Der Begriff Multicore-Prozessor (auch: Mehrkernprozessor oder Multikernprozessor) bezeichnet einen Mikroprozessor mit mehr als einem vollständigen Hauptprozessor oder genauer Haupt-CPU auf einem einzigen Chip. Sämtliche Ressourcen mit Ausnahme des Bus und eventuell einiger Caches sind repliziert. Es handelt sich also um mehrere vollständige, weitgehend voneinander unabhängige Prozessoren inklusive eigener ALU, Registersätze und, sofern überhaupt vorhanden, FPU.
Als Dual-Core-Prozessor (Doppelkernprozessor) bezeichnet man einen Multicore-Prozessor mit zwei Hauptprozessoren. Mikroprozessoren mit einem Hauptprozessor bezeichnet man zur Abgrenzung als Single-Core (Einzelkernprozessor). Diese Terminologie lässt sich entsprechend fortsetzen. So spricht man bei vier Kernen von einem Quad-Core-Prozessor usw.
Hyper-Threading-CPUs sind mehrfädige (engl. multithreading) Single-Core-Prozessoren mit mehreren Programmzählern und Registersätzen, die sich gegenüber dem System aber als Multicore-Prozessor melden. Es handelt sich bei Hyper-Threading-CPUs also nicht um echte Multicore-Prozessoren.
Multicore-Prozessoren wurden entwickelt, weil die Kosten für den Einsatz eines einzelnen Chips mit mehreren Ressourcen häufig geringer sind als bei mehreren einzelnen Chips. Anders betrachtet kann mit der gleichen Anzahl an Chip-Sockeln und Chips theoretisch die n-fache Rechenleistung erzielt werden (mit n = 2 bei Dual-Core). Die Praxis erweist, dass ein Dual-Core-Prozessor je nach Anwendung die 1,3 bis 1,7fache Leistung erbringt.
Inzwischen ist aber die von den Prozessoren produzierte Abwärme eine weitere Triebkraft bei der Prozessor-Entwicklung. Die AMD Opteron Dual-Core Prozessoren produzieren nur unwesentlich mehr Abwärme als ein AMD Opteron mit nur einem Prozessorkern. Damit wurde z.B. die Prozessor-Abwärmeleistung für ein Mehrprozessorsystem halbiert. Dies ist für HPC-Cluster aber vor allem für die Blade-Center wesentlich, da hier auf engstem Raum eine Vielzahl von Prozessoreinheiten (Blades) verbaut sind und somit ein 19-Zoll Industrieschrank eine Abwärmeleistung von über 20 kW produzieren kann. Diese ist in der Regel durch konvektive Kühlung nicht mehr abführbar.
So unterscheiden sich verschiedene Architekturen. Während manche Architekturen performancesteigernde Komponenten wie z.B. einen Shared Cache auf dem Chip unterbringen (z.B. IBMs POWER4 und folgende), bestehen bei anderen Architekturen die Änderungen lediglich darin, mehrere Cores auf einem Chip unterzubringen, um in der Argumentation um Softwarelizenzen eine geringere CPU-Zahl ausweisen zu können. (z.B. Suns Ultra SPARC IV). Prozessorbasiert lizenzierende Softwareunternehmen haben verschiedene Konzepte entwickelt, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. So zählt z.B. Oracle jeden Prozessorkern auf einem Chip mit einer Anzahl <1, Microsoft hat angekündigt, nicht mehr die Kerne, sondern die Chips als Basis für die Lizenzierung heranzuziehen. (Sprich ein Multikernprozessor = 1 Lizenz).
Da es sich bei Multicore-Prozessoren um eine Variante des SMP handelt, ist der Sinn und Zweck eines Multicore-Prozessors der, SMP platzsparend umzusetzen.
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