Die Mordwinen (auch Mordva) sind ein Volk von 1.072.900 Menschen (Volkszählung 1989) der finno-ugrischen Sprachgruppe in Russland, v.a. in der autonomen Republik Mordwinien (Mordowien). Sie gehören zu den Wolga-Finnen und zerfallen in die beiden Hauptgruppen der Ersja (Эрзят, Ersjat) und Mokscha (Мокшот, Mokschot). Sich selbst bezeichen sie jeweils ausschließlich als Ersja oder Mokscha - die Vereinigung zu einem mordwinischen Volk wird von ihnen so nicht akzeptiert und verfügen in ihren Sprachen auch über keine Entprechung für "Mordwinen". Der mitunter verwendete Terminus Mordva ist selbst nur aus dem Slawischen übernommen, hat für die Mordwinen aber keine Bedeutung, statt dessen wird zur Bezeichnung von für beide Gruppen zutreffende Umstände eher der Terminuns mokschersjan verwendet. Weitere Grupen der Mordwinen sind die Schokscha, die allerdings aus nur noch wenigen tausend Menschen besteht sowie Terjuchen und Karataier. Die beiden Letzteren sind bereits seit längerer Zeit vollständig in Russen bzw. Tataren aufgegangen.
Bevölkerung
Innerhalb der Republik Mordwinien leben nur etwa ein Drittel der Mordwinen, und dort stellen sie als
Titularnation lediglich 32,5% der Bevölkerung. Der Rest verteilt sich auf
Samara (Volkszählung 1989: 116 475),
Pensa (86 370),
Orenburg (68 879),
Simbirsk (61 061),
Nischni Nowgorod (36 709),
Saratow (23 381), Republik
Baschkortostan (31 932), Republik
Tatarstan (28 859) und Republik
Tschuwaschien (18 686).
Sprache
Die zwei Gruppen der Ersja und Mokscha sprechen die Hauptdialekte
Ersjanisch und
Mokschanisch, die zusammen die
Mordwinischen Sprachen bilden und untereinander mitunter deutliche Unterschiede aufweisen. Bei der letzten Volkszählung gaben 67% der Mordwinen an, Mordwinisch als Erstsprache zu nutzen, viele Mordwinen sind zwei- oder auch dreisprachig mit
Russisch oder
Tatarisch.
Geschichte und Politik
Im Jahr 551 n. Chr. werden sie erstmal vom
gotischen Historiker Jordanes als
Mordens unter den von
Ermanarich unterworfenen Völkern erwähnt. Vermutlich ab dem 8. Jahrhundert begann die Trennung von Ersja und Mokscha, die relativ früh unter Einfluss der Russen kamen. Mit der Gründung von
Nischni Nowgorod 1221 begannen die Russen verstärkt, in den Kernraum mordwinischer Besiedlung einzudringen. Durch die Auseinandersetzungen zwischen
Russen und
Wolgabulgaren bzw. der
Goldenen Horde verlagerten die Mordwinen ihre Siedlungsräume immer weiter nach Süden und Osten und zersplitterten so über grosse Entfernungen bis östlich des
Ural. Die durch den frühen Einfluss der Russen ohnehin starke
Russifizierung der Mordwinen wurde ab den 1930er Jahren weiter verstärkt, obwohl sie 1928 bereits ein autonomes Gebiet innerhalb der
Sowjetunion erhielten. Als mit dem Zerfall der Sowjetunion die
Minderheiten
Russlands erstmals zu einem Thema wurden begann zwar ein leicht euphorisches neues Nationalbewusstsein bei Ersja und Mokscha. Tatsächlich aber stehen heute die Mordwinen der Thematik eher mit Gleichgültigkeit gegenüber. Obwohl
Ersjanisch und
Mokschanisch neben Russisch die verfassungsmäßigen
Landessprachen in der
Republik Mordwinien sind, werden sie im Alltag kaum gebraucht.
Religion
Die christliche Missionierung dauerte vom
16. Jahrhundert bis in das
18. Jahrhundert an, und heute sind Mordwinen ganz überwiegend
russisch-orthodoxe Christen. Daneben gibt es aber noch einige
Animisten, da die Mordwinen über eine reichhaltige alte
Mythologie verfügen.
Weblinks
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