article

Mont ventoux von suedwesten.jpg Der Mont Ventoux ist ein einsam aufragender, 1.912 m hoher Berg in der französischen Provence (Département Vaucluse). Sein Name leitet sich wohl von *went, der frühkeltischen Bezeichnung für "Berg" ab. In Anlehnung an das französische Wort "vent" (Wind) wird häufig auch die Interpretation "Windiger Berg" genannt, die sich auf die oft extremen Windverhältnisse auf dem Gipfel bezieht.

Geschichte und Geographie


Provence ventoux gipfel sued1.JPG

Am 26. April 1336 wurde der Mont Ventoux von dem Dichter Francesco Petrarca (1304-1374) bestiegen. Seine Schilderung des Aufstiegs gilt als Dokumentation der Geburtsstunde des Alpinismus, da hier erstmals das Bergsteigen als Selbstzweck dargestellt wird:

Ventoux_Nordseite_Schnee_unterhalb_des_Gipfels.jpg

“Den höchsten Berg dieser Gegend, den man nicht unverdient Ventosus, den Windumbrausten, nennt, habe ich am heutigen Tage bestiegen, einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen.“ (Quelle: Helmuth Zebhauser: Frühe Zeugnisse der Alpenbegeisterung. München 1986)

Auf Francesco Petrarca folgten zahlreiche Nachahmer, darunter der Dichterfürst der Provence Frédéric Mistral. Dem französischen Universalgelehrten Jean-Henri Fabre diente der Berg als biologisches Freiland-Labor quasi direkt vor seiner Haustür, denn an seinen Hängen vereinigt der Ventoux alle europäischen Klima- und Vegetationszonen vom Mittelmeer bis Lappland.

Das immense Kalkschotterfeld direkt unterhalb des Gipfels wurde erst durch die Rodung des Berges freigelegt. Wie anderenorts in der Provence hatte man den ehemals üppigen Baumbestand zum Bau der Seeflotten der "anciens régimes" gerodet. Die Hänge des noch zu Zeiten Jean-Henri Fabres als "nackter" oder "rasierter" Berg bezeichneten Ventoux sind heute aufgeforstet. Einzelne Vertreter der ursprünglichen Vegetation werden intensiv gepflegt und sind zum Beispiel bei einem Spaziergang entlang des GR 9 auf der Nordseite zu bewundern.

Tourismus


Ventoux Nordseite Schoener Blick Zu Den Alpen.jpg

Die aus vielen Blickrichtungen kegelförmig scheinende, weithin sichtbare und imposante Gestalt des Berges, hat ihm in den Augen vieler Einheimischer und Besucher besondere Bedeutung verliehen.

Der "heilige Berg" der Provence ist ein beliebtes Ziel von Autotouristen, die von Malaucène, Sault oder Bedoin aus den Gipfel erreichen. Gleichzeitig ist der Berg auch eine besondere Attraktion für Radfahrer, sodass beim Befahren der Straßen besondere Rücksicht erforderlich ist.

Für Wanderer bieten sich immer noch viele Möglichkeiten, den Mont Ventoux abseits der Touristenstraße zu erforschen. Zwei der für Frankreich typischen Fernwanderwege ("sentiers de grande randonnée"), der GR 9 und der GR 4, kreuzen sich am "Balcon Nord" des Mont Ventoux.

Bis in den Mai hinein kann es auf dem Ventoux schneien. Das ganze Jahr hindurch muss man allerdings mit einem starken und besonders im Sommer sehr kalt wirkenden Wind rechnen.

Der Gipfel ist einer der wenigen Orte, von denen man bei sehr gutem Wetter gleichzeitig das Mittelmeer und die höchsten Gipfel der Alpen und der Pyrenäen sehen kann. Die UNESCO erklärte 1990 den Mont Ventoux zum Biosphärenreservat, um das Überleben der Pflanzenvielfalt langfristig zu sichern.

Radsport-Anstieg


Der Ventoux ist von drei Seiten aus zu erreichen. Der schwerste der Anstiege (von Bedoin im Südwesten) überwindet auf rund 21 km mehr als 1.600 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,6 Prozent. Hier werden auch Automobil-Bergrennen ausgetragen, jedoch nicht mehr ganz bis zum Gipfel, sondern nur noch bis zum Chalet Reynard. Da der Mont Ventoux auch überschritten werden kann, hat der Gipfel auch einen Passnamen: "Col des Tempêtes" (Pass der Stürme). Die Ostseite ist die leichteste (26 km / 1.150 hm / 4,5% / 1. Kategorie).

1951 stand der Mont Ventoux erstmals bei der Tour de France auf dem Streckenplan. Obwohl er bis heute erst 13 Mal erklommen wurde (zuletzt 2000 und 2002), hat er sich zu einem der legendärsten Gipfel der Tour entwickelt und gehört mit dem Col du Galibier, dem Col du Tourmalet und L'Alpe d'Huez zu den „heiligen Bergen“ der Frankreich-Rundfahrt. Neben der schweren Steigung ist der Mont Ventoux bei den Radrennfahrern vor allem wegen seiner kahlen Kuppe gefürchtet, da im Sommer eine mörderische Hitze mit einem starken Wind vorherrscht.

1967 gelangte der Mont Ventoux zu trauriger Berühmtheit: Am 13. Juli brach der englische Radprofi Tom Simpson kurz vor dem Gipfel erschöpft zusammen und verstarb noch an der Unglücksstelle. Es stellte sich heraus, dass Simpson, ein starker Klassikerfahrer, eine hohe Dosis von Amphetaminen und wohl auch Alkohol zu sich genommen hatte.

Drei Jahre später, 1970, gewann Eddy Merckx auf dem Weg zu seinem zweiten Toursieg die Ventoux-Etappe, hatte sich beim Anstieg aber so verausgabt, dass er nach dem Ziel einen Schwächeanfall erlitt und Sauerstoff verabreicht bekommen musste.

Auch vielen Radamateuren wird der Berg zum Verhängnis: jährlich sterben nach Angaben der örtlichen Behörden ca. 10-20 der sich am Berg versuchenden Sportler durch Überforderung oder Unfälle.

Die Etappensieger am Mont Ventoux:

Führende bei Überquerungen:

Weblinks


Eintausender | Berg in den Alpen | Berg in Frankreich | Tour de France

Mont Ventoux | Mont Ventoux | Mont Ventoux | Mont Ventoux | モン・ヴァントゥ | Mont Ventoux | Mont Ventoux | Mont Ventoux

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Mont Ventoux".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld