Mountainbike 2005.JPG | Mountainbike-zeichnung.png Ein Mountainbike (MTB) (engl. Bergfahrrad) ist ein Fahrrad, das besonders auf den Einsatz abseits befestigter Straßen ausgerichtet ist. Grundsätzlich ist das Mountainbike ebenso wie das Rennrad eher Sportgerät als Verkehrsmittel, weshalb es üblicherweise nicht über die von der in Deutschland geltenden Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) bzw. der österreichischen Fahrradverordnung geforderte Ausstattung (Beleuchtung, Glocke, Rückstrahler) verfügt.
Typische Merkmale eines Mountainbikes (Bergrad) sind ein stabiler Rahmen, ein Felgenmaß von 559 Millimetern (26") mit breiten, meist grobstolligen Reifen und eine Kettenschaltung mit derzeit meist 27 Gängen (3 Kettenblätter und 9 Ritzel). Vereinzelt sind an Mountainbikes aber auch Nabenschaltungen zu finden. Mountainbikes haben im Vergleich zu Holland-, Touren-, oder Rennrädern relativ kleine Rahmen (Rahmenhöhe etwa 10 cm niedriger als bei einem vergleichbaren Rennrad) mit mehr oder weniger steil abfallendem Oberrohr. Die Rahmen sind robust ausgelegt, und insbesondere bei Aluminiumrahmen kommen in der Regel große Rohrdurchmesser zum Einsatz. Als Rahmenwerkstoff werden vorwiegend Aluminiumlegierungen verwendet, immer häufiger werden Rahmen aber auch aus Carbon gefertigt. Stahl wird mittlerweile nur noch selten als Rahmenmaterial verwendet, noch seltener wird Titan eingesetzt.
An Mountainbikerahmen finden sich, anders als bei Rennrädern, üblicherweise Cantilever-Sockel zur Befestigung von Cantilever-Bremsen (V-Brakes oder V-Bremsen sind lediglich eine von vielen Bauformen der Cantilever-Bremsen) oder hydraulischen Felgenbremsen. Mountainbikes werden in zunehmendem Maß mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet. Federgabeln gehören mittlerweile zur Standardausstattung. Neben der gefederten Vorderradgabel verfügen Mountainbikes immer häufiger auch über eine hintere Federung. Ein solches vollgefedertes Mountainbike wird auch als Fully (Kurzform für „Full Suspension“) bezeichnet. Das Mountainbike mit ungefedertem Hinterrad wird im Gegensatz dazu Hardtail genannt.
Sowohl für Federgabeln als auch für Hinterbaudämpfer existieren unterschiedliche Arten der Federung. Man kann grob unterscheiden in Elastomer-, Stahl- und Luftfederung, wobei auch Mischsysteme mit unterschiedlicher Federung und Dämpfung eingesetzt werden. Während auf Elastomeren basierende Federungen anfangs noch große Verbreitung fanden, wurden sie später durch die Stahlfederung (teilweise mit Luftdämpfung) und Anfang des 21. Jahrhunderts durch die Luftfederung nahezu vollständig verdrängt. Nur vereinzelt, meist in Einstiegsmodellen oder als Durchschlagschutz, finden sie noch Verwendung. Hochwertige Stahlfederungen zeichnen sich durch ihre lineare Kennlinie aus (der Kraftaufwand zum Einfedern verhält sich linear zum Federweg), sind aber im Gegensatz zu Luftfederungen relativ schwer. Durch stetige Forschung und Entwicklung der Hersteller erreichen moderne Luftfederungen eine ähnliche Linearität bei weit niedrigerem Gewicht. Der Wartungsaufwand ist jedoch höher und die Fertigungstoleranzen, insbesondere der Dichtungen, sind niedriger.
Luftfederungen werden vorwiegend in den Bereichen eingesetzt, in denen das Gewicht des Fahrrades von hoher Bedeutung ist (z.B. Cross-Country-Race, Marathon). Stahlfederungen werden in der Regel dann bevorzugt, wenn das Material - wie beim Downhill - sehr hohen Belastungen ausgesetzt wird oder eine hohe Zuverlässigkeit erwünscht ist (z.B. Tour).
