Menschen, Tieren und Pflanzen. In der Regel töten Bakterien aus der Klasse der Mollicutes ihren Wirt jedoch nicht ab. Vielmehr verursachen sie chronische Infektionen und verkörpern damit eine sehr erfolgreiche Art des Parasitismus.
Neben den pathogenen Eigenschaften der Mycoplasmen spielt die Infektion von Zellkulturen mit Mycoplasmen (hptsl. Mycoplasma orale) eine wichtige Rolle. Der Nachweis von Mycoplasmen kann über verschiedene Methoden erfolgen. Als schnelle und billige Standardmethode hat sich die „polymerase chain reaction“ (PCR) etabliert.
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