Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, gen. der Gelehrte (* 25. Mai 1572 in Kassel; † 15. März 1632 in Eschwege) regierte Hessen-Kassel von 1592 bis 1627.
Am 23. September 1593 heiratete er Agnes von Solms-Laubach, die am 23. November 1602 verstarb. Mit ihr hatte er einen Sohn, Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel. Nach einer achtmonatigen Trauerzeit ging er am 22. Mai 1603 mit Juliane von Nassau-Dillenburg eine zweite Ehe ein. Sie setzte durch, daß ihre Kinder ein Viertel von Hessen-Kassel als erbliche Lehen erhielten (Rotenburger Quart). So entstanden mit den zwei Söhnen Julianes, die landgräflichen Nebenlinien "Hessen-Rotenburg" und "Hessen-Eschwege und Wahnfried" (Hermann IV. von Hessen-Rotenburg und Friedrich von Hessen-Eschwege und Wahnfried)
1598 wandelte er seine Pagenschule in eine Hofschule für Adelige und Bürger um. Daraus entstand später das Collegium Mauritianum. 1618 dann nochmals modernisiert und zum Collegium Adelphi Mauritianum umgewandelt. Als erster Präfekt wurde Ernst von Börstel gewonnen.
1605 trat Moritz zum Calvinismus über. Nach dem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens ("Cuius regio, eius religio") hatte der Landesherr das Recht, einen Bekenntniswechsel auch bei seinen Untertanen durchzusetzen. Allerdings war der Augsburger Religionsfrieden nur zwischen Lutheranern und Katholiken geschlossen worden, seine Anwendbarkeit auf Reformierte fragwürdig. Jedenfalls überzog Moritz seinen Spielraum, indem er das reformierte Bekenntnis auch in denjenigen Landesteilen einführte, die 1604 bei der Aufteilung der Erbmasse der ausgestorbenen Linie Hessen-Marburg an Hessen-Kassel gekommen waren und für die ein Konfessionswechsel durch testamentarische Verfügung ausgeschlossen war. Rechtswidrig war ebenso der erzwungene Konfessionswechsel an der gesamthessischen Universität Marburg, der 1607 die Gründung der lutherischen Universität Gießen durch Hessen-Darmstadt zur Folge hat.
Der Marburger Erbschaftsstreit zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt zog sich jahrzehntelang hin, brachte Moritz auch in Gegnerschaft zum Kaiser und überlagerte sich ab 1618/19 mit dem dreißigjährigen Krieg, in dem Hessen zu den am stärksten verwüsteten Landschaften gehörte. Moritz agierte durchweg ohne Fortüne und ruinierte sein Land auch finanziell so abgrundtief, dass ihn 1627 die Landstände zur Abdankung zwangen.
Bereits 1623 wurde Moritz der Gelehrte durch Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Dieser verlieh ihm den Gesellschaftsnamen "der Wohlgenannte" und die Devise "in fleißiger Übung". Als Emblem wurde ihm der Spindelbaum (Euonymus europaea L.) zugedacht. Im Köthener Gesellschaftsbuch der Gesellschaft findet sich Landgraf Moritz' Eintrag unter der Nr. 80.
Gut versorgt, zog sich Moritz nach Eschwege zurück. Hier widmete er sich seinen Studien und seiner Familie, während Oberhessen an Hessen-Darmstadt abgetreten wurde und Moritzens Kanzleidirektor Dr. Günther hingerichtet wurde.
Landgraf Moritz starb im Alter von 60 Jahren am 15. März 1632 in Eschwege.
Landgraf (Hessen-Kassel) | Mann | Fruchtbringende Gesellschaft | Geboren 1572 | Gestorben 1632 | Deutscher Komponist | Komponist (Barock)
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