Montreux ist eine Stadt im Bezirk Vevey des Kantons Waadt in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Muchtern wird heute nicht mehr verwendet. Die Stadt liegt am Genfersee und ist bekannt für ihre aussergewöhnliche Lage im Schutz von 2000 Meter hohen Berggipfeln, ihr mildes Klima und ihre subtropische Vegetation an der Uferpromenade. Montreux ist ausserdem als Fremdenverkehrsort und Musikstadt von internationalem Ruf bekannt sowie als Austragungsort des Montreux Jazz Festival.
Die Fläche des 33.4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Ostufer des Genfersees (rund 5.5 km Seeuferlinie). Das Seeufer wird durch die beiden Schwemmkegel der Baye de Clarens und der Baye de Montreux und die dazwischen liegende Bucht gegliedert. Im nordwestlichen Gemeindegebiet bei Clarens schliessen an den See relativ sanft geneigte Hänge an, ansonsten steigt das Gelände hinter dem schmalen Uferrandstreifen rasch an und erreicht auf dem Cubly bereits eine Höhe von 1188 m ü. M.
MontreuxBeiNacht.jpg Der östliche, voralpine Teil des Gemeindebodens weist grosse Reliefunterschiede auf und wird durch das Tal des Wildbachs Baye de Montreux entwässert, die nur wenige hundert Meter östlich des Stadtzentrums durch die Schlucht Gorge du Chauderon fliesst. Dieses Tal wird im Norden von den Waldhöhen Le Cubly und Les Avants flankiert; nördlich davon befindet sich das Tal der Baye de Clarens, welche zusammen mit den Bergen Le Folly (1730 m ü. M.) und Le Molard (1752 m ü. M.) die Nordgrenze bildet. Südlich des Wildbachtals der Baye de Montreux gehören die Höhen von Glion und Caux zu Montreux, während die Südgrenze entlang des Baches Veraye verläuft.
Nach Osten erstreckt sich der Gemeindeboden auf den Kamm der aus Kalkstein bestehenden Kette der Rochers de Naye. Wenig nördlich des Gipfels der Rochers de Naye wird mit 2025 m ü. M. der höchste Punkt von Montreux erreicht. Nördlich davon schliessen sich die Kalkstöcke Dent de Jaman (1875 m ü. M.) sowie Corbe (1898 m ü. M.) und Cape au Moine (1941 m ü. M.) an; dazwischen liegt der Passübergang Col de Jaman (1512 m ü. M.). Diese Kette bildet die europäische Hauptwasserscheide zwischen Rhône und Rhein. Ein kleiner Gemeindeteil umfasst die Alp Jaman östlich des gleichnamigen Passes, die bereits im Einzugsgebiet des Hongrin, eines Zuflusses der Saane, liegt. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 17 % auf Siedlungen, 49 % auf Wald und Gehölze, 27 % auf Landwirtschaft und rund 7 % war unproduktives Land.
Nachbargemeinden von Montreux sind Veytaux, La Tour-de-Peilz und Blonay im Kanton Waadt sowie Haut-Intyamon im Kanton Freiburg.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1764 | 2103 |
| 1798 | 2527 |
| 1850 | 3181 |
| 1900 | 13519 |
| 1910 | 17850 |
| 1920 | 16007 |
| 1930 | 17662 |
| 1941 | 14482 |
| 1950 | 16730 |
| 1960 | 17729 |
| 1970 | 20421 |
| 1980 | 19685 |
| 1990 | 22917 |
| 2000 | 22454 |
Bei den Wahlen im Jahr 2001 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Die sieben amtierenden Gemeinderäte sind:
An den optimal besonnten Hängen oberhalb von Clarens sowie bei Chailly und Brent wird auf zahlreichen kleineren Rebflächen Weinbau betrieben. In den höher gelegenen Gebieten herrschen der Ackerbau, die Milchwirtschaft und Viehzucht vor. In den Voralpen besitzt Montreux auch ausgedehnte Alpweiden.
