Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit einer Sprache auf der Inhalts- und Formebene. Es lässt sich auch als kleinste semantisch interpretierbare Konstituente eines Wortes bezeichnen. Es handelt sich um abstrakte Einheiten, die durch primäre Artikulation bzw. Segmentation (aktiver Prozess der Worterkennung, der den konstanten Sprachstrom in einzelne Wörter unterteilt) gewonnen werden.
Morpheme werden lautlich als Phonemfolgen, schriftlich als Graphemfolgen realisiert. Diese Phonem- oder Graphemsequenzen repräsentieren das Morphem in bestimmten Umgebungen; die Phoneme bzw. Grapheme selbst tragen keine eigene Bedeutung, sondern haben als Bausteine der Morpheme nur bedeutungsdifferenzierende Funktion. Somit können Morphe als Repräsentationseinheiten und ein Morphem als eine Klasse äquivalenter Morphe bezeichnet werden.
Der Begriff Morphem kommt aus dem amerikanischen Strukturalismus und wurde von Leonard Bloomfield allgemein bekannt gemacht.
Man unterscheidet die Morpheme nach ihrer Stellung im Satz in freie und gebundene Morpheme, und nach ihrer Funktion in lexikalische und grammatische Morpheme.
Ein freies Morphem kann als eigenes Wort selbständig in einem Satz stehen, ein gebundenes Morphem ist immer an ein freies gebunden und kann nicht als Wort fungieren.
Die lexikalischen Morpheme oder Lexeme bilden die Stämme oder Wurzeln der Wörter, stellen also sozusagen das Grundinventar der Wörter einer Sprache dar. Die grammatischen Morpheme oder Grammeme hingegen bilden keine Wörter, sondern verändern diese gemäß der grammatischen Regeln und geben grammatische Informationen wieder. Grammatische Morpheme werden weiter unterteilt in derivative (diese ändern die Wortklassen) und flexive (die die Beugung der Wörter darstellen). Zudem werden auch die Artikel, Präpositionen und Konjunktionen zu den grammatischen Morphemen gezählt.
Eine eigene Klasse bilden die unikalen Morpheme. Sie kommen nur in einer einzigen Kombination vor und haben keine eigene Bedeutung.
Der französische Sprachwissenschaftler André Martinet verwendet dagegen Morphem als Bezeichnung für gebundene Morpheme, als Oberbegriff für Lexem und Morphem verwendet er Monem.
Es werden teilweise auch gebundene Morpheme angenommen, die gewissermaßen unsichtbar sind und dennoch ein Wort in seiner grammatischen Form verändern. Diese Morpheme nennt man Nullmorpheme oder Ø-Morpheme. Zum Beispiel kann die Pluralbildung in "die Ritter" mithilfe der Annahme eines Nullmorphems analysiert werden. Dabei wird angenommen, dass "Ritter" ein unsichtbares Nullmorphem zur Bildung des Plurals enthält (im Gegensatz zum gleichlautenden Singular "Ritter", der dieses Nullmorphem nicht enthält).
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