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Multikulturalismus ist eine sozial- und kulturphilosophische Denkrichtung mit Handlungsimplikationen für die Kulturpolitik eines Landes. Multikulturalisten treten für den Schutz und eine Affirmierung kultureller Unterschiede durch den Staat ein. Multikulturalismus steht dem Gedanken einer dominanten Nationalkultur ebenso entgegen wie dem Gedanken des Melting Pot, welcher in den USA praktiziert wird und von einer Angleichung der verschiedenen Kulturen ausgeht.

Formen des Multikulturalismus


Grundsätzlich kann man zwei Formen des Multikulturalismus unterscheiden:

  • Die Form des liberalen Multikulturalismus geht davon aus, dass rechtliche, soziale und politische Diskriminierung dem Gedanken des Multikulturalismus entgegenstehen und fordert folgerichtig deren Beseitigung und die strikte Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte. Darüberhinaus sollen alle kulturellen Gruppen unterstützt werden, ihre eigene kulturelle Identität zu wahren, welche als Voraussetzung für das Wohlergehen eines Individuums gesehen wird. Die Vertreter des liberalen Multikulturalismus merken jedoch an, dass eine gemeinsame politische Kultur die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft ist.

  • Der radikale Multikulturalismus erkennt diesen Rahmen einer gemeinsamen politischen Kultur nicht an. Die eigene Identität der kulturellen Gruppen ist existentiell. Die Ausübung und das Überleben der Kulturen muss garantiert werden. Dabei fordert er weitgehende politische Selbstbestimmung jener Gruppen und eine Verankerung von Gruppenrechten in der Gesellschaft.

Multikulturalismus in Kanada


Als einziges Land hat Kanada, dessen Gesellschaft oft als multikulturelles Mosaik oder als "salad bowl" bezeichnet wird, offiziell Multikulturalismus seit 1971 als staatlich geförderte Politik aufgenommen. Das primäre Ziel dieser Politik ist, dass alle kulturellen Minderheiten staatliche Unterstützung erhalten um ihre Kultur zu bewahren und zu pflegen. Ziel der Unterstützung der kulturellen Unterschiede ist die Überwindung von Barrieren, die die Partizipation und Integration von Minderheiten erschwert. Des Weiteren fördert der Staat kulturellen Austausch zwischen den kulturellen Gruppen. Über die Aneignung von einer der Amtssprachen Kanadas, französisch oder englisch, fördert der kanadische Staat auch den Unterricht in den unterschiedlichen ethnischen Sprachen. Die kanadische Form des Multikulturalismus sah seit 1971 vielfältige Abänderungen, zum einen die Untermauerung durch grundlegende Gesetze, wie dem Multikulturalismusgesetz, dem Gesetz zu Gleichstellung in der Beschäftigung, jedoch auch die Streichung wesentlicher Finanzmittel innerhalb der letzten Jahre und dem Ausbleiben von strukturellen Änderungen zugunsten multikultureller Politik.

Siehe auch


Literatur


  • Alf Mintzel: Multikulturelle Gesellschaften in Europa und Nordamerika: Konzepte, Streitfragen, Analysen, Befunde, Passau: Wissenschaftsverlag Rothe, 1997
  • Andrew Cardozo und Louis (Hrsg.): The Battle over Multiculturalism, Does it help or hinder Canadian Unity?, Volume 1, Ottawa 1997.
  • Richard J.F. Day: Multiculturalism and the history of Canadian Diversity, Toronto 2000.
  • Will Kymlicka: Multikulturalismus und Demokratie. Über Minderheiten in Staaten und Nationen, hrsg. von Otto Kallscheuer, Hamburg: Rotbuch Verlag, 1999 ISBN 3-434530-46-0
  • Marc Leman: Canadian Multiculturalism, Ottawa 1999.
  • Axel Schulte: Multikulturelle Gesellschaft: Chance, Ideologie oder Bedrohung? Aus Politik und Zeitgeschichte, B 23-24/1990
  • Charles Taylor: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung. Mit Kommentaren von Amy Gutmann, Steven C. Rockefeller, Michael Walzer und Susan Wolf. Mit einem Beitrag von Jürgen Habermas, Frankfurt am Main: S. Fischer, 1993 ISBN 3-10-076704-7

Weblinks


Kultur | Ideologie | Politikwissenschaft

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