Montreux-Casino.jpg Die Industrialisierung vollzog sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Montreux wurde nie eine eigentliche Industriestadt, die Industrie deckte hauptsächlich den touristischen Bedarf ab. So liessen sich vor allem Holzverarbeitungsbetriebe und Hersteller von exklusiven Möbelstücken, Silberschmieden, die Schmuckwarenindustrie, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Schokolade) und Druckereien nieder. Noch heute haben die Zulieferbetriebe für die Hotelbranche einen wichtigen Stellenwert, neben dem Druck- und Verlagswesen sowie der Herstellung von Laborausrüstungen und audiovisuellen Apparaten.
Die Beschäftigten des tertiären Sektors verteilen sich auf die Hotel- und Gastronomiebranche, die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen, die Bildungseinrichtungen und den medizinischen Bereich. Montreux mit seinen beiden Höhenkurorten Glion und Caux verfügt über zahlreiche Privatkliniken und Seniorenheime. Caux ist seit 1946 Standort des "Konferenzzentrums für Moralische Aufrüstung".
Heute ist die Uferpromenade eine der Hauptattraktionen der Stadt. Hier stehen die Hotelpaläste, das Casino und das Kongresszentrum; man geniesst einen herrlichen Ausblick auf den Genfersee mit dem Massiv des Grammont und den Zacken der Dents du Midi.
Von 1954 bis 2003 war Montreux auch Austragungsort des internationalen Fernsehfestival Rose d'Or (jährlich im Frühling). Seit 2004 findet es in Luzern statt.
Die Stadt besitzt mehrere Museen, darunter das Musée de Montreux, seit 1920 in einer Gruppe von Winzerhäusern im Ortsteil Sâles untergebracht, das Schweizerische Museum für Ton und Bild (Musée national suisse de l'audiovisuel, kurz Audiorama genannt) in Territet und das Nouveau Musée Ruzo (ebenfalls in Territet). Das Maison Visinand dient als Kultur- und Freizeitzentrum.
Der Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz erfolgte am 2. April 1861, als der Abschnitt Lausanne-Villeneuve der Bahnlinie nach Sion eröffnet wurde. Neben dem Bahnhof von Montreux gibt es weitere Bahnhöfe in Clarens und Territet. Als nächstes folgte die Inbetriebnahme der Standseilbahn Territet-Glion im Jahr 1883. Als Fortsetzung wurde 1892 die Zahnradbahn von Glion via Caux auf die Rochers de Naye eingeweiht. Deren Verlängerung bis nach Montreux hinunter erfolgte erst am 8. April 1909. Am 18. Dezember 1901 wurde auch der Abschnitt Montreux-Les Avants der Montreux-Oberland Bernois-Bahn in Betrieb genommen. 1910 schliesslich wurde die Standseilbahn von Les Avants nach Sonloup eingeweiht. Im Bahnhof von Montreux treffen sich heute Eisenbahnen mit drei unterschiedlichen Spurweiten. Die Normalspur der SBB, die Meterspur der MOB, sowie die 800 mm-Schmalspur der MTGN.
Ab 1888 verkehrte entlang des Seeufers die Tramway Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve, eine elektrische Strassenbahn. Sie war die erste elektrisch betriebene Bahn der Schweiz und wurde 1957 durch eine Trolleybuslinie ersetzt. Weitere Buslinien der Gesellschaft Transports publics Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve erschliessen die Dörfer und Weiler an den Hängen oberhalb von Montreux.
Ab 1898 fuhr auch die Trait-Planches-Zahnradbahn, welche bereits 14 Jahre später ihren Betrieb nach einem eigentlich glimpflich abgelaufenen Unfall einstellen musste.
