Morges ist eine politische Gemeinde (Commune) im Kanton Waadt in der Schweiz und Hauptort des Distrikts Morges sowie des Cercle de Morges. Der frühere deutsche Name Morsee wird heute nicht mehr verwendet. Auf lateinisch hiess der Ort Morgiis.
Die Fläche des 3.9 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordufer des Genfersees. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer nordwärts über den flachen Uferrandstreifen bis an die Hänge der angrenzenden Hügel. Den zentralen Teil bildet der leicht in den Genfersee vorgeschobene Schwemmkegel der Morges. Westlich ihrer Mündung reicht das Gebiet bis auf die Geländeterrasse von Tolochenaz. Im Norden gehören die Hänge des Plateaus von Echichens zu Morges, hier wird mit 468 m ü. M. der höchste Punkt des Stadtgebietes erreicht. Die östliche Begrenzung bildet die Mündung des Baches Bief. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 72 % auf Siedlungen, 4 % auf Wald und Gehölze, 23 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Zu Morges gehören ausgedehnte neue Wohnquartiere und Gewerbezonen sowie der Weiler Marcelin (428 m ü. M.) am Südhang des Plateaus von Echichens. Nachbargemeinden von Morges sind Tolochenaz, Chigny, Vufflens-le-Château, Echichens, Lonay und Préverenges. Über dem Genfersee grenzt Morges an Frankreich.
Das Stadtgebiet wird in die Altstadt am Seeufer, die neueren Viertel zwischen der Altstadt und der Eisenbahnlinie sowie die äusseren Wohngebiete nördlich der Hauptverkehrsstränge Eisenbahn und Autobahn untergliedert. Das Siedlungsgebiet von Morges ist heute lückenlos mit denjenigen von Tolochenaz, Lonay und Préverenges zusammengewachsen.
Die Partnergemeinde von Morges ist das in Frankreich liegende Vertou.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 3241 |
| 1900 | 4421 |
| 1910 | 4564 |
| 1930 | 5047 |
| 1950 | 6456 |
| 1960 | 8420 |
| 1970 | 11931 |
| 1980 | 13057 |
| 1990 | 13891 |
| 2000 | 14154 |
Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich Morges mit dem Bau des Entrerocheskanals zu einem bedeutenden Handels- und Umladeplatz am nördlichen Genferseeufer für Güter wie Salz, Getreide, Wein und Ziegel. Auf dem Hafengelände befand sich von 1873 bis 1889 die Werft der Compagnie Générale de Navigation (CGN), danach wurde sie nach Ouchy (Lausanne) verlegt.
Die Ansiedlung neuer Industriebetriebe und die Ausdehnung der Gewerbezonen erfolgte ab den 1960er Jahren mit dem Bau der Autobahn. Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören die Nahrungsmittelindustrie, der Metallbau und der Maschinenbau. Ortsansässige Betriebe sind die auf internationale Transporte spezialisierte Friderici SA, die Firma Oulevay (Herstellung von Kleingebäck), die Friederich SA (Maschinenbau) und die Giesserei Neeser.
Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im Dienstleistungssektor, unter anderem in der Bezirks- und Stadtverwaltung, im Bezirksspital sowie im touristischen Bereich vorhanden. Seit 1990 befindet sich das Centre informatique et électronique de Morges (CIEM) in der Stadt.
Am nördlichen Stadtrand befindet sich die kantonale Landwirtschaftsschule Marcelin, neben der von 2000 bis 2003 das neue Gymnasium erbaut wurde. Im weiteren besitzt Morges eine Eishalle, ein Hallenbad, einen Bootshafen und einen Campingplatz.
Die erste Eisenbahnstrecke erreichte Morges am 1. Juli 1855 mit der Eröffnung der Linie Renens – Morges. Rund drei Jahre später, am 14. April 1858, wurde die westliche Fortsetzung, der Abschnitt von Morges nach Coppet eingeweiht. Nach der Eröffnung der gesamten Strecke von Lausanne nach Genf im Jahr 1858 kam die bis dahin bedeutende Handelsschifffahrt auf dem Genfersee zum Erliegen. Der SBB-Bahnhof ist auch der Ausgangspunkt der am 1. Juli 1895 in Betrieb genommenen Schmalspurbahn Chemin de fer Bière-Apples-Morges.
Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen zahlreiche Postautolinien, die ihren Anfang am Bahnhof von Morges nehmen. Busverbindungen gibt es mit Ecublens, Apples, Lavigny, Cossonay und (zu gewissen Zeiten) mit Le Pont im Vallée de Joux. Ferner ist Morges eine wichtige Station der Personenschifffahrt auf dem Genfersee.
Morges.jpg Der nordöstlich des Schlosses entstandene Marktflecken besass seit seiner Gründung das Stadtrecht. Morges war von 1359 bis 1536 zeitweise Residenz der Grafen und Herzöge von Savoyen. Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 wurde Morges Hauptort und das Schloss Amtssitz der gleichnamigen Vogtei. Die Vogtei Morges umfasste in der Berner Zeit neben dem Gebiet des heutigen Bezirks Morges auch die Gebiete der Bezirke Cossonay und Rolle sowie Teile des Bezirks Aubonne. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Morges im 17. und 18. Jahrhundert als wichtiger Handelsplatz und Standort der Berner Genferseeflotte. 1672 erfolgte die Gründung einer Seefahrtsschule, und von 1691 bis 1696 wurde unter der Aufsicht von Bern ein 16000 m² grosser Hafen für die Kriegsflotte angelegt.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde die Stadt Hauptort des Bezirks Morges. Ein weiterer Aufschwung erfolgte im Lauf des 19. Jahrhunderts mit dem Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz.
Morges chateau ag1.jpg Südwestlich der Altstadt steht das mächtige Schloss, das 1286-91 in der Form eines Carré savoyard erbaut wurde. Der regelmässige viereckige Bau mit drei kleineren runden Ecktürmen und dem grossen runden Nordturm als Donjon erhielt seine heutige Gestalt im 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Revolution ist das Schloss im Besitz des Kantons Waadt und diente zunächst als Zeughaus. Seit 1932 beherbergt das Schloss das Waadtländer Militärmuseum.
In der Altstadt befindet sich das spätgotische Hôtel de Ville (Rathaus), das 1518-20 erbaut wurde. Es besitzt einen sechseckigen Treppenturm, ein Barockportal und einen prunkvollen Ratssaal aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Daneben steht ein Renaissancebau, der 1620 als Erweiterung des Rathauses erstellt wurde und heute als Polizeigebäude dient.
Zahlreiche weitere Bürger- und Patrizierhäuser in der Altstadt stammen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Dazu gehören das Haus Blanchenay, das 1670 barockisiert wurde und heute das Musée Alexis Forel beherbergt, das frühklassizistische Haus Monod (1768), die Confiserie Vernet mit spätgotischen Fenstern und das Hôtel de la Couronne (um 1800).
Im späten 19. Jahrhundert wurden die Quaianlagen von Morges neu gestaltet. Die breite Uferpromenade und der 1898 angelegte Parc de l'Indépendance laden zum Flanieren ein.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Morges VD".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world