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Der Begriff Motte oder auch Mota (aus frz. „Klumpen“, andere Bez. Turmhügelburg, Erdhügelburg, Hausberg) ist eine frühe Burgform auf einem Erdhügel, eben der Motte. Piper entlehnte den Begriff aus frz. Château à la motte (= Erdklumpenburg). Das französische Wort "motte" bezeichnet aber nach neueren Erkenntnissen nur die Erdsode bzw. den Erdhaufen. Die Motte ist eine Weiterentwicklung der Festungs-/Burgbauten aus germanischer Zeit, die meist aus Wällen und Palisaden bestanden, ist aber auch an den befestigten Wachturm aus der Römerzeit angelehnt.

Geschichte


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Motten entstanden zwischen 900 und 1000 n. Chr., in einigen Teilen Europas bis ins frühe 13. Jahrhundert. Sie sind von Irland bis nach Ostpolen anzutreffen. Die Ursprünge dürften im normannischen Seinegebiet Westfrankreichs zu suchen sein.

Der turmartige Holzbau wurde auf einem (meist aufgeschütteten) Erdhügel errichtet und war von einem Palisadenzaun umgeben. Oft wurde allerdings auch zuerst der Holzbau errichtet und dann der Hügel angeschüttet. Der Turm wurde also „eingemottet“, d. h. die Untergeschosse steckten im Hügel. Dies geschah zum einen aus statischen Gründen. Die Motten in Mitteleuropa waren das klassische Machtsymbol des neu entstehenden Dienstadels, der „Ministerialen“. Die Bauzeiten waren bei einfachen Anlagen sehr kurz: in etwa 10 Tagen soll eine kleine Turmhügelburg bezugsfertig gewesen sein.

Der Eingangsbereich zum Wohnbau war in der Regel durch eine Zugbrücke gesichert oder lag nicht ebenerdig und war somit nur über eine Leiter zu erreichen, die im Verteidigungsfall eingezogen werden konnte. Die außerhalb des Wohnbereiches liegenden Stall- und Vorratsgebäude wurden häufig durch zusätzliche Palisaden geschützt, die eine Art Vorburg bildeten, welche den Zugang zur Hauptburg schützten.

Bei der normannischen Eroberung des angelsächsischen England (1066) wurden zahlreiche Motten als erste Stützpunkte errichtet. Die hölzernen Bauteile dieser Kleinfestungen wurden teilweise bereits auf dem Festland gefertigt und mussten nur noch an Ort und Stelle zusammengesetzt werden. Durch diese „Fertigbauweise“ verfügten die Eroberer bereits kurz nach der Invasion über ein dichtes Netz militärischer Stützpunkte auf der Insel. Abbildungen dieser Strongholds finden sich bereits auf dem berühmten „Teppich von Bayeux“. Einige dieser Eroberungsburgen wurden später zu gewaltigen Steinburgen ausgebaut. So steht etwa der Keep der Königsburg Windsor Castle auf einem großen Turmhügel.

Auch bei späteren Steinbauten (in der Regel Ausbauten hölzerner Vorgängeranlagen) dieses Baustils spricht man von Motte. Charakteristisch ist der aufgeschüttete Erdhügel mit einem Wohn- oder Fluchtturm, umgeben von einer Palisade oder Steinmauer.

Wegen des hohen Alters dieser Burganlagen haben die hölzernen Aufbauten die Zeiten leider natürlich nicht überdauert. Allerdings sind in Europa in jüngster Zeit einige bemerkenswerte Rekonstruktionen entstanden (Kanzach, Lütjenburg u. a.).

In Deutschland wurden die meisten Motten als Sitze unbedeutender Kleinadeliger rasch wieder aufgegeben. Aus diesem Grunde lassen sich die Erdwerke dieser frühen Burganlagen oft in noch in guter Erhaltung studieren. Manche Landstriche sind regelrecht übersät mit diesen interessanten Zeugnissen früher Ritterkultur. So finden sich etwa im Grenzgebiet zwischen Oberbayern und Bayerisch-Schwaben zahlreiche interessante Beispiele kleinerer und größerer Motten. Eine der eindrucksvollsten dieser Anlagen ist mitsamt der Vorburg in Kissing bei Augsburg zu besichtigen (Burgstall Kissing). An Stelle des Turmes erhebt sich heute eine wunderschöne Wallfahrtskapelle. Allein im Kreis Plön (Schleswig-Holstein) wurden 45 Turmhügel unter Denkmalschutz gestellt.

Oft finden sich auch in unmittelbarer Nähe größerer Burganlagen mächtiger Feudalherren kleine Turmhügel als ehemalige Sitze des abhängigen Dienstadels. So findet sich etwa nur 100 m neben der Stammburg der bayerischen Wittelsbacher bei Oberwittelsbach/Landkreis Aichach-Friedberg eine dieser typischen Kleinburgen. Diese Turmhügel können natürlich auch auf ältere Vorgängerburgen zurückgehen, oder zum Schutz der Baustelle angelegt worden sein.

Motten wurden sowohl im Flachland als auch in den bergigen Gegenden (Hochmotten) errichtet, man findet sie innerhalb von Dörfern und Städten, unmittelbar neben diesen, oder auch abgelegen im Gelände. Manchmal wurden vorgeschichtliche Grab- oder Warthügel wiederverwendet, oft natürliche Erhebungen künstlich abgesteilt und Felsklötze überbaut. Flachlandmotten waren manchmal von Wassergräben umgeben, oder wurden auf natürlichen oder künstlichen Inseln angelegt. Oft haben sich nur die Turmhügel erhalten, da sie später mit Kapellen oder Kalvarienbergen bebaut wurden. Gelegentlich kommen sogar Doppelburgen mit zwei Turmhügeln vor. Die Vorburg lag in der Regel hufeisenförmig vor dem Burghügel, geschützt von einem palisadengekrönten Wall mit vorgelegtem Graben. Größere Anlagen hatten oft mehrere Vorburgen.

Die Plateaus der Burghügel sind oft überraschend geräumig, es müssen also keineswegs nur turmartige Bauten auf diesen gestanden haben. Vereinzelt sind auch hausartige Grundrisse vergraben worden, auf dem Hügel der großen Motte von Seeg im Allgäu thront sogar seit einigen Jahrzehnten ein komplettes Einfamilienhaus. Als Unterbau der Aufbauten sind oft Steinfundamente nachgewiesen, auf die der Holz- oder Fachwerkbau aufgesetzt wurde. In der Literatur wird die Tragfähigkeit der Burghügel oft unterschätzt, zahlreiche spätere steinerne Ausbauten beweisen allerdings, dass auf einigen späten Motten durchaus massive Steinbauten gestanden haben können. Besonders in England und Frankreich weisen zahlreiche Motten spätere steinerne Überbauungen auf. Allerdings ist die Fundamentierung dieser Aufbauten bislang nur selten erforscht worden.

Die „Türme“ auf den Motten dienten nicht immer als ständiger Wohnsitz der Burgherren. Oft scheint der Wohnbau in der Vorburg gelegen zu haben, der Turm war offenbar meist Wehrbau und Statussymbol.

In Deutschland steckt die Erforschung dieser wichtigen Frühform der Adelsburg noch in den Kinderschuhen. In Österreich hat die „Hausbergforschung“ hingegen schon eine jahrzehntelange Tradition.

Denkmalschutz


Wie die meisten Bodendenkmäler sind Motten leider einem zunehmenden Vandalismus ausgesetzt. Besondere Gefahrenquellen sind für Motten Metallsondengänger und Motocrossfahrer, die teilweise gravierende Schäden hinterlassen. Manche Turmhügel werden auch heute noch zur Materialgewinnung angegraben oder bei der Anlage von Holzabfuhrwegen schwer beschädigt.

