Die Motettentexte sind zumeist biblisch und oft in lateinischer Sprache.
Die Motette bildete sich im späten Mittelalter heraus („motetus“) und blieb bis heute als Form in Gebrauch, wobei Stil und innere Haltung sich je nach Zeitalter wandelten (siehe unten).
Eine bestimmte Form der Motette gab es nicht. Je nach Länge des Textes waren die Motetten von sehr verschiedener Länge und bestanden aus mehreren in Tempo und Takt unterschiedlichen Teilen. Dann konnten einzelne Teile auch kleiner besetzt sein. Jeder Teil konnte aus verschiedenen direkt aneinander anschließenden Abschnitten verschiedenen Charakters bestehen, hatte aber im allgemeinen eine durchkomponierte Anlage.
Die übliche Stimmenzahl lag bei vier bis acht Stimmen, doch wurden zu allen Zeiten auch erheblich komplexere Partituren erschaffen – bis hin zu Extremfällen wie dem berühmten „Spem in alium“ für 40 Stimmen von Thomas Tallis. Bei der häufig genutzten vierstimmigen Variante enthielt die unterste Stimme, der „Tënor“, meist biblischen Text. Darüber ordneten sich „Duplum/Motetus“, „Triplum“ und „Quadruplum“ an. Im Laufe der Entwicklung wurde der gesungene Text zunehmend freier, vereinzelt wurde schließlich statt biblischer auch weltliche Literatur als Textgrundlage verwendet. Nach den Erläuterungen der Theoretiker des 13. Jahrhunderts bewegte sich im Motet jede der beteiligten Stimmen in einem anderen der fünf oder sechs „Modi“ (rhythmische Schemata).
Die bedeutendsten Meister im älteren Motettenstil waren Guillaume de Machaut,Phillipe de Vitry, später Palestrina und Orlando di Lasso. Die Motetten von Johann Sebastian Bach haben vier bis acht Stimmen; er verflocht auch den Choral in die Motette. Spätere bedeutende Motettenkomponisten waren Felix Mendelssohn Bartholdy, Anton Bruckner, Johannes Brahms, Max Reger, Paul Hindemith und Hugo Distler.
Aus diesen Anfängen bildete sich bald die mittelalterliche Motette im eigentlichen Sinn heraus: verschiedene Texte (teilweise auch in verschiedenen Sprachen) wurden gleichzeitig über einem lateinischen Cantus firmus gesungen. Dieser war in der Regel einem Gregorianischen Choral entnommen (selten einem weltlichen Volkslied) und wurde wahrscheinlich - im Interesse der Verständlichkeit - meist instrumental dargestellt. Auch weltliche Kompositionen konnten als Motetten bezeichnet werden. Im 14. Jahrhundert wurde die Isorhythmie bei den Motetten eingeführt; erst Philippe de Vitry, besonders aber Guillaume de Machaut setzten diese neue Technik ein. Guillaume Dufay war um 1435 einer der letzten, die noch die Isorhythmie verwendeten.
In der Renaissance wurde die Bezeichnung Motette zwar beibehalten, der Charakter der Komposition jedoch wandelte sich grundlegend: der Cantus firmus wurde gestreckt, sein Rhythmus kaum mehr erkennbar und ohne Einfluss auf die Diskantstimmen. Die Renaissance-Motette wurde zu einem kurzen kontrapunktischen Chorstück, das meist keinen Bezug zu einem bestimmten Feiertag hatte und daher jederzeit eingesetzt werden konnte. Als Motettentexte wurden meist die von Antiphonen herangezogen. Die Unterschiede zu den - weltlichen - Madrigalen waren nun kaum mehr erkennbar: Palestrinas „Motetten“ nutzten das freizügige Hohelied Salomos, seine „Madrigale“ setzte er zu Marientexten Petrarcas. Man sagte auch: wenn es lateinisch ist, ist es eine Motette, wenn in Landessprache, dann ein Madrigal. Auch weltliche Motetten wurden geschrieben, häufig war Fürstenlob das Thema, jedoch nicht mehr (wie noch im Mittelalter) höfische Liebe.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelten Giovanni Gabrieli und andere in Venedig einen neuen Motettenstil, bei dem zwei oder mehrere Kapellen wechselweise tätig wurden („polychoraler Stil“ oder „Venezianische Motette“).
Auch in der Barockmusik blieb die Bezeichnung Motette erhalten; wiederum änderte sich der Charakter. Mit dem Aufkommen des Generalbasses um 1600 wurde der Begriff Motette auch auf begleitete Gesangsmusik ausgedehnt, sogar Werke für eine einzige instrumental begleitete Stimme (Voce sola oder petit motet) wurden so bezeichnet; dennoch blieb der A-cappella-Stil die Regel.
In Frankreich nannte man Stücke mit voller Orchesterbegleitung Grand Motets; ein Hauptvertreter war Jean-Baptiste Lully, der Solistenpartien einflocht. Er pflegte auch die Tradition der halb-weltlichen Motette, so etwa Plaude laetare Gallia anlässlich der Taufe des Sohnes von Ludwig XIV.
Auch in Deutschland wurden in der Musiksprache der Barockzeit Kompositionen geschrieben, die man Motetten nannte. Heinrich Schütz etwa veröffentlichte mit den Symphoniae sacrae eine Reihe von Motetten in lateinischer und in deutscher Sprache. Johann Sebastian Bach schließlich schrieb sechs Motetten für Chor und Basso continuo über geistliche Themen.
Mit dem Ende der Barockmusik ging auch die Zeit der Motette als aktiv gepflegte Musikgattung zu Ende. Zu späteren Wiederbelebungsversuchen siehe oben.
Es handelt sich um eine musikalische Andacht, die wöchentlich samstags um 20 Uhr stattfindet, und ist neben der Leipziger Motette eine der letzten Veranstaltungen dieser Art.
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