Murten (frz. Morat) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des Seebezirks (frz. District du Lac) im Kanton Freiburg in der Schweiz. Der französische Name des an der Sprachgrenze gelegenen Städtchens lautet Morat. Zu Murten gehören auch die früher selbständigen Gemeinden Altavilla und Burg.
Murten bildet das regionale Kultur- und Wirtschaftszentrum des nördlichen Kantonsteils. Das mittelalterliche Zähringerstädtchen mit einer historischen Altstadt von nationaler Bedeutung liegt am gleichnamigen Murtensee und war Schauplatz der Schlacht bei Murten.
Die Fläche des 12.0 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Südufer des Murtensees (rund 1.8 km Seeuferlänge) und der angrenzenden Molassehöhen. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer über einen flachen Uferrandstreifen und die Anhöhe von Murten in die südlich davon gelegene und vom Dorfbach von Münchenwiler durchflossene Geländemulde. Daran schliessen sich im Süden die vom eiszeitlichen Rhônegletscher überformten Molassehöhen mit verschiedenen Drumlins an, darunter die Höhen von Bois Domingue (526 m ü. M.) und Aderahubel (516 m ü. M.).
Im Südwesten reicht das Gemeindegebiet über die Flächen von Merlachfeld und Fin de Mossard bis zum Wald La Bourille, wobei der Gemeindebann von Meyriez auf der Landseite vollständig umschlossen wird. Nach Osten erstreckt sich das Gebiet auf das Hochplateau von Burg, in das der Burggrabenbach ein tiefes Erosionstal eingeschnitten hat, in den Birchenwald (560 m ü. M.) und in die ausgedehnten Wälder östlich von Altavilla, nämlich Trimbley (bis 560 m ü. M.), Bloster (576 m ü. M.) und Murtenwald (mit 582 m ü. M. die höchste Erhebung von Murten).
Eine schmale, durchschnittlich rund 500 m breite, aber fast 4 km lange Exklave von Murten befindet sich in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebene des Grossen Mooses. Sie reicht von der Hanenmatt bei Müntschemier südwärts über den Grossen Kanal und den Biberenkanal bis zum Erlihof bei Galmiz. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 19 % auf Siedlungen, 27 % auf Wald und Gehölze und 54 % auf Landwirtschaft.
Zu Murten gehören die Dörfer Burg (518 m ü. M.) und Altavilla (537 m ü. M.) auf dem Hochplateau, die Weiler Prehl (465 m ü. M.) südöstlich der Stadt, Löwenberg (451 m ü. M.) am Nordfuss des Aderahubels und Erli (461 m ü. M.) leicht erhöht am Südrand des Grossen Mooses, einige von der Stadt abgesonderte neue Wohnquartiere sowie zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Murten sind Greng, Meyriez, Courgevaux, Salvenach, Lurtigen, Büchslen, Galmiz, Muntelier, Ried bei Kerzers und Bas-Vully im Kanton Freiburg sowie Münchenwiler und Müntschemier im Kanton Bern.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1900 | 2645 |
| 1910 | 2418 |
| 1930 | 2570 |
| 1950 | 3106 |
| 1960 | 3610 |
| 1970 | 4512 |
| 1980 | 4657 |
| 1990 | 4718 |
| 2000 | 5578 |
Heute bietet Murten rund 3400 Arbeitsplätze an. Mit 3 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 36 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 61 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Auf den fruchtbaren Böden in der Umgebung von Murten und im Grossen Moos wird überwiegend Ackerbau und Gemüseanbau betrieben. Daneben sind auch die Milchwirtschaft und der Obstbau von Bedeutung.
Die Industrie- und Gewerbegebiete von Murten befinden sich in Bahnhofnähe und entlang der Ortsumfahrungsstrasse. Wichtige Unternehmen sind in den Bereichen Industrieelektronik (etwa Saia-Burgess), Produktion von Glaskeramik und Kochherden und in der Nahrungsmittelindustrie tätig. Daneben gibt es zahlreiche weitere kleinere und mittlere Betriebe des Bau- und Transportgewerbes, der Informationstechnologie, der Feinmechanik und der Textilindustrie.
