Mordechai Vanunu (hebräisch מרדכי ואנונו; * 13. Oktober 1954 in Marrakesch) ist ein israelischer Nukleartechniker.
Vanunu ist Sohn jüdisch-marokkanischer Einwanderer. Sein Vater war Rabbiner in Beerscheba. Während einer Australienreise 1986 ist er zum Christentum übergetreten. Vanunu arbeitete von 1976 bis 1985 als Techniker in Israel im von der israelischen Regierung lange geheim gehaltenen Dimona Nuclear Research Center. 1985 wurde er dort entlassen und ging bald darauf mit der Information, dass Israel Atommacht geworden war, an die Öffentlichkeit. Noch bevor die Londoner Sunday Times Vanunus Artikel veröffentlichte, wurde er 1986 unter Zuhilfenahme eines weiblichen Lockvogels vom Mossad nach Rom gelockt, entführt und von dort per Schiff nach Ashdod nach Israel gebracht. Die Entführung erfolgte, ähnlich wie die Entführung Adolf Eichmanns aus Argentinien, ohne Einverständnis des Gastlandes Italien.
Sechs Wochen lang leugnete die Regierung, etwas über Vanunus Verbleib zu wissen, bis es ihm gelang, aus einem Polizeibus heraus Journalisten eine Nachricht zukommen zu lassen, indem er eine heimlich auf seine Handinnenfläche geschriebene Nachricht „Vanunu M - was hijacked - in Rome ITL - 30.9.86 - came to Rome - by BA Fly 504“ an die Fensterscheibe hielt. Wegen Landesverrats und Spionage wurde er schließlich zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er etwa 11 Jahre in Isolationshaft verbrachte.
1987 wurde er mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, 2001 verlieh ihm die Universität Tromsø in Norwegen einen Ehrendoktortitel und im Jahr 2002 erhielt er den Nuclear-Free Future Award in der Kategorie „Widerstand“. Außerdem wurde er während seiner Haft mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert. Im Dezember 2004 wurde er als Rektor der Universität Glasgow (Schottland) gewählt, und 2005 erhielt er den Friedenspreis des norwegischen Volkes.
1998 wurde das „Vanunu-Gesetz“ verabschiedet, welches den Strafvollzugsbehörden erlaubt, auch die an Parlaments-Abgeordnete gerichteten Briefe zu öffnen. Dies war zuvor wegen deren Immunität verboten.
In Israel gilt Vanunu mehrheitlich als Verräter, während er im Ausland ein gewisses Maß an Unterstützung genießt. Gleichzeitig kursiert auch immer wieder die Verschwörungstheorie vom „nützlichen Idioten“, der es Israel ermöglicht, seinen Status als Atommacht publik werden zu lassen, ohne dies offiziell zugeben zu müssen. Zu dieser Lesart würde passen, dass Ende der Achtziger Jahre im Deutschlandfunk eine kurze Meldung um Mitternacht europaweit verlesen wurde, die nicht wiederholt wurde, dass die Streitkräfte Israels im Negev Trägerraketensysteme vom Typ „Jericho 2“ für seine Nuklear-Option bereitgestellt hätte.
Am 21. April 2004 wurde Vanunu unter strengen Auflagen freigelassen. Unter anderem darf er Israel nicht verlassen, darf sich keiner ausländischen Botschaft nähern und muss über geplante Ortswechsel Rechenschaft ablegen. Außerdem darf er weder das Internet noch Handys benutzen, und jeder Kontakt mit ausländischen Journalisten ist ihm verboten. Er befindet sich gewissermaßen immer noch in einer abgeschwächten „Incommunicado-Haft“. Trotz der Auflagen hat er bereits über 100 Interviews gegeben, weswegen er mehrmals inhaftiert wurde. Zurzeit lebt er in der St. Georgs-Basilika in Jerusalem.
Am 11. November 2004 meldete Ha'aretz die Festnahme von Vanunu. Er habe geheime Informationen weitergegeben. Mittlerweile ist er jedoch wieder auf freiem Fuß, die strengen Auflagen wurden allerdings für ein weiteres Jahr verlängert. Zusätzlich wurde gegen ihn im Zusammenhang mit der erneuten Festnahme Anklage in 21 Punkten erhoben.
Mann | Israeli | Physiker (20. Jh.) | Geboren 1954 | Gewaltfreiheit
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