Die Multiplextechnik ist ein Teilgebiet der Nachrichtentechnik, das darauf ausgerichtet ist, viele einzelne Nachrichtenkanäle zu bündeln und zusammen über einen gemeinsamen Übertragungsweg zu übertragen. Das wichtigste Anwendungsgebiet für die Multiplextechnik ist das Verbindungsnetz des Telefonnetzes (manchmal auch als Verbindungsleitungsnetz bezeichnet). Als Verbindungsnetz bezeichnet man das Netz zwischen den Teilnehmervermittlungsstellen. An die Teilnehmervermittlungsstellen in den einzelnen Ortschaften sind die Telefone angeschlossen. Ein Gespräch von einem Telefon, das kein Ortsgespräch ist, wird über eine dieser Verbindungsleitungen zu der Teilnehmervermittlungsstelle vermittelt, an der das angewählte Telefon hängt. Damit man nun nicht für jedes Telefongespräch über eine Verbindungsleitung eine eigene Leitung gebraucht wird, wurden dafür hochbitratige Übertragungswege installiert, die sehr viele Nachrichtenkanäle gleichzeitig übertragen können. Aber auch im Zugangsnetz, das aus den Teilnehmeranschlussleitungen besteht, mit denen die Telefone an die Teilnehmervermittlungsstellen angeschlossen werden, wird Multiplextechnik eingesetzt.
Als technische Grundlage für die Digitalisierung eines Sprachsignals wurde in Europa 8-Bit-PCM festgelegt. Der Grundtakt, mit dem das analoge Signal abgetastet wird, hat eine Frequenz von 8 kHz. Somit ergibt sich eine Bitrate von 64 kBit/s (8 kHz x 8 Bit) für die Übertragung eines Telefongesprächs. Das ist die Grundbitrate, auch als DS0 (DS von Digital Signal) oder B-Kanal bezeichnet. Das erste, so genannte Primär-Multiplexsignal besteht aus 30 Kanälen für jeweils ein digital codiertes Sprachsignal. Es wird abgekürzt als DS1 bezeichnet, bzw. E1 (E für Europa). Die Deutsche Bundespost hat es sogar als D1 bezeichnet, (D für Deutschland).
Jeweils vier von diesen Primär-Multiplexsignalen werden dann wiederum zu einem Signal mit 120 Kanälen gebündelt. Das ist dann die zweite Hierarchiestufe DS2 bzw. E2. Davon können wiederum vier Signale zu einem Signal mit 480 Kanälen gebündelt werden usw. In Nordamerika und im von Japan dominierten asiatisch-pazifischen Raum ist man denselben Weg gegangen, allerdings mit technischen Abweichungen. DS0 hat 56 kb/s und die Multiplexfaktoren sind anders.
Dieses erste System einer Multiplexhierachie wurde wegen des verwendeten Gleichlaufverfahrens Plesiochrone Digitale Hierarchie (PDH) genannt. Die standardisierte Toleranz des Gleichlaufverfahrens beträgt maximal 50 ppm, so dass eine ausreichende Sprachqualität gewährleistet ist. Das Multiplexverfahren ist ein relativ einfaches Zeitmultiplexverfahren.
Die PDH hat einen großen Nachteil: will man in ein Multiplexsignal, das noch freie Kanäle hat, ein weiteres Signal einfügen, muss man es wieder in alle einzelnen Signale aufteilen, den neuen hinzufügen, jedes einzelne Signal dann durch Stopfbits wieder neu auf einen gemeinsamem Takt synchronisieren, und diese danach wieder zur ursprünglichen Bitrate zusammenmultiplexen. Dieses Verfahren ist aufwendig und teuer. Es wurde also ein Nachfolger festgelegt, der ihn vermeidet: die Synchrone Digitale Hierarchie (SDH). Außerdem ist es gelungen, die europäische, nordamerikanische und japanische Multiplexhierarchie in den Bitraten zu vereinheitlichen: ab 155 Mb/s und höher sind sie gleich. Die Verfahren, wie die einzelnen Signale aber gebündelt werden, unterscheiden sich noch immer.
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