Nach dem Prinzip des Motorrades wollte man sich die Federung auch am Fahrrad zu nutze machen und stattete den Hinterbau mit einer Federung aus.
Die Konstrukteure sehen sich bei der Entwicklung eines gefederten Hinterbaus mit vielschichtigen Problemen konfrontiert. Durch die Trennung des Hinterbaus vom Rahmen verliert das gesamte Fahrrad grundsätzlich an Steifigkeit, zudem hat die Bewegung des Hinterbaus beim Ein- und Ausfedern Einflüsse auf den Antrieb, der sich im sogenannten Pedalrückschlag äußert. Das Gegenstück zu diesem Problem ist das "Wippen" der Federung bei hohem Krafteinsatz, insbesondere im Wiegetritt. Die beim Treten erzeugte Kraft wird hier nicht in Vortrieb umgesetzt, sondern an die Federung "verschwendet". Diesem Problem wirken die Hersteller dadurch entgegen, indem entweder eine Möglichkeit zur Blockierung der Federung insgesamt gegeben wird (sogenanntes Lock-out) oder indem ein Trägheitsventil die Federung nur dann öffnet, wenn es sich um eine schnelle Bewegung handelt, ausgehend von der Annahme, dass die durch Bodenunebenheiten verursachten Stöße schneller erfolgen als die durch das Treten verursachten. Diese von den Herstellern unterschiedlich bezeichneten Systeme (z.B. Pro Pedal Platform oder Terralogic) zeichnen sich durch ein höheres Losbrechmoment (Kraft, die nötig ist, um das System initial einzufedern) und geringeren Komfort im Vergleich zu herkömmlichen Systemen aus. Weiterhin ist der Aufwand zur Anpassung an das Fahrergewicht wesentlich höher.
Grundsätzlich wird das Gewicht des Fahrrades durch die Hinterbaudämpfung erhöht. Auch die teilweise hohe Anzahl an Drehpunkten mit entsprechend vielen Lagern erhöht den Wartungsaufwand. Durchgesetzt haben sich Eingelenker, Viergelenker, Mehrgelenker, No-Sag-Viergelenker, Float-Link, VPP-System, LRS (Low-Rotation-System) und Mono-Link. Durch Lagerung an mehreren Stellen des Rahmens werden virtuelle Drehpunkte und eine höhere Stabilität der Konstruktion erzielt.
| Hinterbautyp | Beschreibung | Bewegung des Hinterbaus | Vorteile | Nachteile | Beispiele |
|---|---|---|---|---|---|
| Antriebsschwinge | Das Tretlager befindet sich am Hinterbau und nicht am Hauptrahmen. Der Dämpfer (Stahl- oder Luftfederbein) liegt im Zentrum des Rahmens. Diese Konstruktion wird nicht mehr verbaut. | kreisförmig | |||
| Eingelenker | Am meisten verbreitetes System; arbeitet wie die Antriebsschwinge mit nur einem Gelenk mit dem Unterschied, dass beim Eingelenker das Tretlager am Hauptrahmen angebracht ist und nicht an der Schwinge. | kreisförmig | |||
| Mehrgelenker (richtiger: Eingelenker mit mehrgelenkiger Abstützung) | Häufig mit dem Viergelenker verwechselt durch gleiche Anzahl der Lager. Funktioniert wie ein Eingelenker da sich das Gelenk an der Kettenstrebe nicht vor dem Ausfallende befindet (sog. Horst-Link), sondern oberhalb. | kreisförmig | |||
| Viergelenker | Wie Mehrgelenker, jedoch mit einem Gelenk an der Kettenstrebe (vor dem Ausfallende), dem so genannten Horst-Link | entlang einer Kurve | |||
| No-Sag-Viergelenker | Abwandlung des Viergelenker bei dem das Federbein ohne Negativfederweg gefahren wird. Federt der Hinterbau ein wird er durch den Kettenzug sofort wieder auseinander gezogen | schräg nach hinten oben | |||
