Musikvideos sind Kurzfilme, die der bildlichen Untermalung eines Musiktitels dienen. Sie sind meistens exakt von der Dauer des Musikstücks und haben es hauptsächlich als einzige Tonquelle.
Musikvideos zeichnen sich meist durch grelle Bilder und schnelle Schnitte aus. Kritiker sagen, es wird versucht, den Betrachter mit visuellen Eindrücken zu überfrachten und in ihm so das Gefühl zu erzeugen, das Musikstück sei von außerordentlichem Gehalt. Dieser pessimistischen Sicht steht die Auffassung vom Musikvideo als eigener Kunstform gegenüber. Aus dem jungen Genre, welches zunächst eine reine Werbemaßnahme, ähnlich dem Trailer beim Kinofilm, war, entwickelte sich im Laufe der Jahre zunehmend ein visuell eigenständiges Medium, welches gleichwohl mit dem zugehörigen Musikstück auf das Engste verwoben bleibt. Bedeutende Regisseure von Musikvideos sind Chris Cunningham, Michel Gondry, Spike Jonze sowie das österreichische Duo DoRo (alias Rudi Dolezal, Hannes Rossacher, die allerdings inzwischen kaum mehr eine Rolle spielen). Zu den wichtigsten deutschen Regisseuren in diesem Genre gehören Joern Heitmann, Daniel Lwowski, Hinrich Pflug und natürlich der international erfolgreiche Philipp Stölzl.
Wegen der fehlenden klaren Trennung zwischen kurzen, trailerartigen Werbevideos, mitgeschnittenen Live-Auftritten und extra als solche gedrehten Musikvideos kann nicht klar gesagt werden, welches das erste Musikvideo war. Mehrheitlich wird jedoch das Video von 1975 zu Bohemian Rhapsody von Queen als erstes Musikvideo der Geschichte genannt. Allerdings gibt es von den Kinks einen Promo-Film von 1966, in dem sie ihren Song Dead End Street vorstellen, der auch schon die entsprechenden Merkmale aufweist. Das heißt, sie stehen nicht einfach da und bedienen ihre Instrumente, sondern der sozialkritische Inhalt ihres Songs wird bildlich dargestellt. Als erstes Musikvideo in Frage kommen auch die Promo-Filme der Beatles von 1967 zu ihren Songs Strawberry Fields Forever und Penny Lane. Darin werden ebenfalls keine Instrumente gespielt, sondern es spielen sich andere Dinge ab. Es gibt auch die Meinung, dass der Promo-Film zu I got you Babe von Sonny & Cher von 1965 das erste Musikvideo war.
Ende der 70er Jahre und bis zur Mitte der 80er Jahre setzte eine ausgeprägte kreative Blütezeit des Musikvideos ein. Immer mehr Bands und Künstler brachten parallel zu ihren Musikveröffentlichungen Videoclips heraus, teils mit sehr ausgefeilten Konzepten. Ein Meilenstein ist hier das Video zum Titel Thriller von Michael Jackson (1982), welches in der ungeschnittenen Originalversion über zehn Minuten dauerte und umfangreiche Spezialeffekte einsetzte. Ebenfalls erwähnenswert ist das sehr martialisch angehauchte Video zu The Wild Boys von Duran Duran (1984), welches (für die damalige Zeit) aufsehenerregende Produktionskosten von über einer Million Dollar hatte.
Die Bedeutung von Musikvideos nahm in den 80er Jahren auch durch reine Musik-Fernsehsender wie MTV stark zu. Legendär ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass das allererste von MTV in den USA zu Sendebeginn ausgestrahlte Musikvideo der Titel Video Killed the Radio Star des Trevor Horn-Projektes Buggles war.
