Die Muslimbrüder oder Muslimbruderschaft () ist eine der einflussreichsten islamisch-fundamentalistischen Bewegungen im Nahen Osten, die 1928 von Hasan al-Banna in Ägypten gegründet wurde. Seitdem hat sich die Muslimbruderschaft (MB) in andere Länder, einschließlich Syriens und Jordaniens, ausgebreitet. In den jeweiligen Ländern ist die Muslimbruderschaft eine der einflussreichsten politischen Bewegungen geworden.
1948 fiel der ägyptische Ministerpräsident Mahmud Fahmi Nuqraschi Pascha einem Attentat eines Mitglieds der Muslimbruderschaft zum Opfer. 1949 wurde Hasan al-Banna im Auftrag des ägyptischen Königshauses ermordet. Nach einem erfolglosen Attentat auf Staatspräsident Nasser am 26. Oktober 1954 wurde die Bruderschaft verboten und verfolgt. Später wurde dieses Verbot wieder gelockert. In der Zeit bis zum Sechs-Tage-Krieg wurde Sayyid Qutb zum einflussreichsten Denker der Muslimbrüder.
Besonders nach dem Zusammenbruch des "Nasserismus" nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und durch den "Export" ägyptischer Lehrer und Techniker auf die arabische Halbinsel im Zuge des Ölbooms nach 1973 nahm der Einfluss der Muslimbrüder wieder stark zu. Eine Tochterorganisation der Muslimbrüder ist die Terrororganisation Hamas. Heute zählen sie neben dem sogenannten Wahhabismus zu den einflussreichsten Elementen des islamischen Fundamentalismus.
Der bayerische Verfassungsschutz stellt weiterhin fest:
Inzwischen zählt vor allem die ägyptische Muslimbruderschaft eher zu den gemäßigten islamistischen Organisationen, die Gewalt als Mittel der Politik grundsätzlich ablehnt, aber sie ausdrücklich im Kampf gegen "Besatzer" billigt. Diese Einschränkung zielt insbesondere gegen Israel und die Besatzungstruppen im Irak. Die Muslimbruderschaft steht dem Wahhabismus nahe und wird aus Saudi-Arabien finanziert.
1994 opponierten sie intensiv gegen den jordanisch-israelischen Friedensvertrag. In Jordanien sind sie die wichtigste Oppositionspartei. Im Sudan führten sie 1983 die Scharia ein, da sie eine der wichtigsten Parteien geworden waren.
In Algerien gewann die Tochterorganisation FIS 1991 die Wahlen, woraufhin diese annulliert wurden.
Bei der ägyptischen Parlamentswahl 2005 zog die Muslimbruderschaft mit 88 Abgeordneten in die Volksvertretung ein und wurde damit zur stärksten Oppositionskraft, obwohl sie offiziell nicht als Partei auftreten durfte und sich ihre Mitglieder als Einzelkandidaten zur Wahl stellten. Im Wahlkampf befürworteten ihre Vertreter ausdrücklich die Grundsätze von Demokratie und Pluralismus.
Die Muslimbruderschaft (MB) in Syrien wurde in den 1930er Jahren von muslimischen Gelehrten gegründet, die Mitglieder der ägyptischen Bruderschaft waren. Die MB in Syrien spielte eine Hauptrolle in der breit verankerten Widerstandsbewegung, die dem Regime der Baath-Partei entgegensetzt wurde. Nachdem Anfang der 1980er Jahre ein Aufstand der MB blutig niedergeschlagen wurde, ein Attentat auf Hafiz al-Assad missglückte und in Folge darauf ein Massaker an gefangenen Muslimbrüdern im Gefängnis von Palmyra verrichtet wurde, steht sowohl auf die Mitgliedschaft, als auch auf die blosse Unterstützung der MB die Todesstrafe. Im Regelfall wird diese jedoch in eine 12jährige Haftstrafe umgewandelt. Nach dem Massaker von Hama 1982 kamen die Aktivitäten der MB in Syrien nahezu völlig zum erliegen.
Die Zahl ihrer Anhänger schätzt der Verfassungsschutz auf 1300.
Der Verfassungsschutz des Freistaats Bayern, in dem mit dem Islamischen Zentrum München eine der ersten Moscheen in Deutschland liegt, stellt fest:
Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg äußert, dass die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen eine Gründung der Muslimbrüder sei.
Von den 19 Organisationen innerhalb des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) stehen neun der Muslimbruderschaft nahe.
Siehe auch: Hasan al-Hudaibi, Sayyid Qutb, Yusuf al-Qaradawi, Politischer Islam, Fundamentalismus, Islamisches Zentrum Aachen
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