| Float Link | Viergelenker, bei dem der Dämpfer schwimmend zwischen Umlenkhebel und Kettenstrebe angebracht ist. | entlang einer Kurve (siehe Viergelenker) | |||
| VPP „Virtual Pivot Point“ (Virtueller Drehpunkt) | Zwei Gelenke im Tretlagerbereich heben den Hinterbau so an, dass der Dämpfer sich automatisch in einer antriebsneutralen Position befindet. | S-förmig | |||
| Mono Link | Tretlager liegt zwischen Schwinge und Hauptrahmen auf einem separaten Bauteil. Es ist schwimmend gelagert und bildet eine Mischung aus Antriebsschwinge und Mehrgelenker. Je stärker der Fahrer tritt, umso mehr wird der Dämpfer entlastet. | kreisförmig | |||
| LRS „Low Ratio Suspension“ (Federung mit geringer Übersetzung, meist 1:1) | Anders als bei den anderen Konstruktionen befindet sich der Dämpfer nicht vor oder über dem Rad, sondern seitlich daneben unterhalb und parallel zur Sitzstrebe. Der Dämpfer ist sehr lang und arbeitet mit einem geringen Übersetzungsverhältnis, es gibt Ausführungen mit Horst Link und ohne. | geradlinig | |||
Extrem-Freeride ist eine extreme Form des Mountainbike-Freeridens und vom Snowboardfreeriding, Freeskiing und Motocross beeinflusst. Im Vordergrund stehen mehr als 10 m hohe und mehr als 20 m weite Sprünge über natürliche Hindernisse, hohe Felsen und Klippen („Cliffdrops“). Demgemäß sind auch die hierfür verwendeten Mountainbikes eine extreme Variante der Freeride-Mountainbikes, bei denen oft Downhill - Technik verwendet wird. Die Federwege sind bei Extrem-Freeridern mit 200 - 300 mm noch größer, und Gleiches gilt auch für das Gewicht: über 20 kg sind keine Seltenheit. Der Fahrer trägt Schutzbekleidung wie Integralhelm, Schulter- und Gelenkschützer und gepolsterte Handschuhe.
Erste regelmäßige Mountainbike-Rennen gab es ab 1976 - sie wurden ebenfalls von der oben erwähnten Gruppe am Mount Tamalpais ausgerichtet, vornehmlich auf Initiative von Charles Kelly. Die Gruppe nannte ihre Veranstaltungen „Repack-Races“, da die Rücktrittbremsen während der Rennen so heiß wurden, dass dabei das Lagerfett flüssig austrat und jeweils hinterher „repacked“, also wiederaufgefüllt werden mussten. Diese Rennen gaben den Anstoß für eine ganze Reihe von technischen Modifikationen, die den Anfang der Entwicklung zur heutigen Mountainbike-Technik darstellen. So wurden die unzureichenden Rücktrittbremsen der Schwinn Cruiser durch Trommelbremsen ersetzt, die aus dem Motorradbereich stammten. Auch beim Austausch der wenig stabilen Original-Lenker bedienten sich die Bastler meist im Motorradteile-Regal. Gary Fisher wird häufig die erste Verwendung einer Schaltung an diesen Ur-Mountainbikes zugeschrieben (die Schwinn Cruiser verfügten über keine Schaltung). Tatsächlich gab es südlich von Marin County schon um 1974 eine Gruppe von „Clunker“-Fahrern, die „Cupertino Gang“, die Schaltungen an ihre Clunker geschraubt hatte. Ein Foto vom 1. Dezember 1974 zeigt den Start eines Rennens, an dem sowohl Gary Fisher als auch die Cupertino-Gang teilnahm. Erst danach verwendete Fisher an seinen Bikes eine Schaltung - Gary Fisher kann also nicht als „Erfinder“ des Mountainbikes gelten, was seine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Sports aber keinesfalls schmälert.