Im tertiären Sektor vereinigen die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen, das Bildungswesen und vor allem die Tourismus- und Gastronomiebranche zahlreiche Arbeitsplätze auf sich. Das Bezirksspital befindet sich jedoch in der Nachbargemeinde Meyriez.
Besonders seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich südlich der Altstadt neue Wohnquartiere entwickelt. Heute findet man bevorzugte Wohnlagen in der Nähe des Seeufers sowie an aussichtsreicher Lage an den relativ sanft geneigten Hängen südlich und östlich der Stadt.
Einen wichtigen Aufschwung im Fremdenverkehr erlebte die Stadt im Jahr 2002 als Standort einer der fünf Arteplages der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Die Arteplage von Murten stand unter dem Titel Augenblick und Ewigkeit. Die Ausstellungen waren über einen Grossteil der historischen Altstadt verteilt. Wahrzeichen von Murten war der begehbare Monolith, ein nach Plänen von Architekt Jean Nouvel im Murtensee rund 200 m vor dem Hafen errichteter rostiger Stahlwürfel von 34 m Kantenlänge, in dem unter anderem ein Panorama der Schlacht von Murten zu sehen war. Mittlerweile ist die Konstruktion wieder zurückgebaut worden. Jedoch musste die "Expo-Gesellschaft" der Stadt Murten eine Entschädigung leisten, da Fundamentstücke aus Beton nicht vollständig aus dem See entfernt werden konnten. Bereits im Jahr 1964 gab es eine Expo in Murten.
Die Anbindung an das schweizerische Eisenbahnnetz erfolgte am 12. Juni 1876 mit der Inbetriebnahme der Strecke von Murten nach Lyss. Nur wenig später, am 25. August 1876 wurde die Linie von Murten via Payerne nach Palézieux-Gare eingeweiht. Später kamen die Strecken von Murten nach Freiburg (am 23. August 1898 eröffnet) und von Murten nach Ins (am 1. Mai 1903 eröffnet) hinzu. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die von den Transports publics Fribourgeois betriebenen Buslinien von Murten nach Courtepin, nach Gümmenen und nach Greng.
Ferner ist Murten durch das Schiffsverkehrsnetz auf dem Murtensee mit den anderen Seeanstössergemeinden sowie über den Broyekanal auch mit Neuenburg und Biel verbunden.
Murten war im 10. und 11. Jahrhundert ein befestigter Ort, der jedoch um 1033 beziehungsweise 1034 von Kaiser Konrad II. erobert und praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurde. In der Folgezeit versank Murten für mehr als 100 Jahre in der Bedeutungslosigkeit.
Unter Berchtold von Zähringen wurde die Stadt Murten mit dem typischen zähringischen Rechteck als Grundrissform in der Zeit zwischen 1159 und 1177 neu gegründet. Rasch erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde 1218 nach dem Erlöschen des Geschlechts der Herzöge von Zähringen reichsfrei. Sie fristete aber ein unsicheres Dasein im Grenzgebiet zwischen den Besitztümern der Savoyer und der Habsburger. Ihre Ringmauer erhielt die Stadt ab 1238.
Im Jahr 1255 geriet Murten zur Zeit Peters II. von Savoyen unter die Schutzherrschaft von Savoyen, in der sie mit wenigen Ausnahmen bis 1475 verblieb. Murten selbst wurde in der Folgezeit zum Mittelpunkt einer Herrschaft, welche das Gebiet südlich und östlich des Murtensees umfasste. Durch eine Feuersbrunst wurden die damals noch weitgehend aus Holz gebauten Häuser 1416 schwer in Mitleidenschaft gezogen, während die Befestigungsanlagen nahezu unversehrt blieben.
Einen neuen Abschnitt in der Stadtgeschichte leitete die Eroberung Murtens durch bernische und freiburgische Truppen im Jahr 1475 ein. Nachdem Karl der Kühne in der Schlacht bei Grandson eine Niederlage bezogen hatte, belagerte er am 9. Juni 1476 die Stadt Murten. Am 22. Juni 1476 kam es deswegen vor den Toren von Murten erneut zur Schlacht, in der die Eidgenossen Karl dem Kühnen und seinen Truppen eine empfindliche Niederlage zufügten.
Die ehemalige Herrschaft Murten wurde nun in eine Vogtei umgewandelt, die unter der gemeinsamen Herrschaft von Freiburg und Bern stand. Beide Stände stellten abwechslungsweise für fünf Jahre den Vogt, der im Schloss von Murten residierte. Die Gemeine Herrschaft Murten umfasste den nördlichsten Teil des heutigen Kantons Freiburg mit den Zentren Murten, Kerzers und Vully. Die südliche Grenze verlief auf einer Linie von Courgevaux über Salvenach nach Ulmiz; diese Dörfer gehörten noch zur Gemeinen Herrschaft wie auch die Exklave Wallenbuch.
Nach einer Abstimmung wurde im Jahr 1530 in Murten die Reformation eingeführt. Dies resultierte wiederum in Auseinandersetzungen mit dem katholischen Freiburg. Schliesslich übernahm Bern die Funktion der kirchlichen und schulischen Angelegenheiten, während Freiburg für die militärischen Angelegenheiten zuständig war. Bern gewann damit in friedlichen Zeiten mehr Einfluss auf das bürgerliche Leben was allmählich zu einem Vordringen der deutschen Sprache in dem damals noch überwiegend französischsprachigen Städtchen führte.
Die vor den Toren von Murten gelegenen Orte Muntelier und Meyriez erhielten 1533 respektive 1536 das Gemeinderecht. Allerdings wurde bei beiden Gemeinden nur gerade ein Gebiet ausgeschieden, so weit die Häuser des Dorfes reichten. Deshalb weisen beide Gemeinden heute nur einen sehr kleinen Gemeindebann auf.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime (1798) überliess die Berner Besatzung Murten den einmarschierten Franzosen. Mit der helvetischen Verfassung wurde die Stadt 1803 definitiv und gegen den Willen der meisten Stadtbewohner dem Kanton Freiburg zugeteilt und zum Hauptort des neu gebildeten und Distrikts Murten bestimmt. Dieser Distrikt wurde 1848 mit der neuen Kantonsverfassung aufgelöst und mit einer Reihe Gemeinden aus dem ehemaligen Deutschen Bezirk Freiburg im neu geschaffenen Seebezirk zusammengefasst, als dessen Hauptort weiterhin die Stadt Murten fungierte.
Zwei kleinere Gebietsveränderungen erfolgten Ende des 20. Jahrhunderts, als zunächst das vorher selbständige Burg am 1. Januar 1975 sowie am 1. Januar 1991 die Gemeinde Altavilla nach Murten eingemeindet wurden.
Die Ringmauer von Murten gehört zu den am besten erhaltenen Befestigungsbauwerken der Schweiz. Sie wurde 1238 erstellt und später in mehreren Etappen ausgebaut, erhöht und verstärkt. Im 20. Jahrhundert wurde eine umfassende Restauration vorgenommen. Die ehemals vorhandenen Gräben wurden im Lauf des 16. Jahrhunderts zugeschüttet. Die fast vollständig erhaltene Ringmauer mit einer durchschnittlichen Höhe von 8.5 m besitzt einen Wehrgang aus dem 15. Jahrhundert, der im südlichen Abschnitt auf weite Strecken begehbar ist, sowie zwölf Türme in verschiedener Gestalt und Grösse. Die Stadt hatte zwei Haupteingänge, wovon das Berner Tor (erhielt seine heutige Form 1778) im Nordosten erhalten ist.
