Modellorganismen sind ausgewählte biologische Arten, also bestimmte Bakterien, Pilze, Pflanzen oder Tiere, die mit einfachen Methoden gezüchtet und untersucht werden können und deshalb von großer Bedeutung für die biologische und biomedizinische Forschung sind. Sie sind in vielfältiger Hinsicht sehr gut dokumentiert und gehörten zu den ersten Organismen, deren komplettes Genom entschlüsselt wurde. Die Forschung an Modellorganismen ist insbesondere in der Entwicklungsbiologie, der Genetik, der Molekularbiologie und der Pharmakologie weit verbreitet. Dabei wird versucht, allgemeingültige und auf andere Organismen inklusive des Menschen übertragbare Erkenntnisse zu gewinnen. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse solcher Tierversuche auf den Menschen ist jedoch umstritten.
Die Bakteriologie nutzt als Modellorganismen vor allem das gramnegative Bakterium Escherichia coli und das grampositive Bakterium Bacillus subtilis. Von beiden Stämmen sind für die Forschung nicht-pathogene Stämme verfügbar. Die entsprechenden Forschungsergebnisse lassen jedoch oft auch auf die entsprechenden pathogenen Varianten, wie z.B. enterohämorrhagische Escherichia Coli (EHEC) und Bacillus cereus, sowie andere klinisch relevante Bakterien übertragen und sind damit auch für die Medizin von Bedeutung. Beide Bakterienstämme werden darüber hinaus auch in vielfältiger Form in der Biotechnologie industriell genutzt. Ein weiterer vor allem in der Biotechnologie eingesetzter Modellorganismus ist das Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens.
Der Schimmelpilz Neurospora crassa aus der Abteilung der Schlauchpilze ist einer der wichtigsten Modellorganismen aus dem Reich der Pilze. Er wurde beispielsweise von George Beadle und Edward Tatum bei ihren Experimenten zur Entwicklung der "Ein Gen, ein Enzym"-Hypothese für Mutationsversuche eingesetzt. Ein weiterer als Modellorganimus genutzter Pilz ist die ebenfalls zu den Schlauchpilzen gehörende Hefe (Saccharomyces cerevisiae).
Die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) war 1999 die erste Pflanze, deren Genom komplett entschlüsselt wurde. Sie wird vor allem für die Forschung zur Zellbiologie, zur Molekularbiologie und zur Entwicklungsbiologie von Pflanzen verwendet.
Die Taufliege (Drosophila melanogaster) ist vor allem durch Kreuzungsversuche in der Genetik als Modellorganismus populär geworden. Dabei ist von Vorteil, daß diese Art mit leichtem Aufwand in hoher Organismenzahl gezüchtet werden kann, nur vier Chromosomenpaare besitzt und genetisch bedingte phänotypische Abweichungen vom Wildtyp, z.B. in der Anatomie und Morphologie der Tiere, leicht und oft mit bloßem Auge erkannt werden können. Der Fadenwurm Caenorhabditis elegans, 1998 der erste vielzellige Organismus mit vollständig sequenziertem Genom, ist insbesondere in der Entwicklungsbiologie von großem Interesse. Seine komplette Entwicklung bis zu den 959 Zellen eines ausgewachsenen Exemplars ist detailliert dokumentiert.
Amphibien
Der Krallenfrosch (Xenopus laevis) findet vor allem in der Embryologie und der Entwicklungsbiologie Verwendung.
Vögel
Ein häufig genutzter Modellorganismus aus dem Bereich der Vögel ist das Huhn (Gallus gallus). Forschungsgebiete, die das Huhn bevorzugt nutzen, sind z.B., die Embryologie, die Virologie und die Immunologie, die Entwicklungsbiologie im Bereich der Entwicklung von Gliedmaßen sowie die Züchtungsforschung.
Fische
Der Zebrabärbling (Danio rerio), oft auch als Zebrafisch bezeichnet, ist aufgrund seiner kurzen Generationszyklen und der Tatsache, daß seine Embryonen sich vollständig außerhalb der Mutter entwickeln und durchsichtig sind, als Modellorganismus in der Entwicklungsbiologie und Genetik populär. Eine besondere Zuchtform des Aland, die Goldorfe (Leuciscus idus), wird vor allem in der Ökotoxikologie genutzt.
Säugetiere
Die Maus (Mus musculus) und die Ratte (Rattus norvegicus) werden vor allem in der biomedizinischen Grundlagenforschung genutzt. Hierzu sind von beiden Arten eine Reihe von Inzucht-Linien gezüchtet worden. Diese sind teilweise durch eine besondere Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen gekennzeichnet und werden dann als Tiermodelle für diese Erkrankungen verwendet. Hierzu zählen beispielsweise die NOD-Maus (Non-Obese Diabetic Mouse) und die BB-Ratte für den Typ-1-Diabetes oder die SHR-Ratte (Spontaneous Hypertension Rat) für den essentiellen Bluthochdruck. Spezielle Mausstämme ohne Thymus sind aufgrund der fehlenden zellulären Immunabwehr für die Krebsforschung und die experimentelle Transplantationsmedizin von Interesse. Durch gezielte Deaktivierung eines Genes in sogenannten Knockout-Mäusen und durch die Kreuzungszüchtung von congenen Linien kann die Funktion eines einzelnen Gens bzw. eines kleinen Genabschnitts genauer untersucht werden.
Entwicklungsbiologie | Genetik | Molekularbiologie | Pharmakologie
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