| Flag of Montenegro.svg | Coat of arms of Montenegro.svg | (Details) | (Details) |
Montenegro, serbisch Crna Gora/Црна Гора, ist ein Staat in Südosteuropa. Montenegro liegt an der Adria und grenzt an Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Albanien.
Hauptartikel: Geographie Montenegros
Der montenegrinische Landesname Crna Gora bedeutet wörtlich ‚Schwarzer Berg‘ und bezieht sich auf das gebirgige Land, was zum internationalen Namen Montenegro geführt hat. Montenegro stammt nicht – wie häufig angenommen – aus dem Italienischen (wo es Monte nero heißen würde), sondern aus dem Venezianischen.
Montenegro ist ein im europäischen Vergleich relativ dünn besiedeltes Gebirgsland in den Südost-Dinariden. Es besitzt eine steil abfallende und durch Buchten (Bucht von Kotor) gegliederte Küste am Mittelmeer (Adria). Insbesondere ist die karge Karstregion in Westmontenegro (Orjen, Lovćen) sehr dünn besiedelt. Hier bieten nur wenige Poljen etwas landwirtschaftlich nutzbaren Boden (Grahovo, Cetinje).
Gegen Norden finden sich die höchsten Erhebungen Montenegros und des gesamten Dinarischen Gebirges. Hier liegen die zentralen Hochgebirgsmassive, der Durmitor mit dem höchsten Berg Montenegros, dem Bobotov Kuk (2.522m), und das Prokletije Massiv.
Hauptartikel: Geschichte Montenegros
Montenegro war vom Berliner Kongress von 1878 bis 1918 ein eigenständiges Fürstentum (mit der Hauptstadt Cetinje), seit 1910 Königreich, und wurde daraufhin in das Königreich Jugoslawien eingegliedert. In der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien war Montenegro von 1945 bis 1992 eine der Teilrepubliken. Montenegro war damals auch der erste Staat, welcher mit Serbien in ein Bündnis trat. Nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens bildete Montenegro die kleinere Teilrepublik der Bundesrepublik Jugoslawien. Am 4. Februar 2003 wurde aus der Bundesrepublik Jugoslawien die staatliche Gemeinschaft Serbien und Montenegro, in der Montenegro der kleinere Teilstaat war.
Am 21. Mai 2006 wurde eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Staates Montenegro abgehalten. Mit einer Mehrheit von 55,5 Prozent entschieden sich die Wahlberechtigten für eine Loslösung von Serbien. Das waren nur ein halber Prozentpunkt mehr, als die EU zur Anerkennung gefordert hatte. Die Wahlbeteiligung lag bei 86,3 Prozent. Der endgültige Zerfall Jugoslawiens wurde somit besiegelt, da auch der letzte verbliebene Staatenbund zerfiel. Die EU ließ durch den Außenbeauftragten Javier Solana bekräftigen, dass das Ergebnis des Referendums vollständig respektiert werden wird. Die formale Unabhängigkeitserklärung durch das montenegrinische Parlament erfolgte in einer Feierstunde am 3. Juni 2006.
Serbien ist alleiniger Rechtsnachfolger der Union. Montenegro als der ehemalige Teilstaat, der aus der Union ausgetreten ist, musste/muss daher sein diplomatisches Netz und seine Mitgliedschaft in internationalen Organisationen erst neu aufbauen. Als erstes Land hat Island am 8. Juni 2006 Montenegro anerkannt. Die Schweiz und Russland folgten kurz darauf. Einige Staaten, insbesondere die Mitglieder der EU, hielten sich mit der Anerkennung Montenegros zurück, bis die EU am 12. Juni durch die Außenministerkonferenz Montenegro anerkannte. Am 15. Juni 2006 erfolgte schließlich die Anerkennung durch Serbien.
Die OSZE nahm Montenegro am 21. Juni 2006 auf. Am 28. Juni 2006 wurde Montenegro als 192. Mitglied in die UNO aufgenommen. Die diplomatische Anerkennung Montenegros durch die meisten Staaten der Welt ist daher nur noch eine Frage der Zeit. Perspektivisch strebt Montenegro den Beitritt zu NATO und EU an.