Am Südwestrand der Altstadt erhebt sich auf einem Vorsprung das Schloss, das ab Mitte des 13. Jahrhunderts unter Peter II. von Savoyen auf einem unregelmässigen fünfeckigen Grundriss erbaut wurde. Der älteste erhaltene Teil ist der massive viereckige Bergfried aus der Erbauungszeit. Die Aussenmauern des Schlosses sind in die Stadtbefestigung integriert und durch halbrunde Türme verstärkt. Die Wohngebäude wurden mehrfach umgebaut, vor allem während der Umwandlung des Schlosses in den Vogteisitz in der Zeit von 1476 bis 1540 und Ende des 18. Jahrhunderts, so dass heute verschiedene Stilrichtungen von der Spätgotik über die Spätrenaissance bis zum Barock miteinander vereinigt sind. Heute beherbergt das Schloss die Präfektur. Unterhalb des Schlosses befindet sich die alte Stadtmühle von 1578, in der das historische Museum untergebracht ist.
Murten.jpg Die ursprüngliche Pfarrkirche von Murten befand sich ein Stück weit nordöstlich der Altstadt und kam bei der Abtrennung von Muntelier auf dessen Gemeindegebiet zu liegen. Die Kirche wurde 1762 abgerissen. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts erfüllt die deutsch-reformierte Kirche die Funktion der Pfarrkirche für die deutsche Bevölkerungsmehrheit. Sie befindet sich an der Ostecke der Altstadt und wurde im Jahr 1399 erstmals als Kapelle Sainte-Marie erwähnt. Aus dieser Zeit stammen noch Teile des Chors, während die übrigen Partien bei Um- und Neubauten in späteren Jahren entstanden. Der Chorturm wurde 1683 in die Ringmauer integriert; das Kirchenschiff erhielt seine heutige Gestalt in der Zeit von 1710 bis 1713. Im Innern sind die reich geschnitzte Kanzel von 1484 und das Chorgestühl von 1494-98 sowie Gewölbemalereien von 1682-85 zu bewundern. Neben der Kirche steht das deutsch-reformierte Pfarrhaus im Berner Stil aus dem 18. Jahrhundert, in dem Jeremias Gotthelf geboren wurde.
Als reformierte französische Kirche dient die ursprüngliche Kapelle Sainte-Catherine, die von 1478 bis 1480 an der Nordecke der Altstadt erbaut wurde. Das Schiff stammt aus dem 18. Jahrhundert. Daneben befindet sich das 1732 erstellte französische Pfarrhaus.
Das Rathaus entstand 1474 durch Um- und Ausbau zweier ehemaliger Privathäuser. In mehreren Etappen folgten später weitere Umbauten. Die zum See hin zeigenden Arkaden stammen von 1589, die Hauptfassade von 1832. In der Altstadt sind zahlreiche Bürger- und Patrizierhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert erhalten. Erwähnenswert sind das heutige Hotel Murtenhof, dessen spätgotische Bausubstanz auf 1476 zurückgeht, das um 1740 für die Familie Schmid erbaute sogenannte Grosshaus, das bedeutendste Stadtpalais Murtens, und das Haus zum Rübenloch aus dem 16. Jahrhundert, ebenfalls mit einer spätgotischen Fassade und einem Berner Dach von 1672.
In Seeufernähe unterhalb der Altstadt stehen im Stadtteil Ryf verschiedene gotische Handwerkerhäuser. Ebenfalls ausserhalb der Umfassungsmauern befinden sich die katholische Kirche Sankt Mauritius, die 1885-87 im neugotischen Stil erbaut wurde, und das für die Familie Chaillet erbaute Herrenhaus Haldenhof von 1740. Das Schloss Löwenberg beim gleichnamigen Weiler nordöstlich der Stadt stammt im Wesentlichen aus der Zeit von 1666 bis 1700.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Freiburg | Schweizer Gemeinde
Murten | Morat | Murten | Murten/Morat | Murten | Murten (kommun, CH-FR)