Im Mittelalter gehörte das Gebiet von Montreux vorerst der Abtei Saint-Maurice im Wallis, später kam es an den Bischof von Sitten (franz. Sion), der die grosse Pfarrei von Montreux gründete. Der Name der Stadt stammt ursprünglich vom lateinischen Wort monasterium (Kloster) ab. Im Jahr 1295 kam das Gebiet an Girard von Oron. 1317 wurde die Teilung von Montreux besiegelt, als die Herren von Oron die südlichen Teile (Les Planches und Veytaux) an den Grafen von Savoyen verkauften. Der nördliche Teil (später die Herrschaft Le Châtelard) blieb als savoyisches Lehen zunächst in den Händen der Herren von Oron, ging später aber infolge einer Heirat an die Familie La Sarraz über.
Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 gelangten beide Teile unter die Verwaltung der Vogtei Chillon, die 1735 in Vogtei Vevey umgetauft wurde. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörten Le Châtelard, Les Planches und Veytaux von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurden die Gemeinden dem Bezirk Vevey zugeteilt.
Montreux-Palace.jpg Schon Mitte des 18. Jahrhunderts erlangte Montreux einen gewissen Bekanntheitsgrad durch den Aufenthalt von Jean-Jacques Rousseau und später von Lord Byron. Der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung begann nach 1850 mit der verbesserten Verkehrsanbindung, dem Bau zahlreicher Hotels, Pensionen und Sanatorien (für Lungenkranke). Es gab erste grössere kulturelle Veranstaltungen, darunter das Narzissenfest, das von 1897 bis 1957 durchgeführt wurde. Der Höhepunkt als Touristenziel wurde um 1910 erreicht. Einen Einbruch erlebte die Hotellerie im Ersten Weltkrieg und später auch im Zweiten Weltkrieg. Viele Hotels mussten in diesen Zeiten schliessen und wurden teilweise in Appartementswohnungen umgewandelt. Mit der Lancierung von neuen Festivals, nämlich dem Septembre Musical (seit 1946) und dem Festival der Goldenen Rose (seit 1954) erlangte Montreux erneut internationalen Ruf. 1967 wurde von Claude Nobs, einem Mitarbeiter der Tourismusbehörde, das Montreux Jazz Festival ins Leben gerufen, das jedes Jahr 200'000 Besucher anlockt. 1990 erhielt die Stadt den Wakkerpreis als Anerkennung für die Erhaltung der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Tourismusinfrastruktur.
Erst 1953 erschien der Name Montreux auch an prominenter Stelle in den politischen Gemeindekarten. Damals wurde Le Châtelard-Montreux umgetauft in Montreux-Châtelard und Les Planches erhielt den offiziellen Namen Montreux-Planches. Am 1. Januar 1962 wurde schliesslich die Fusion von Montreux-Châtelard mit Montreux-Planches zur neuen Gemeinde mit dem Namen Montreux vollzogen. Die Bewohner von Veytaux lehnten die Fusion 1961 ab, weshalb das Dorf weiterhin eine selbständige Gemeinde blieb.
Auf einer Anhöhe oberhalb von Clarens steht das Schloss Châtelard, das 1441 erbaut, 1476 von den Eidgenossen teilweise zerstört und danach wiederaufgebaut wurde. Es besitzt einen massiven viereckigen Bergfried (Wohnturm) mit einem Pechnasenkranz aus Backstein, der an den norditalienischen Stil erinnert. Der Wohnturm wurde im 17. Jahrhundert umfassend restauriert und umgestaltet und weist eine reiche Innenausstattung aus dieser Zeitepoche auf.
In Montreux und Clarens befinden sich zahlreiche bemerkenswerte Hotel- und Wohnbauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem frühen 20. Jahrhundert. Dazu gehören das Montreux-Palace (1904), das Grand Hôtel in Territet (1887), das Palace Hotel in Caux (1902), die Villa Karma (1904-06) und die Villa Chartran.
Drei Kilometer südöstlich von Montreux befindet sich das Schloss Chillon.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Waadt | Schweizer Gemeinde
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