Ähnliche Bezeichnungen


Palasburg, Ringburg, Schildmauerburg, Turmburg, Hausberg

Historische Stätten in Deutschland


(sortiert nach Postleitzahlbereichen) Wappen_Vehlefanz.png]]
  • 16 -- Motte in Vehlefanz (Oberkrämer)
  • 24 -- Turmhügelburg "Bori" in Bünzen
  • 26 -- Drei-Hügel-Motte Elmendorf in Bad Zwischenahn su der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Grabungsbefund 1966-1968 gemäß Dr. phil. hc. Dieter Zoller: Hügel 1: 12-eckiger Wohnturm, Hügel 2: quadratischer Holzbau und Fachwerkbau mit Keller, Hügel 3: Vorburg: Hof mit Haupt- und Nebengebäuden
  • 34 -- Burg Warburg im Elm
  • 38 -- Burg Rothehof in Wolfsburg
  • 41 -- Motte von Arsbeck in Wegberg und Motte Husterknupp bei Grevenbroich, ehemalige Burg der Herren von Hochstaden
  • 48 -- Turmhügelburg in Telgte
  • 52 -- zwei Motten in Eschweiler-Kinzweiler: der Mühlenbongert und der Kalvarienberg. (Wer sie als Wehranlagen genutzt hat, ist unbekannt. Erst mit den Kinzweiler Rittern treten sie in Erscheinung, als keine mehr gebaut wurden. Das Untere Haus auf dem Kalvarienberg erscheint erstmals 1237, das Obere Haus auf dem Bongert 1357 nach der Linientrennung des Hauses Kinzweiler.) Ende der 1970er Jahre wurde zusammen mit Eschweiler-Lürken eine Motte wegen Braunkohletagebaus abgebaggert. Lageplan siehe hier
  • 53 -- eine mittelalterliche Niederungsmotte in Hennef
  • 56 -- Alte Burg Rotenhain im Westerwald aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Erhalten sind die Grundmauern (15x15 m), der Brunnen (3 m tief), der Burggraben (2-3 m breit) und die Anschüttung (2 m hoch). Aus Gründen der Konservierung wurden die Mauern wieder verschüttet. Ihr äußerer Verlauf wurde durch eine Betonmauer nachgezeichnet, der Wall aufgeschüttet und der Graben mit Wasser gefüllt, sodass man sich leicht ein räumliches Bild von den Maßen machen kann. Der ähnlich nach einem ungekehrten Kaffeefilterprinzip arbeitende Brunnen ist noch funktionstüchtig. Außerdem finden sich eine Tafel mit Skizzen und Ausgrabungsfotos sowie ein 1 m hohes Modell, das als Bienenstock fungiert. Demnach war die Burg ein von einer Steinmauer eingefasstes, dreistöckiges Fachwerkhaus, von Wall und Graben umgeben. Lage nahe einer wichtigen Handelsstraße lässt darauf schließen, dass sie als Zollstation dienen sollte, welche nur kurzzeitige belegt wurde. Ausgrabungen 1997-2000 brachten interessante Details zum Kleinburgenbau zutage. Weitere Informationen unter *
  • 90 -- Alte Veste bei Zirndorf

Literatur


  • Hinz, Hermann: Motte und Donjon - Zur Frühgeschichte der mittelalterlichen Adelsburg (Köln, 1981) = Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft 1
ISBN 3-7927-0433-1

  • Herrnbrodt, Adolf: Der Husterknupp : eine niederrheinische Burganlage des frühen Mittelalters
Köln,1958

  • Hans P. Schad'n, Die Hausberge und verwandten Wehranlagen in Niederösterreich, Prähistorische Forschungen 3, Wien 1953

Weblinks


Burg | Mittelalter

Motte | Motte-and-bailey | Motte féodale | Motte (heuvel) | Motte and bailey

 

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