Das erste „echte“ Mountainbike hat Joe Breeze 1977 für Charles Kelly hergestellt. Auch wenn sich Breeze dabei hinsichtlich der Rahmengeometrie stark an den Cruisern orientierte, war es das erste Mountainbike, das nicht ein nachträglich für den Einsatz als Mountainbike umgerüsteter Cruiser war, sondern von Beginn an als Mountainbike hergestellt wurde.
Zwei Jahre später stieß Tom Ritchey zu der Gruppe und fertigte zunächst einen Rahmen und später noch weitere Rahmen für Gary Fisher. Später übernahmen Gary Fisher und Charles Kelly den Aufbau der von Tom Ritchey gefertigten Rahmen zu vollständigen Mountainbikes und den Vertrieb dieser Räder. Mit dem Auftritt von Tom Ritchey nahm also 1979 die Mountainbike-Industrie ihren noch bescheidenen Anfang. Zu den ersten Firmen im noch jungen Markt gehörten - neben Ritchey und SunTour - auch Shimano (Komponenten) und Specialized (Kompletträder). In den folgenden Jahren wurde das Mountainbike immer populärer, und auch die technische Entwicklung ging rasant weiter.
Es entstanden viele kleine Hersteller, die heute weitgehend wieder vom Markt verschwunden sind. Zu den Pionieren gehörten zum Beispiel:
Anfang der 1990er Jahre begannen die Hersteller ihre Fertigungen nach Japan und kurze Zeit später nach Taiwan auszulagern. Mitte der 1990er hatten manche taiwanesischen Hersteller sich soweit etabliert, dass sie unter eigenem Namen in den Markt traten und qualitativ hochwertige Rahmen und Komponenten zu vergleichsweise niedrigen Preisen anboten.
Trotz der großen Konkurrenz aus Asien halten sich auch heute noch einige kleinere Betriebe im Markt, die sich meist auf Kleinserien und Maßanfertigungen spezialisiert haben und preislich in der Regel weit über den großen Herstellern rangieren.
Seit den frühen 1990ern werden Fahrräder angeboten, die sich in der Erscheinung an Mountainbikes anlehnen und auch einige technische Merkmale von den Mountainbikes übernehmen, allerdings vornehmlich für den Einsatz als Verkehrsmittel gedacht sind und folgerichtig sowohl über eine STVZO-konforme Ausstattung mit Beleuchtung, Rückstrahlern und Glocke, als auch über Schutzbleche und Gepäckträger verfügen. Typischerweise werden diese Stadträder im Mountainbike-Look über Bau- und Verbrauchermärkte vertrieben und sind meist von minderer Qualität.
Country-Tourenfahrten (CTFs) sind breitensportliche Veranstaltungen ohne Zeitnahme und Rangliste. Country-Tourenfahrten werden überwiegend abseits des öffentlichen Straßenverkehrs auf Feld- und Waldwegen durchgeführt. Es stehen meist mehrere Strecken verschiedener Länge zur Auswahl, wobei mit der Streckenlänge oft auch die fahrtechnischen Anforderungen steigen. Permanente Country-Tourenfahrten sind auch unabhängig von einem Veranstaltungstermin ganzjährig befahrbar.
Auch im Bereich Freeride bzw. Freestyle gibt es Wettkämpfe in den Disziplinen Dirt Jump, Street/Park, Slopestyle und Big Mountain. Die populärste und spektakulärste Veranstaltung im Freeride-Bereich war die „Red Bull Rampage“, die in den Jahren 2001 bis 2004 als reiner Profi-Wettbewerb ausgetragen wurde. 2005 fand in Nürnberg der Slopestyle „Red Bull District Ride“ vor 40000 Zuschauern in der Altstadt satt.
Ciclisme de muntanya | Horské kolo | Mountain bike | Montbiciklo | Bicicleta de montaña | Vélo tout terrain | Sepeda gunung | Mountain bike | マウンテンバイク | Mountainbike | Rower górski | Горный велосипед | Mountainbike
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Mountainbike".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world