Der Mondkalender ist eine Kombination aus einem Lunarkalender mit einem Interpretationssystem, dass sich aus der frühen Astronomie herleitet und heute in der Astrologie Verwendung findet.
Schon seit Jahrhunderten finden bestimmte Mondperioden (zu- und abnehmend, auf- und absteigend) bei den land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten in und mit der Natur Beachtung. Nach alter Überlieferung sollte man bestimmte Arbeiten stets zum richtigen Zeitpunkt erledigen, da es je nach Anwendung sowohl „günstige“ wie auch „ungünstige“ Zeitpunkte gibt.
Seit etwa den 1980er Jahren erfährt die Beachtung dieser Zeitqualität über die im Handel erhältlichen Mond- oder Aussaatkalender zunehmenden Anklang. Diese Werke sind hinsichtlich der Beachtung der Mondkonstellationen teilweise sehr detailliert ausgearbeitet. In Rahmen dieser neuen Renaissance werden diese Kalender auch in – über die ursprüngliche Verwendung hinausgehendem – anderem Zusammenhang benutzt.
Folgende Mondperioden sind – je nach Volksglauben oder Astrologischer Schule – für das Pflanzenwachstum relevant:
Beispiele für Beurteilungen nach astrologischen Aspekten:
Innerhalb der mondbezogenen Agrarforschung gibt es erhebliche Unstimmigkeiten in der Methodik, die Tierkreiszeichen und Sternbilder mit dem siderischen Monat zu korrelieren: Auf der einen Seite stehen die Erfahrungen von Thun (2001), auf der anderen Seite Untersuchungen, die überwiegend die Thun’schen Versuchsergebnisse nicht nachvollziehen konnten. Spiess (1994) konnte in seinen mehrjährigen Versuchen die Thun’schen Aussaat-Empfehlungen zu lunaren Rhythmen nicht bestätigen. Er führt dies darauf zurück, dass Frau Thun sich nach den Sternbildern, er hingegen – wie auch Paungger & Poppe (1991) – sich nach den Tierkreiszeichen ("Sternzeichen") richtet. Zwischen Sternbildern und Tierkreiszeichen besteht aber derzeit ein Unterschied von etwa 30 Bogengraden (siehe Präzession, Zyklus der Präzession), was beim Mondumlauf einen Zeitunterschied von durchschnittlich 2,3 Tagen ausmacht.
Es gibt es also derzeit zwei widersprüchliche vorherrschende Betrachtungsweisen: Thun orientiert sich an der indischen Astrologie (sog. „siderischer“ Tierkreis), Paungger & Poppe dagegen am Analogieprinzip der westlichen Astrologen und damit an den Tierkreiszeichen (sog. „tropischer“ Tierkreis).
Ein Beispiel aus dem Mondkalender 2001: Nach Paungger & Poppe stünde in Deutschland ein zunehmender Mond vom 4. April 20 Uhr bis 6. April 23 Uhr (also gut 2 Tage lang) im Zeichen Jungfrau, wogegen er nach Thun in dieser Zeit noch im Löwen stünde und erst am 6. April 12 Uhr in das Jungfrau-Zeichen einträte (bezogen auf mitteleuropäische Sommerzeit). Die jeweils empfohlenen Termine liegen bis zu drei Tage auseinander.
Auch gibt es in der Literatur unterschiedliche Ansichten über die Ausdehnung der Tierkreiszeichen (Gleichabständiges Modell, Konstellationsgrenzen), oder über die Qualität und Beurteilung der verschiedenen Perioden des Mondes.
Allgemein kann gesagt werden, dass Untersuchungen forsttechnischer Aspekte an Baumbeständen des Alpenraums und anderen von der modernen Forsttechnik geringfügiger beeinflussten Wäldern von deutlich höherer Aussagekraft sind. (Siehe hierzu den Artikel Mondholz).
Die Hauptproblematik lunar orientierter Agrartechniken dürfte die Tatsache sein, dass allfällige Regeln nur im regionalen, also mesoklimatischem Kontext anwendbar sind. Der Versuch, „kosmische Gesetze“ europaweit zu verwenden, scheint nicht die erwartete Qualität zu haben: Manche lokal tradierten Bauernregeln weisen eine deutlich bessere Erfolgsquote auf. Der Anwendung der Regeln auf Zimmerpflanzen, die sowohl von ihrem Standort als auch meist von ihrer Herkunft nicht dem Wechsel der Jahreszeiten unterliegen, dürfte – nach heutigem Wissensstand – aber missbräuchlich sein.
Wissenschaftlich weitgehend noch nicht untersucht ist, in welchem Zusammenhang durchaus verifizierbare Einzelexperimente zu sehen sind, und inwiefern mit treffenden Erkenntnissen in ihrer Form untaugliche Theorien belegt werden. Es muss aber bedacht werden, das auch kontraindizierte Studien nur einzelne Spezialfälle falsifizieren.
Neben der ursprünglichen Absicht werden astrologisch orientierte Mondkalender in einem weiten Spektrum verwendet, das sich von der Anwendung auf Körperhygiene bis zum Ausrichten von Feiern oder Ritualen verschiedener transzendent orientierter Gemeinschaften erstreckt.
Diese Verwendung im sozio-kulturellen Kontext findet sich im Grenzgebiet zwischen Esoterik und Pseudowissenschaft, Mode und Aberglaube. Das interpretatorische System, das in Mondkalendern verwendet wird, lässt einen breiten Spielraum für widersprüchliche oder persönliche, mehr oder minder dogmatische Aussagen, über deren Wert kaum gültig geurteilt werden kann.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Mondkalender (Astrologie)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world