Ebenso gibt es bei der größten Minderheit, den vor allem im Norden des Landes (dem montenegrinischen Teil des Sandschak) lebenden Bosniaken bzw. Slawischen Muslimen unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich der Bezeichnung ihrer Nationalität.
Die zweitgrößte Minderheit bilden die Albaner, die vor allem in den Gebieten längs der Grenze zu Albanien und zum Kosovo leben und in manchen Städten wie Ulcinj die Bevölkerungsmehrheit bilden.
Ethnische_Karte_Montenegros.PNG Zusammensetzung der Bevölkerung nach individueller Präferenz laut Ergebnis der Volkszählung von 2003:
Die Amtssprache Montenegros ist laut der aktuellen Verfassung aus dem Jahr 1992 die ijekavische (westliche) Variante des Serbischen. Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet (vor allem im Norden) sind im Gebrauch.
Hinsichtlich des Namens der Sprache gibt es unter der Bevölkerung ebenso wie hinsichtlich der Nationalitätenbezeichnung unterschiedliche Meinungen. In der Volkszählung von 2003 gaben 59,67 Prozent der Bevölkerung Serbisch und 21,53 Prozent Montenegrinisch als ihre Muttersprache an.
Die meisten Einwohner Montenegros gehören der orthodoxen Konfession an, die jedoch in miteinander im Streit liegende Kirchen gespalten ist. Auf der einen Seite stehen die zur Serbisch-orthodoxen Kirche gehörigen Bistümer, auf der anderen die 1993 gegründete autokephale und international nicht anerkannte Kirche Montenegros. Neben den Orthodoxen gibt es eine rund 10 Prozent der Bevölkerung umfassende muslimische Minderheit und vor allem in den Küstenstädten einige Tausend Katholiken. Die Angehörigen verschiedener protestantischer Gemeinschaften zählen jeweils weniger als 1.000 Mitglieder.
Zu den wichtigsten Bodenschätzen zählen Bauxit, Eisenerz und Braunkohle, in der Industrie gehören die Tabak- und Salzverarbeitung zu den bedeutenden Produktionszweigen. In der Agrarwirtschaft werden vor allem Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Tabak, Wein, Zitrusfrüchte, Oliven und Feigen angebaut. Außerdem spielt in Montenegro der Tourismus eine entscheidende Rolle (15 Prozent des erwirtschafteten BIPs), es ist laut WTTC (World Travel & Tourism Council) seit Jahren das wachstumsstärkste Reiseland weltweit.
Als Landeswährung wird der Euro verwendet. Seit 2006 werden erstmals wieder eigene Briefmarken herausgegeben, die letzten gab es 1913.
Die Vergangenheitsbewältigung bezüglich der Jugoslawienkriege und die Bemühungen um eine Normalisierung der Beziehungen zu Bosnien und Herzegowina und Kroatien sind im Vergleich zu Serbien deutlich fortgeschritten: Der damalige montenegrinische Präsident Milo Đukanović entschuldigte sich mehrmals für die Teilnahme montenegrinischer Soldaten am Krieg gegen Kroatien (insbesondere am Angriff gegen Dubrovnik und Konavle). Im Jahr 2005 wurden erste (wenn auch symbolische) Zahlungen als Entschädigung für Plünderungen und Verwüstungen in Kroatien vereinbart. (siehe auch: Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens)
Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober 2002 ging das Bündnis "Demokratische Liste für ein europäisches Montenegro", welches von der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten Montenegros (DPS) geleitet wurde, als Sieger hervor. Es erhielt knapp 48 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament. Die pro-serbische Sozialistische Volkspartei (SNP) kam mit ihrem Bündnis "Koalition für Veränderungen" auf gut 38 Prozent.
2002 bzw. 2003 kam es zwischen dem damaligen Premierminister Filip Vujanović und dem Präsidenten Milo Đukanović zu einem Ämtertausch.
Am 12. Juli 2004 beschloss die montenegrinische Regierung die traditionelle Flagge Montenegros, sowie die neue Staatshymne Oj svijetla majska zoro. Der Text der neuen Hymne, der für Kontroversen sorgt, stammt von Sekula Drljević und wurde 1937 verfasst.
1993 wurde in Montenegro die alte, nach der 1918er Vereinigung mit Serbien eingestellte, "Montenegrinisch-Orthodoxe Kirche" parallel zur Serbisch-Orthodoxen Kirche eingerichtet. Jene wurde am Ende der 1990er-Jahre auch offiziell vom Staat anerkannt und wird von einem Großteil der orthodoxen Montenegriner unterstützt.
Spitzenpolitiker der regierenden Partei DPS plädierten seit langem für die Unabhängigkeit Montenegros, was von Serbien und der Europäischen Union abgelehnt wurde. Auf massivem Druck der EU kam im Jahre 2003 eine Einigung zustande, derzufolge Montenegro bis 2006 in einem gemeinsamen Staatenbund mit Serbien verbleiben sollte, dann aber eine Volksabstimmung über die Auflösung des Staatenbundes stattfinden könne.
Am 21. Mai 2006 fand nun ein Referendum über die staatliche Unabhängigkeit Montenegros statt. Darauf hatten sich die Regierung und die Opposition nach längerem Streit geeinigt. Zuletzt nahmen beide den Vorschlag der EU an, der eine 55-Prozent-Mehrheit der Wahlbeteiligten bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent für eine Unabhängigkeit erforderlich macht. Bei einer sehr hohen Wahlbeteiligung wurde die notwendige 55-Prozent-Mehrheit mit einem Ergebnis von 55,5 % knapp überschritten. Das letzte, im Jahr 1993 abgehaltene Referendum ging noch zugunsten eines Verbleibs bei Serbien aus. Kroatien und die UNO gratulierten bereits am Tag nach der entscheidenenden Wahl Montenegro zur Unabhängigkeit. Am 3. Juni 2006 wurde diese durch die Unabhängigkeitserklärung des montenegrinischen Parlaments vollzogen.
Wahlbeobachter der OSZE bezeichneten die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ablauf des Referendums als "weitgehend übereinstimmend mit internationalen Standards für Wahlvorgänge". Die Opposition bemängelte jedoch, daß das Wahlrecht mit dem Hauptwohnsitz des potentiellen Wählers verknüpft war, wodurch etwa 250.000 Montenegriner mit ständigem Wohnsitz in Serbien vom Referendum ausgeschlossen waren, bei insgesamt lediglich 484.718 registrierten Wählern.
| Präsidenten der Republik Montenegro (Amtssitz in Cetinje) |
Montenegro ist in 21 (Groß-)Gemeinden (opštine, Sg. opština) gegliedert, wobei Niksic nach Fläche und Podgorica nach Bevölkerung die größte ist.
| Gemeinde | km² | Einwohnerzahl (VZ 2003) |
| Andrijavica | 283 | 6.384 |
| Bar | 598 | 45.223 |
| Berane | 717 | 40.885 |
| Bijelo Polje | 924 | 57.124 |
| Budva | 122 | 16.095 |
| Cetinje | 910 | 18.749 |
| Danilovgrad | 501 | 16.400 |
| Herceg Novi | 235 | 33.971 |
| Kolašin | 897 | 9.975 |
| Kotor | 335 | 23.481 |
| Mojkovac | 367 | 10.274 |
| Nikšić | 2.065 | 76.671 |
| Plav | 486 | 21.604 |
| Pljevlja | 1.346 | 36.918 |
| Plužine | 854 | 4.294 |
| Podgorica | 1.441 | 179.403 |
| Rožaj | 432 | 27.562 |
| Šavnik | 553 | 2.972 |
| Tivat | 46 | 13.991 |
| Ulcinj | 255 | 26.435 |
| Žabljak | 445 | 4.245 |
| gesamt | 13.812 | 672.656 |
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