Bis zur Mitte der 80er Jahre führten in Deutschland reine Musikvideo-Formate jedoch eher ein Nischendasein. Seit 1983 sendete die ARD wöchentlich Formel Eins, die erste weitgehend videoclip-basierte Musiksendung im deutschen Fernsehen. 1984 ging der deutschsprachige Musik-Fernsehsender Musicbox auf Sendung; er war jedoch fast nur über Kabel und Satellit erreichbar, was damals einen vergleichsweise sehr geringen Verbreitungsgrad bedeutete.
Mit dem Aufgehen von Musicbox in Tele 5 im Jahr 1988 und dem Ende von Formel Eins (1990) schwächte sich die Präsenz von Videoclip-Formaten und -Sendern hierzulande ab, auch wenn insbesondere Tele 5 in seiner Anfangszeit einen sehr großen Anteil an Clip-Shows im Programm hatte und wachsende Marktanteile verzeichnete. Damalige Strömungen in der Musik-Kultur führten zudem zu einer ersten großen Krise des Videoclips. Das kreative Potenzial des Mediums schien zunächst ausgeschöpft, und die Plattenlabels strichen ihre Etats für aufwendige Produktionen weitgehend zusammen. Mit großem Aufwand realisierte Videoclips wurden seltener. Tele 5 reagierte seinerseits auf diese Strömungen mit einem deutlichen Zurückfahren des Anteils von Videoclip-Sendungen.
Symptomatisch für diese Zeit sind auch „preisgünstige“ Videoclip-Produktionen in Frontal-Perspektive (Playback vor fest stehender Videokamera) und Blue Box-Technik, wie z.B. der Clip zu I've been Thinking About You von Londonbeat. Zu erwähnen ist hier auch George Michael; ebenfalls von der Krise des Videoclips überzeugt, lehnte er es gar eine Zeitlang ab, selbst in seinen Videoclips zu erscheinen, wie z.B. bei Praying for Time vom 1990er-Album Listen Without Prejudice vol. I.
Eine Renaissance erlebte der Videoclip zu Beginn der 90er Jahre. In Deutschland erhielt MTV Europe einen wachsenden Verbreitungsgrad, und ab Ende 1993 ging VIVA als neuer deutschsprachiger Videoclip-Kanal auf Sendung. Letzteres trug in Deutschland wesentlich zum Entstehen einer ausgedehnten deutschsprachigen Videoclip-Szene bei, auch weil der Sender darauf Wert gelegt hat, neben ausländischen und englischsprachigen Clips gezielt deutschsprachige Künstler zu promoten.
Die „Schaffenskrise“ des Videoclips war bald überwunden. Produktionen wurden wieder aufwendiger, mitunter wurden Techniken und Effekte eingesetzt, die früher fast nur Hollywood-Filmen vorbehalten waren. Insbesondere auch die digitale Revolution in der Bild- und Videobearbeitung ab Anfang/Mitte der 90er Jahre hat hier bleibende Akzente gesetzt. Ein frühes aufsehenerregendes Beispiel dieser Zeit war der Clip zu Black or White von Michael Jackson (1991), insbesondere auch durch den erstmaligen Einsatz von Morphing-Sequenzen. Die visuelle Qualität einiger Produktionen steht inzwischen kommerziellen Hollywood-Filmen in nichts mehr nach. Seit einiger Zeit ist zudem dazu übergegangen worden, Clips in HD-Video zu filmen.
Musikvideos gehören heute wie selbstverständlich zu einem neuen Titel dazu, da diese kaum noch ohne einen Clip zu vermarkten sind.
Musikvideos sind auch Forschungsobjekt der Kulturwissenschaften geworden.
Als Gegenpol zu den großen Musiksendern gibt es seit einigen Jahren auch im Internet eine Vielzahl von Angeboten rund ums Thema Musikvideos. Magazine wie beispielsweise popzoot bieten Musikvideos und Infos zum Abruf an, Onlinemusikfernsehsender wie tunespoon.tv zeigen Musikvideos aller Genres nacheinander in einem Videostream.
Siehe auch: Scopitone, Anime Music Video
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